Breitbandumfrage

Wenig Lust auf mehr Geld für besseres Netz

Der Branchenverband Bitkom hat Verbraucher zum Breitbandausbau befragt. 40 Prozent würden nicht mehr bezahlen wollen, 88 Prozent fordern öffentliche Fördergelder.
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Der Branchenverband Bitkom hat eine Verbraucherumfrage zum Breitbandausbau veröffentlicht. Sie zeigt sehr klar die Quadratur des Kreises, denn vier von zehn Internet-Haushalten würden für Gigabit-Anschlüsse nicht mehr als bisher bezahlen wollen. 88 Prozent der Befragten fordern öffentliche Fördergelder. Im Moment liegen die durchschnittlichen Kosten für Festnetz-Internet bei 34 Euro pro Haushalt.

Kunden sehen Fortschritte

Trotz der häufig geäußerten Kritik an den deutschen Breitbandnetzen spüren viele Internetnutzer Fortschritte beim Breitbandausbau, gleichzeitig fordern sie noch weitere Verbesserungen. So geben zwei Drittel der Haushalte mit Internetanschluss (66 Prozent) an, dass sich die Verfügbarkeit von schnellem Internet bei ihnen in den vergangen fünf Jahren verbessert hat. Parallel wollen 77 Prozent Gigabit für alle bis 2025 und volle 91 Prozent fordern die Bundesregierung auf, den Breitbandausbau mit hoher Priorität voran zu treiben.

Zahlungsbereitschaft gering

Alle möchten flächendeckend schnellstes Internet. Kosten soll es möglichst nichts.Alle möchten flächendeckend schnellstes Internet. Kosten soll es möglichst nichts. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 999 Haushalten mit Internetanschluss. Demnach ist die Bereitschaft der Verbraucher, für mehr Bandbreite auch mehr zu zahlen, derzeit allerdings noch gering. 42 Prozent der befragten Haushalte sagen, dass sie für Gigabit keinen Cent zusätzlich zahlen würden. Weitere 18 Prozent geben an, monatlich maximal 10 Euro zusätzlich zahlen zu wollen. Nur 12 Prozent wären bereit, mehr als 20 Euro zusätzlich aufzuwenden. Die maximale Zahlungsbereitschaft liegt bei bis zu 60 Euro zusätzlich pro Monat, mehr wollen auch Selbstständige und Freiberufler für Gigabit nicht ausgeben.

„Bei einer geringen Zahlungsbereitschaft für schnelles Internet ist es umso wichtiger, dass die Politik einen Regulierungsrahmen gestaltet, der so viel privatwirtschaftliches Engagement wie möglich generiert“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Dies müsse durch Fördermittel für jene Regionen ergänzt werden, die nicht wirtschaftlich mit Breitband erschließbar sind. Dabei ist die Zahlungsbereitschaft der Haushalte in den derzeit weniger gut versorgten ländlichen Regionen nicht höher als in den bereits gut versorgten Großstädten. „Im Durchschnitt ist ein Gigabit-Anschluss den deutschen Haushalten aktuell 14 Euro zusätzlich im Monat wert“, so Berg. „Offenbar ist vielen Verbrauchern noch nicht klar, wozu sie Gigabit-Leistungen künftig brauchen werden.“ Berg weiter: „Wir müssen jetzt in die Gigabit-Infrastruktur von morgen investieren. Denn der Bedarf an schnellem Internet wird weiter zunehmen. Dort, wo heute schon zahlreiche Nutzer gemeinsam auf das Internet zugreifen, muss der Ausbau zuerst stattfinden: in Schulen, Gewerbegebieten und Krankenhäusern.“ In ländlichen Regionen sollten laut Umfrage dafür staatliche Fördermittel bereitgestellt werden. Das sagen 88 Prozent der Befragten.

Zweistelliger Milliardenbetrag in Vorleistung

Achim Berg weiter: „Für den Ausbau der Gigabit-Netze bringen die Netzbetreiber in den kommenden Jahren einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag auf und gehen damit in Vorleistung. Für einen schnellen Breitbandausbau müssen vor allem drei Bedingungen gegeben sein: Anreize für Investitionen, ausreichende Kapazitäten im Tiefbau sowie schnelle und einfache Genehmigungsverfahren, auch für alternative Verlegetechniken.“

Aktuell wünschen sich sechs von zehn Haushalten (62 Prozent) schnellere Downloads, 37 Prozent wollen schnellere Uploads und jeder dritte Haushalt (34 Prozent) wünscht sich, unabhängig von der Personenzahl im Haushalt uneingeschränkt im Internet surfen zu können. Wer Internet im Haus hat, gibt dafür derzeit im Schnitt 34 Euro pro Monat aus. Damit sind häufig die Kosten für Telefonie mit abgedeckt.

Wie wurden die Werte ermittelt?

Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Befragung, die Bitkom Research im Auftrag des Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden im Februar und März 2018 insgesamt 999 Haushalte mit Internetanschluss telefonisch befragt. Die Fragen lauteten: „Wie viel wären Sie maximal bereit monatlich mehr für einen Gigabit-Anschluss zu bezahlen?“ „Wie hoch sind die monatlichen Kosten für den Internetzugang in Ihrem Haushalt insgesamt?“ „Welche Erwartungen haben Sie an die Politik bezüglich des Breitbandausbaus?“ „Welche Erwartungen haben Sie in den nächsten Jahren an Ihren Internetanschluss?“ „Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Verfügbarkeit von schnellerem Internet in Ihrer Gegend in den letzten 5 Jahren entwickelt?“

Es soll flächendeckend schneller werden, aber die Bereitschaft dafür mehr Geld auszugeben, ist verschwindend gering. Selbst wenn der Staat hier zuschiesst, zahlen alle Bürger (über ihre Steuern) den Ausbau am Ende mit.

Wer ist Bitkom?

Der Bitkom ist ein Branchenverband und vertritt mehr als 2 400 Unternehmen der digitalen Wirtschaft, davon 1 600 Direktmitglieder. Sie erzielen mit 700 000 Beschäftigten jährlich Inlandsumsätze von 140 Milliarden Euro und stehen für Exporte von weiteren 50 Milliarden Euro. Zu den Mitgliedern zählen 1 000 Mittelständler, mehr als 300 Start-ups und nahezu alle Global Player, wie beispielsweise die Deutsche Telekom oder Vodafone und viele andere. Die Unternehmen bieten Software, IT-Services, Telekommunikations- oder Internetdienste an, stellen Hardware oder Consumer Electronics her, sind im Bereich der digitalen Medien oder der Netzwirtschaft tätig oder in anderer Weise Teil der digitalen Wirtschaft. 79 Prozent der Unternehmen haben ihren Hauptsitz in Deutschland, weitere 9 Prozent kommen aus Europa, 8 Prozent aus den USA. 4 Prozent stammen aus Asien, davon die meisten aus Japan. Der Verband Bitkom möchte die digitale Transformation der deutschen Wirtschaft fördern und setzt sich insbesondere für eine innovative Wirtschaftspolitik, eine Modernisierung des Bildungssystems und eine zukunftsorientierte Netzpolitik ein.

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