34 Milliarden

Sprachtelefonie über 5G noch nicht genormt

Mit 5G wird man ohne Zusatzsoftware und Kundenkonto vorerst nicht telefonieren können. Immerhin soll dieses Jahr der Markt für Smartphones, Apps, Dienste und Mobilfunknetze in Deutschland auf 34,3 Milliarden Euro anwachsen.
Von der Bitkom-Pressekonferenz berichtet
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Der Branchenverband BITKOM sagt für den diesjährigen Markt rund ums Smartphone ein Wachstum von 3 Prozent voraus.
Der Branchenverband BITKOM sagt für den diesjährigen Markt rund ums Smartphone ein Wachstum von 3 Prozent voraus.
Vor dem Mobile World Congress vom 25. bis 28. Februar in Barcelona schauen Marktforscher, Institute und Verbände wieder in ihre Glaskugeln und sagen uns rosige Zeiten voraus.

Der Branchenverband Bitkom, in dem unter anderem die Mobilfunkbieter Telekom, Vodafone oder Telefónica o2 vertreten sind, sieht beim Markt für Smartphones in Deutschland einen positiven Trend.

Größere Displays, bessere Netze und steigender mobiler Datenverkehr: Dieses Jahr soll der Markt für Smartphones, Anwendungen (Apps), Telekommunikationsdienste und Mobilfunknetze in Deutschland auf 34,3 Milliarden Euro anwachsen, was einem Umsatzplus von 3 Prozent oder einer Milliarde Euro mehr im Vergleich zum Vorjahr entspräche.

Deutscher Markt gegen den weltweiten Trend

Der größte Umsatzanteil entfällt (erwartungsgemäß) auf Daten- und Sprachdienste mit 20,3 Milliarden Euro (plus 3 Prozent). Mit Smartphones werden 10,4 Milliarden Euro umgesetzt.

In die Netzinfrastruktur für mobile Kommunikation fließen wie im Vorjahr 2 Milliarden Euro, wobei die Kosten für Frequenzen (Lizenzen) oder Gebäude (und Sendetürme) noch gar nicht eingerechnet sind.

Der App-Markt beläuft sich auf 1,6 Milliarden Euro und wächst mit 5 Prozent am kräftigsten. „Das Smartphone ist ein mobiler Begleiter in allen Lebenslagen. Das Ökosystem aus Geräten, Apps, Diensten und Netzinfrastruktur steht für stabiles Wachstum – und für Innovation“, sagt Bitkom-Präsidiumsmitglied Hannes Ametsreiter, im Hauptberuf CEO von Vodafone Deutschland. „Der deutsche Markt entwickelt sich entgegen dem globalen Trend positiv. Während der Smartphone-Absatz auf dem Weltmarkt zuletzt zurückging, bleibt die Nachfrage in Deutschland stabil und speziell das Interesse an hochpreisigen Phablets nimmt weiter zu.“

80 Prozent der Nutzer haben ein Smartphone, die Mehrheit mit Bildschirmen größer als 5 Zoll Diagonale.
80 Prozent der Nutzer haben ein Smartphone, die Mehrheit mit Bildschirmen größer als 5 Zoll Diagonale.

22,9 Millionen neue Geräte

In diesem Jahr sollen nach der Prognose des Bitkom mit Smartphones 10,4 Milliarden Euro umgesetzt werden (2,4 Prozent mehr als im Vorjahr) und 22,9 Millionen Geräte sollen mehr verkauft werden (plus 0,5 Prozent). Die Mehrheit werden Phablets sein, also Smartphones ab einer Displaygröße von 5,5 Zoll oder mehr. Der Durchschnittspreis pro Gerät steigt dabei von 444 Euro (im letzten Jahr) auf 453 Euro (2019). 2018 wurden erstmals mehr Phablets als sonstige Smartphones abgesetzt.

„Ob Einsteiger-Gerät oder Flaggschiff-Modell: Der Trend geht zu großflächigen und nahezu randlosen Displays. Die starke Nachfrage nach hochpreisigen Geräten mit Highend-Kameras treibt Umsätze und Durchschnittspreise“, sagt Ametsreiter.

81 Prozent der Menschen in Deutschland nutzen ein Smartphone

Eine beachtliche Zahl: Acht von zehn Menschen ab 14 Jahren in Deutschland nutzen ein Smartphone das sind 57 Millionen Nutzer. „Der Anteil der Smartphone-Nutzer stabilisiert sich auf hohem Niveau. Wachstumspotenzial gibt es allenfalls noch bei älteren Menschen, für die es noch nicht selbstverständlich ist, ein Smartphone zu nutzen“, stellt Ametsreiter dazu fest.

