Netzausbau

UMTS lebt: Netz in Berliner U-Bahn oft unbrauchbar

Schon seit Jahren soll die Berliner U-Bahn voll mit LTE versorgt sein. Doch der Ausbau gerät immer wieder ins Stocken. Selbst das eigent­lich bereits verfüg­bare o2-Netz ist oft unbrauchbar.

Vor zwei Jahren wurde ein gemein­sames Projekt der deut­schen Mobil­funk-Netz­betreiber vorge­stellt, das den LTE-Stan­dard in die Berliner U-Bahn bringen sollte. Aktuell stehen UMTS und LTE nur von Telefónica (fast) überall im Unter­grund der Bundes­haupt­stadt zur Verfü­gung. Hinter­grund dafür sind Verträge, die noch E-Plus mit der Berliner Verkehrs­gesell­schaft BVG abge­schlossen hat.

Das im Herbst 2019 ange­kün­digte Ausbau-Projekt sollte eigent­lich Ende 2020 abge­schlossen sein. Schon Mitte vergan­genen Jahres haben wir darüber berichtet, dass der Ausbau stockt. Mitt­ler­weile wird mit der LTE-Voll­ver­sor­gung der Berliner U-Bahn erst für Ende kommenden Jahres gerechnet. Pein­lich für die deut­sche Haupt­stadt und alle Betei­ligten. Denn bis dahin müssen die U-Bahn-Fahrer oft auf eine zeit­gemäße Mobil­funk-Versor­gung verzichten.

Mobilfunk in der Berliner U-Bahn Mobilfunk in der Berliner U-Bahn
Foto: teltarif.de
In einem Mitte November mit dem Apple iPhone 12 Pro Max und dem Samsung Galaxy S20 Ultra durch­geführten Test auf den U-Bahn-Linien 7 und 9 zeigte sich, dass auch Telefónica den Ausbau bitter nötig hätte. Das aktuell verfüg­bare Netz ist zum einen nicht lückenlos verfügbar und zum anderen in Zeiten mit starker Auslas­tung schlicht unbrauchbar.

Im Feier­abend-Verkehr geht fast nichts

Wir sind an einem Montag spät­nach­mit­tags mit der U7 einmal quer durch Berlin gefahren - vom Rathaus Spandau bis zur Johan­nis­thaler Chaussee. Wir gingen Webradio (MP3-Stream mit 128 kbit/s) hörend in den U-Bahn-Bereich des Bahn­hofs am Rathaus Spandau. Dort war der LTE-Empfang im o2-Netz sehr gut. Das änderte sich im Laufe der Fahrt durch die Bundes­haupt­stadt. Statt­dessen zeigen die Smart­phones plötz­lich einen Netz­stan­dard an, der in Deutsch­land eigent­lich schon begraben wurde: UMTS.

UMTS in der U7 UMTS in der U7
Foto: teltarif.de
Anders als ober­irdisch scheint es in der U-Bahn nicht so einfach möglich zu sein, die bislang für UMTS verwen­deten Kapa­zitäten für LTE umzu­widmen. Hin und wieder war das Signal zudem sehr schwach und kurz­zeitig fanden wir uns sogar im GSM-Netz wieder. Für den mobilen Internet-Zugang machte das kaum einen Unter­schied. Wir mussten uns nicht nur kurz nach Beginn der U-Bahn-Fahrt vom Radio-Strea­ming verab­schieden. Selbst Text-E-Mails und WhatsApp-Nach­richten kamen nicht mehr durch.

Ein Einzel­fall waren die schlechten Erfah­rungen mit dem Mobil­funk­netz in der Berliner U7 nicht. Am nächsten Tag sind wir in der U9 vom Rathaus Steglitz bis zum Kurfürs­ten­damm gefahren. Auch dort war der Internet-Zugang am späten Nach­mittag schlicht unbrauchbar, weil vermut­lich zu viele Kunden gleich­zeitig darauf zugreifen wollten. Am späten Abend sah es dann deut­lich besser aus und selbst Video­strea­ming war möglich.

Datenverbindung kommt nicht zustande Datenverbindung kommt nicht zustande
Foto: teltarif.de
Wie lange die Misere um den Netz­ausbau in der Berliner U-Bahn bereits andeutet, zeigt sich in einer Meldung von 2018, die von einer LTE-Voll­ver­sor­gung schon 2019 "geträumt" hatte.

Mehr zum Thema Netzausbau