Bedeutend

Deutsche Telekom: Wichtiger Player beidseits des Atlantiks

Die Telekom AG schenkt sich zum 25. Geburtstag die besten Zahlen ihrer Geschichte. Höttges findet, dass Dirk Wössner zu früh gehe.
Von der Bilanzpressekonferenz im Hauptquartier der Telekom in Bonn berichtet
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Zu Beginn der Bilanz­pres­sekon­ferenz zündete Telekom Chef Tim Höttges eine Kerze an. Die plat­zierte er auf einem Geburts­tags­kuchen, sein Unter­nehmen, die Deut­sche Telekom Akti­enge­sell­schaft, wird 25. Höttges dankte seinen Mitar­beitern, welche an dieser Entwick­lung mitge­arbeitet haben. Die Telekom habe Krisen gehabt und gelernt, sich im Wett­bewerb zu behaupten, und „sie ist immer noch da“. Und quasi als Geburts­tags­geschenk lieferte Höttges die besten Zahlen der Unter­nehmens­geschichte.

80,5 Milli­arden Umsatz

Eine Bilanzpressekonferenz ist meist ein Feuerwerk von Zahlen, Fakten und Hintergründen.Eine Bilanzpressekonferenz ist meist ein Feuerwerk von Zahlen, Fakten und Hintergründen. 80,5 Milli­arden Euro hat die Telekom letztes Jahr bewegt und nach Steuern, Abschrei­bungen, Zinsen und Leasing etwa 24,7 Milli­arden verdient, geplant waren nur 24,1 Milli­arden gewesen. In der Kasse („Free Cash­flow“) sind 7 Milli­arden Euro, 300 Millionen mehr als geplant. Rechnet man das (berei­nigte) Ergebnis auf eine Aktie, wären das 1,04 Euro pro Aktie, 8,3 Prozent mehr als im Jahr davor.

Schwer­punkt­thema USA

Logi­scher­weise räumte Höttges der Mega­fusion in den USA breiten Raum der Pres­sekon­ferenz ein. Wir werden das in einem weiteren Artikel näher beleuchten. Mit der neu gewon­nenen Macht im US-Markt wächst das Selbst­bewusst­sein in Europa. Höttges greift ein Thema auf, das ihm am Herzen liegt, ein euro­päischer Player mit Gewicht im Welt­markt.

Neuer Ordnungs­rahmen

Höttges möchte einen Ordnungs­rahmen, der Inves­titionen ermög­licht, was bedeutet „Netze bauen“. Die zahl­reichen Koope­rationen, die aktuell entstehen, seien Zeichen eines Kultur­wandels in dieser Indus­trie. Dazu gehört auch das Abkommen mit Voda­fone, 4000 „graue“ Flecken auszu­bauen. Hier stellt jeder Infra­struktur zur Verfü­gung, wo der andere bisher „exklusiv“ vertreten war. Zusätz­lich wollen Telekom, Voda­fone und Telefónica noch 6000 Stand­orte ausbauen, wo bisher nichts geht. 2019 hat die Telekom alleine 13,1 Milli­arden Euro in den Netz­ausbau inves­tiert, davon alleine in Deutsch­land etwa 5,5 Milli­arden Euro.

Wössner geht zum früh

Zum ange­kündigten Weggang von Dirk Wössner bemerkte Höttges, dass dieser viel zu früh erfolge. Man werde einen guten Nach­folger und eine klare Rege­lung finden, weswegen er heute noch keine Person benennen werde. Am Rande wurde bekannt, dass Wössner noch bei der Telekom ist und erst zum Jahres­ende wie geplant gehen wolle, sofern nicht vorher ein Nach­folger gefunden und eine neue Rege­lung getroffen werde.

Netz­ausbau geht weiter: Gesetz könnte das beschleu­nigen

Zufrieden ist Höttges mit dem aktu­ellen Netz­ausbau bei 5G von „450 Antennen“ in acht Städten und das werde weiter fort­schreiten. Auch 4G wird weiter massiv ausge­baut. Höttges hofft auf poli­tische Unter­stüt­zung beim geplanten Infra­struk­tursha­ring auf MOCN-Basis. Er würde der Politik ein Infra­struk­turbe­schleu­nigungs­gesetz vorschlagen, das einen schnel­leren Netz­ausbau erlauben würde. „Deutsch­land hat die längsten Geneh­migungs­verfahren“

Wird T-Mobile Nieder­lande wieder verkauft?