Für die überwiegende Mehrheit sind Smartphones ein wichtiger und nützlicher Begleiter im alltäglichen Leben, wie eine aktuelle repräsentative Bitkom-Umfrage ergab. Neun von zehn Nutzern (87 Prozent) sehen in den mobilen Geräten eine große Erleichterung im Alltag. Drei von vier (73 Prozent) können sich ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen.

Smartphones polarisieren: Während sich zwei von drei Nutzern (65 Prozent) durch Smartphones anderen Menschen näher fühlen, beklagen acht von zehn (78 Prozent), dass Menschen durch die zunehmende Smartphone-Nutzung immer weniger miteinander reden würden.

Smartphone steuert Internet of Things

Was viele Anwender noch gar nicht so auf dem Schirm haben: Mit der verstärkten Vernetzung von Alltagsgeräten wächst auch die zentrale Rolle des Smartphones als "Steuerungszentrale" für das Internet der Dinge ("Internet of Things", kurz IoT). So sollen 40 Prozent ihr Smartphone schon einmal mit einem "Wearable" wie einer Smartwatch oder einem Fitnessarmband verbunden haben, 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Jeder Fünfte hat sein Handy mit dem heimischen Smart-TV verbunden. Auch bei Audio-Geräten, Haushaltsgeräten (jeweils 18 Prozent, plus 6 Punkte) und den Virtual-Reality-Brillen (6 Prozent) gibt es einen Trend zu mehr Vernetzung.

Jeder Zweite macht jede Modellrunde mit

Folgt man den Zahlen des Bitkom, ist der Nutzungszyklus von Smartphones überwiegend kurz. Jeder zweite Nutzer gibt an, sich immer das neueste Smartphone-Modell zu kaufen. Sechs von zehn Smartphone-Besitzern haben ein Gerät, das maximal ein Jahr alt ist. 25 Prozent besitzen eines im Alter von 13 bis 24 Monaten. Nur jeder Achte (12 Prozent) hat sein Smartphone länger als zwei Jahre. „Die Faszination für neueste Technik, zusätzliche Features und mehr Leistung ist groß. Viele Nutzer machen jede Modellrunde mit“, sagt Ametsreiter.

Der Smartphone Wunschzettel

Bei den Top-3-Kriterien für den nächsten Smartphone-Kauf stehen Akkueigenschaften und Leistungsdaten ganz oben auf der Wunschliste. 59 Prozent wünschen sich für das nächste Smartphone eine deutlich längere Akkulaufzeit, 30 Prozent wollen schneller und jeder Vierte würde gerne drahtlos aufladen.

43 Prozent benötigen mehr Speicherplatz, jeder Fünfte eine bessere Kamera. Weniger wichtig sind Funktionen wie 3D-Fähigkeit (13 Prozent), Wasserdichtigkeit (8 Prozent), ein zweiter SIM-Karten-Einschub (5 Prozent) oder eine NFC-Schnittstelle zum mobilen Bezahlen (5 Prozent). Niedrige Priorität haben Fingerabdrucksensor (3 Prozent) und Gesichtserkennung (2 Prozent), die bei vielen Geräten schon Standard sind. Trotz steigender Absatzzahlen geben nur die wenigsten Nutzer das Display als wichtiges Kaufargument an: 8 Prozent wünschen sich ein eine bessere Qualität, 5 Prozent eine größere Diagonale und 4 Prozent einen geschwungenen oder biegsamen Bildschirm. Maximal drei Wünsche waren möglich.

Mobiler Datenverkehr wächst rasant

Insbesondere bei mobile Daten liegt für den Bitkom auch in Zukunft das größte Wachstumspotenzial. Für 2019 sagt der Bitkom ein Datenvolumen von 2,95 Milliarden Gigabyte voraus. 2018 waren es 51 Prozent von 1,39 auf 2,10 Milliarden Gigabyte gewesen. 52 Prozent der Befragten klagen, dass ihr monatliches Inklusivvolumen nicht ausreiche. „Tarife mit mehr Inklusivvolumen sind unterm Strich oft günstiger, als im laufenden Abrechnungsmonat zusätzliche Kapazität hinzubuchen“, sagt Ametsreiter.

