Berlin

So kommen LTE & UMTS ins Berliner Olympiastadion

Die Mobilfunkanbieter haben in einer Gemeinschaftsaktion das Berliner Olympiastadion mit 72 Antennen und Technik versorgt. Wir blicken hinter die Kulissen.
Aus Berlin berichtet Thorsten Neuhetzki
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Es war knapp, doch es ist geschafft: Kurz vor dem DFB-Pokal-Finale im Berliner Olympia­stadion an diesem Wochenende haben die drei Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica im drittgrößten Stadion Deutsch­lands gemeinsam ihre Netze in Betrieb genommen. Gemeinsam bedeutet, dass ein Teil der Infrastruktur im Auftrag aller Netzbetreiber durch die Deutsche Telekom gebaut wurde, die eigene Netz­infrastruktur aber von jedem Netzbetreiber errichtet wurde. Wir geben Ihnen einen Einblick in den Netzausbau in der Hauptstadt.

Schaubild zur Abdeckung der einzelnen Antennensegmente im Stadion.Schaubild zur Abdeckung der einzelnen Antennensegmente im Stadion. "Meine Kollegen sind gerade noch im Stadion und messen", sagt uns ein Vodafone-Netztechniker, als wir ihn am vergangenen Donnerstag vorm Olympia­stadion treffen. Bei Messungen sind bei LTE noch Fehler aufgetreten. Damit es am Wochenende bei mehr als 70 000 Zuschauern im Stadion nicht zu Problemen kommt, wird noch einmal nachgebessert. Zutritt zum Stadion haben wir nicht mehr, das Pokalfinale wirft seine Schatten voraus. Mangels Akkreditierung dürfen weder unser Gesprächs­partner aus der Vodafone-Technik, noch wir das Stadion betreten. Nur die Messtechniker von Vodafone können noch letzte Hand anlegen. Uns bleibt nur das Gespräch vor dem Stadion, doch das ist genauso spannend, wie die Antennen und die Technik mit eigenen Augen zu sehen.

72 Antennen versorgen etwa 70 000 Zuschauer

Eine der Antennen im StadionEine der Antennen im Stadion 72 Antennen haben die Netzbetreiber gemeinsam im sogenannten Kessel des Stadions aufgebaut. Grob gesprochen heißt das, das pro Zuschauerblock im Stadion ein Antennensektor bereitsteht. Hinzu kommt die Ausleuchtung des Spielfeldes mit einer einstelligen Antennenzahl. "Das machen wir nicht, damit die Spieler während des Spiels ihr Handy nutzen, sondern für andere Großveranstaltungen wie Konzerte, wo die Zuschauer und somit die Smartphones auch im Innenbereich des Stadions sind." Dankend annehmen werden diese Innenversorgung aber auch die Pressefotografen, die am Spielfeldrand sitzend noch während des Spiels ihre Bilder in die Redaktionen schicken. Im Schnitt versorgt jede Antenne etwa tausend Zuschauer, verteilt auf drei Netzbetreiber. Jeder Netzbetreiber setzt dabei seine Frequenzen ein, für die er die entsprechenden Lizenzen hat.

Antenne unterm DachAntenne unterm Dach Die 72 Antennen bekommen das gemeinsame Sendesignal der drei Netzbetreiber über ein HF-Kabel angeliefert. Dabei hat das Sendesignal vorher eine ganze Reihe an Technik durchlaufen, die mit Begriffen wie "BBU", "Remote-Radio-Unit", "Master Unit" oder "optischer Repeater" bezeichnet werden und wichtig sind, an dieser Stelle aber nicht weiter erklärt werden sollen. Die Strecken zwischen den zentralen Teilen der Anlage und den Repeatern werden per Glasfaser überbrückt, da die Abstände zwischen dem Technikraum und den Antennen zu lang sind, um HF-Kabel einzusetzen.

UMTS und LTE im Stadion

Viel mehr soll es in diesem Hintergrund um die Besonderheit des Projektes und die Mobilfunk­versorgung der Fußball-Fans gehen. Denn dass Vodafone bei diesem Projekt - wie auch bei einigen anderen Großprojekten - mit anderen Netz­betreibern zusammen­arbeitet, fordert Kompromisse. Die eingesetzten optischen Repeater unterstützen UMTS und LTE in zwei verschiedenen Frequenzbereichen. Einen der gewählten LTE-Bereiche kann Vodafone nicht nutzen, weil der Netzbetreiber diesen Frequenzbereich nicht für LTE einsetzt.

72 optische Repeater steuern die 72 Antennen im Stadion an. Vodafone hat nicht jede Antenne und jeden Repeater mit einer eigenen Basisstation (Node-B) versehen, da das nach Netzbetreiber­angaben über das Ziel hinausschießen würde. Vielmehr teilen sich mehrere Antennen eine Basistation, was aber ausreichend Kapazität schaffe, ist man überzeugt. Zudem kann die Anlage vergleichsweise kurzfristig aufgerüstet werden. Wenn also beispielsweise die Ostkurve der Hertha bei Vodafone deutlich mehr Traffic generiert als der Rest des Stadions, kann bis zum nächsten Spiel gezielt in diesen Zuschauerbereichen mehr Kapazität bereitgestellt werden. Sogar bis zum Champions-League-Finale im gleichen Stadion nur eine Woche später sei die Aufrüstung möglich, betont der Techniker.

Doppelte Netzkapazität einer mittelgroßen Stadt

Die bereitgestellte Technik übertrifft übrigens die einer durchschnittlichen Mittelstadt. Laut Vodafone wird beispielsweise der Ort Brandenburg an der Havel (71 000 Einwohner) mit 27 UMTS-Senderstandorten versorgt. Im Olympiastadion wird die doppelte Kapazität bereit gestellt wie in der brandenburgischen Stadt.

Kurz nach unserem Gespräch in der Nähe des Olympiastadions melden sich dann noch die Messtechniker von Vodafone zu Wort: LTE im Stadion funktioniert nach den letzten Messungen. Die Messtechniker von Vodafone konnten bei Testmessungen im nahezu leeren Stadion 25 MBit/s im UMTS-Netz und mehr als 120 MBit/s im LTE-Netz messtechnisch nachweisen.

Auch wenn am Ende nicht jeder Zuschauer einen TV-Livestream abrufen können wird, für die übliche Social-Network-Kommunikation sollten die bereitgestellten Kapazitäten locker ausreichen. Und es sollte deutlich besser laufen als bislang. Hier war LTE nur von normalen Standorten außerhalb des Stadions zu empfangen. Und bei UMTS ging bei einem vollen Stadion trotz spezieller Antennenanlage nichts. Die Anlage war 2006 zur Fußball-WM geplant worden, als Smartphones gerade erst im Kommen waren.

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