Das Geschäft von T-Mobile in den Nieder­landen läuft gut. Vor einiger Zeit hatte ein privater Investor der Telekom etwa 2,3 Milli­arden dafür geboten, „heute ist es vier Milli­arden“ Wert. Höttges erklärt sein Finanz-Prinzip: „Jedes Geschäft hat sein Geld zu verdienen, es gibt keine Quer­subven­tionie­rung! Die Manager sollten in ihren Kern­geschäften ihre Geschäft beherr­schen und ihre Probleme lösen.“

Rein theo­retisch sei also denkbar, T-Mobile Nieder­lande wieder zu verkaufen, genauso könnten die Deut­sche Funk­turm (DFMG) ein Objekt sein. Dort gibt es den kuriosen Umstand, dass Inves­toren die Stand­orte und Sende­türme höher bewerten, als es die Telekom selbst kann. Bei einem Verkauf würde die Telekom dann ihre „eigenen“ Stand­orte vom Investor zurück mieten, eine Konstruk­tion, die Außen­stehende ohne fundierte betriebs­wirt­schaft­liche Kennt­nisse und Hinter­gründe kaum verstehen können, die aber in der Branche oft ange­wendet wird.

10 Millionen MagentaEins Kunden?

Höttges freut sich über 9,6 Millionen MagentaEins-Kunden und möchte bald den 10-Milli­onsten Kunden begrüßen.

Glas­faser Pur, Vecto­ring ist fertig, Umstel­lung auf VoIP auch

Abge­schlossen ist für Höttges die noch von Niek Jan van Damme ange­scho­bene Umstel­lung des Tele­fonnetzes von analog oder ISDN auf IP bis zum Jahres­ende. Einzig im Geschäfts­kunden­bereich gebe es noch ein paar kompli­zierte Fälle, die noch gelöst würden.

Beim Breit­band­ausbau wird „ab sofort Glas­faser pur“ ausge­baut, denn „FTTC ist fertig“. Im Fest­netz und Breit­band Geschäft sieht sich die Telekom gut aufge­stellt, die den Breit­band-Anschluss gerne mit Magenta-TV verkaufen möchte und bislang eine verschwin­dend geringe Kündi­gungs­quote hat. Das Kampf­angebot von Voda­fone für 1 GBit/s Down­load im Kabel-TV-Netz sieht die Telekom mit Verwun­derung? „Warum wird der Preis um die Hälfte redu­ziert? Verkauft sich das so schlecht?“

Fußball exklusiv bei der Telekom?

Auf die Fußball­rechte bei der Telekom ange­spro­chen, betonten Höttges und Illek, dass noch keine Entschei­dung getroffen sei, ob man mitbieten oder bei einem Anbieter subli­zenzieren werde. Das hänge auch vom Preis ab. „Für jedes Gut gibt es einen guten Preis. Das müssen wir uns angu­cken. Natür­lich hätten wir gerne jeden Sport auf dem eigenen Kanal, aber das muss ökono­misch sein. Diese Rechte sind wie eine Droge, hat man sie einmal bekommen, will man sie immer wieder. Das ist ein gefähr­liches Geschäft. Bisher konnten wir unseren Partner Sky inte­grieren - dann macht es Spaß.“

Service verbes­sern spart Kosten

Als Einstim­mung auf den Kapi­talmarkttag ging Höttges auf den Kunden­service ein. Der Service sei „noch nicht tadellos“, man werde aber besser. So reibungslos wie aktuell, lief es noch nie. Dabei handelt die Telekom nicht nur aus altru­isti­schen Gründen. Wenn der Kunde zufrieden ist, weil alles funk­tioniert, muss er nicht beim Service anrufen. Dadurch lassen sich bis zu 1,5 Milli­arden Euro einsparen.

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