Tarife, bei denen bestimmte Dienste wie Musik- und Video-Streaming oder Social Media nicht auf das Inklusivvolumen angerechnet werden, würden weit akzeptiert. 90 Prozent befürworten solche Zero-Rating-Tarife. Schon jeder Zweite kann sich vorstellen, Zero-Rating-Tarife zu nutzen, und darunter wäre jeder Vierte bereit, dafür auch mehr zu bezahlen. Ametsreiter: „Die Nachfrage nach mobilen Daten wächst weiter. Streaming-Angebote und Social-Media-Dienste lassen den Datenverkehr rasant ansteigen.“

Bestes Netz zu niedrigsten Preisen

Bei der Wahl ihres Mobilfunkanbieters stellen die Verbraucher hohe Ansprüche an die Netzbetreiber. Neun von zehn Nutzern ist eine möglichst hohe Netzabdeckung wichtig, 78 Prozent eine möglichst hohe Surfgeschwindigkeit, 72 Prozent wollen möglichst wenig zahlen. Jeder Dritte (35 Prozent) achtet auf ein attraktives Kombiangebot, mit Festnetz- beziehungsweise Fernsehanschluss. Das ist eine schwierige Aufgabe gibt Ametsreiter im Gespräch zu: „Jedem muss klar sein, dass es Qualität nicht zum Nulltarif gibt und dass sich für die Netzbetreiber die erheblichen Investitionen in den Netzausbau auch rechnen müssen.“

5G: Hohe Erwartungen - geringe Zahlungsbereitschaft

Eine staatliche Netzaufbaugesellschaft lehnt das Präsidiums-Mitglied des BITKOM, Dr. Hannes Ametsreiter (und CEO von Vodafone Deutschland) ganz klar ab.Eine staatliche Netzaufbaugesellschaft lehnt das Präsidiums-Mitglied des BITKOM, Dr. Hannes Ametsreiter (und CEO von Vodafone Deutschland) ganz klar ab. Mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G, für den im Frühjahr die Frequenzen versteigert werden (sollten), verbinden Smartphone-Nutzer hohe Erwartungen: 76 Prozent versprechen sich bessere Versorgung ohne Funklöcher. Jeweils zwei von drei erwarten höhere Geschwindigkeiten und weniger Netzausfälle. Es folgen kurze Reaktionszeiten und längere Akkulaufzeiten (25 Prozent). 4 Prozent haben hingegen keine besonderen Erwartungen an 5G. 12 Prozent würden sich im Moment auch mit dem 4G-Netz zufrieden geben.

Der Wermuts-Tropfen: Die Zahlungsbereitschaft für das erwartete Leistungsplus ist gering. 25 Prozent der Smartphone-Nutzer würde für 5G pro Monat weniger als zehn Euro zusätzlich zahlen, 31 Prozent vielleicht bis unter 20 Euro und nur 2 Prozent sind wirklich bereit, dafür 20 bis unter 30 Euro Aufpreis zu zahlen. Mit 39 Prozent ist die größte Gruppe überhaupt nicht bereit, für 5G mehr zu bezahlen. Im Durchschnitt würden die Befragten 5 Euro zusätzlich pro Monat zahlen wollen. Für den Aufbau der 5G-Netze werden die Netzbetreiber in Deutschland einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag investieren müssen.

Weiter drei getrennte Netze?

Der Frage von teltarif.de, ob der zu erwartende, intensive Netzausbau möglicherweise die Grenzen der Anbieter überschreiten könne und wir deshalb zu einem (staatlichen) Deutschland-Netz gelangen könnten, widersprach Ametsreiter: „Wir wollen privaten Wettbewerb, weil sich herausgestellt hat, dass dies die beste Möglichkeit sein wird, Funklöcher zu beseitigen.“ Eine staatliche Netzgesellschaft lehnt Ametsreiter ganz klar ab.

5G ist "sprachlos"

Ametsreiter machte auf einen Umstand aufmerksam, der in der teilweise euphorischen Diskussion über 5G stellenweise unterging: Mit 5G wird man (ohne Nutzung des Dritt-Providers für SIP-Dienste) zunächst nur Daten übertragen, aber nicht telefonieren können. Es ist wie bei LTE: Zum Start gab es keinen Sprachdienst, VoLTE kam erst viel später. 5G-Nutzer werden zunächst über VoLTE (4G) telefonieren. Technisch kundige Anwender können einen eigenen separaten SIP-Provider (für VoIP) buchen und über eine App oder einen Client mobil telefonieren.

Woher stammen die Zahlen?

Den Prognosen liegen Untersuchungen des European Information Technology Observatory (EITO) zugrunde. EITO liefert aktuelle Daten zu den weltweiten Märkten der Informationstechnologie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik und ist ein Projekt der Bitkom Research GmbH in Zusammenarbeit mit den Marktforschungsinstituten IDC und GfK (Gesellschaft für Konsumforschung).

Grundlage der Angaben zur Nutzung von Smartphone und Mobilfunk war eine repräsentative Befragung, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dafür wurden 1003 Bundesbürger ab 16 Jahren befragt. Die Angaben zum Datenvolumen beruhen auf Berichten von Bundesnetzagentur, Mobilfunknetzbetreibern und Netzwerkausstattern.

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