Weniger

Digital Detox: Die meisten geben vorher auf

Der Digi­tal­ver­band Bitkom macht regel­mäßig Umfragen. Diesmal die Frage, ob Digital Detox (weniger digi­tale Nutzung) über­haupt dauer­haft möglich ist.

Unsere Welt ist digital - ob wir es wollen oder nicht. Das Handy liegt auf dem Nach­tisch und noch vor am Aufstehen wird gecheckt, was es an E-Mails oder Messenger-Nach­richten gegeben hat, plus ein paar Schlag­zeilen einer bevor­zugten Nach­rich­ten­seite. Und ja nichts verpassen.

Guter Vorsatz? Deto­xing

Unter den Vorsätzen für das neue Jahr ist auch das "Deto­xing". Anruf statt Chat-Nach­richt, Buch statt Smart­phone, Einkaufs­bummel statt Online-Shop­ping: Beim Digital Detox soll für eine bestimmte Zeit gezielt auf Internet und digi­tale Medien verzichtet werden, um den Konsum insge­samt zu redu­zieren und wieder mehr Zeit bewusst "offline" zu verbringen. Knapp ein Zehntel (9 Prozent) der Inter­net­nutzer hat sich dies für das neue Jahr vorge­nommen. Das hat der digi­tale Bran­chen­ver­band Bitkom heraus­gefunden, der dazu mehr als 1.000 Personen in Deutsch­land ab 16 Jahren "reprä­sen­tativ" befragen ließ, darunter 887 Inter­net­nutzer.

43 Prozent haben es schon probiert

Digital Detox: Weniger Nutzung von Handys, e-mail, Internet etc. - geht das überhaupt? Digital Detox: Weniger Nutzung von Handys, e-mail, Internet etc. - geht das überhaupt?
Foto: Picture Alliance / dpa
Demnach haben 43 Prozent der Onliner in der Vergan­gen­heit bereits mindes­tens einmal zeit­weise bewusst auf Internet oder digi­tale Medien verzichtet – doch das endete nicht immer in einem Komplett­ver­zicht. So hat ein Drittel (35 Prozent) ledig­lich eine Auszeit von bestimmten digi­talen Anwen­dungen genommen, nur 14 Prozent haben sich komplett aus der digi­talen Welt zurück­gezogen. Nur sehr wenige (6 Prozent) haben bereits in mehreren Versu­chen beide Vari­anten probiert.

Unter jenen, die auf digi­tale Medien verzichtet haben, gibt es große Unter­schiede: Knapp ein Drittel hat Geräte wie Smart­phone, Tablet oder Laptop bewusst beiseite gelegt (31 Prozent) oder auf Video- und Compu­ter­spiele oder Gaming-Apps verzichtet (30 Prozent). Ein Fünftel hat für eine gewisse Zeit aufge­hört zu chatten (20 Prozent) oder soziale Netz­werke zu nutzen (19 Prozent).

17 Prozent haben bewusst auf Online-Shop­ping verzichtet. Etwas weniger schauten nicht in ihr E-Mail-Post­fach (8 Prozent) oder nutzten keine Strea­ming-Dienste wie Prime Video, Netflix oder YouTube (6 Prozent). Doch so einfach ist das nicht: „Durch die Einschrän­kungen in der Pandemie haben viele Menschen mehr als jemals zuvor auf digi­tale Medien zurück­gegriffen und die Nutzungs­zeiten sind massiv in die Höhe gegangen. Digital Detox war wohl noch nie so schwer wie in Zeiten des Social Distan­cing“, erklärt Bitkom-Haupt­geschäfts­führer Dr. Bern­hard Rohleder die Lage.

Bewusster Verzicht hält oft nur wenige Stunden an

Insge­samt sei der bewusste Verzicht auf digi­tale Medien für viele Menschen eher eine einma­lige Sache, so der Bitkom – und die meisten hielten das nicht lange durch. So habe knapp die Hälfte (48 Prozent) derje­nigen, die schon einmal eine bewusste Auszeit von digi­talen Medien und dem Internet genommen haben, dies erst ein einziges Mal auspro­biert. Die Auszeit sei insge­samt auch eher von kurzer Dauer: So hielten die meisten maximal einige Stunden ohne Unter­bre­chung durch (53 Prozent). Ein Fünftel (21 Prozent) verzich­tete zwar länger, aber nicht mehr als einen Tag. Weitere 15 Prozent verbrachten mehrere Tage ohne digi­tale Medien und nur 6 Prozent haben eine Woche oder länger durch­gehend darauf verzichtet.

Die Befra­gung zeigt außerdem: Männer halten die digi­tale Entgif­tung länger aus als Frauen. So hat es jeder vierte Mann (25 Prozent) bereits geschafft, mehrere Tage bis mehrere Wochen durch­zuhalten. Bei den Frauen ist es nur jede Sechste (17 Prozent). Aller­dings ist es im Kreis der Befragten niemandem gelungen, sich einen Monat oder länger von digi­talen Medien fern­zuhalten.

Wer wurde befragt?

Bitkom Rese­arch hatte von Anfang bis Mitte November 2021 dabei 1.003 Personen in Deutsch­land ab 16 Jahren tele­fonisch befragt. Gefragt wurde beispiels­weise: „Haben Sie sich für das kommende Jahr 2022 vorge­nommen, für eine bestimmte Zeit bewusst auf Internet und digi­tale Medien zu verzichten?“, „Auf welche der folgenden Bereiche haben Sie schon einmal im Privat­leben für eine gewisse Zeit bewusst verzichtet?“, „Und in welchem Umfang haben Sie schon mal auf Internet und digi­tale Medien verzichtet?“, „Wie häufig verzichten Sie im Privat­leben bewusst auf Internet bzw. digi­tale Medien?“ und „Wie lange haben Sie bisher maximal auf digi­tale Medien durch­gehend verzichtet?“

Regel­mäßig veröf­fent­licht der Bran­chen­ver­band Bitkom verschieden Umfragen zu digi­talen Themen, die inter­essante Trends aufzeigen.

Auch inter­essant: Die Echt­zeit­über­wei­sung ist noch eher die Ausnahme.

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