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Blackberry liest E-Mail-Zugangsdaten seiner Kunden aus

Blackberry 10 telefoniert nach Account-Einrichtung "nach Hause"
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Ältere Blackberry-Smartphones funktionierten für die E-Mail-Kommunikation nur über zwischengeschaltete Server des Herstellers. Die Accounts für den Blackberry Internet Service mussten über ein passwortgeschütztes Online-Portal eingerichtet werden. Demnach war klar, dass dem Hersteller der Smartphones mit integriertem E-Mail-Pushdienst die Zugangsdaten für die E-Mail-Adressen der Kunden bekannt sind.

Beim neuen Blackberry-10-Betriebssystem werden die POP3-, IMAP4- und ActiveSync-Accounts dagegen lokal auf dem Smartphone angelegt. Ein zwischengeschalteter Blackberry-Server ist zur Nutzung des E-Mail-Dienstes nicht mehr erforderlich und auch ein spezieller Blackberry-Datentarif ist nicht mehr erforderlich. Dennoch werden die Zugangsdaten für die E-Mail-Postfächer weiterhin an Blackberry übermittelt.

E-Mail-Zugänge verzeichnen Abrufe von kanadischen IP-Adressen

Mit dem Blackberry Z10 startete die Blackberry-10-PlattformMit dem Blackberry Z10 startete die Blackberry-10-Plattform Wie das Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Clubs, in seinem Blog berichtet, werden die Informationen offenbar direkt nach deren Eingabe vom Smartphone aus an Blackberry übertragen. Das zeige sich dadurch, dass der E-Mail-Zugang nicht nur lokal, sondern parallel auch von einer IP-Adresse aus Kanada abgerufen worden sei.

Kanada ist die Heimat von Blackberry. Zudem soll die fragliche IP-Adresse zum Netzwerk des Smartphone-Herstellers gehören. Der Hintergrund dieser Maßnahme ist unklar. Zudem werden die Nutzer nicht darüber informiert, dass die Daten nicht lokal auf dem Handy verbleiben, sondern - wenn auch verschlüsselt - auch an Blackberry übermittelt werden.

Betroffen sind Blackberry Z10, Q10 und Q5

Betroffen sind das Blackberry Z10, das Blackberry Q10 und das Blackberry Q5. Wer eines dieser Geräte nur vorübergehend genutzt hat und nicht möchte, dass eine im Ausland ansässige Firma Zugang zu privaten und dienstlichen E-Mails bekommt, sollte seine Zugangsdaten somit ändern. Wer eines dieser Handys dauerhaft verwendet, muss wohl derzeit damit leben, dass die E-Mail-Daten auch auf den Blackberry-Servern liegen.

In der Vergangenheit war Blackberry dafür bekannt, besonders großen Wert auf Sicherheit zu legen. Vor allem deswegen werden die kanadischen Smartphones auch heute noch bevorzugt in vielen Firmen eingesetzt. Insofern verwundert dieses Späh-Manöver bei der aktuellen Geräte- und Software-Generation, zumal Blackberry hierfür bislang nicht einmal eine plausible Erklärung liefert. Derzeit ist es auch nicht absehbar, ob und wann Blackberry die Funktion abschaltet.

Gerücht: Passwort-Übermittlung soll vereinfachter E-Mail-Einrichtung dienen

Denkbar wäre, dass die Übermittlung von E-Mail-Adresse und Passwort einer vereinfachten Einrichtung des Accounts auf dem Smartphone dienen soll. Die Daten würden offenbar nicht übermittelt werden, wenn der Nutzer die erweiterten Einstellungen nutze und sämtliche Daten manuell eingebe. Auch hierfür gibt es jedoch bislang keine offizielle Bestätigung.

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