Glaskugel

Bell Labs: 5G geht frühestens 2020 an den Start

Die Mobilfunkbranche ist stets im Wandel: Wir haben bei einem Termin mit der Tochter des Netzausrüsters Alcatel-Lucent neue Erkenntnisse zu den IT-Systemen der Zukunft gewonnen. Für dieses Morgen werden riesige Investitionssummen nötig.
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Alexander Graham Bell galt als einer der Erfinder des Telefons. Im Rahmen zahlreicher Fusionen kam die Marke "Bell" im Laufe der Zeit zum Netzausrüster Alcatel-Lucent. Dieser könnte nächstes Jahr viel­leicht schon zu Nokia Networks gehören. Die Bell Labs, die am Dienstag einer Handvoll Fachjournalisten ihre geheimen Tore öffneten, sind die zentrale Denkfabrik des Unternehmens.

Bevor Alcatel und Lucent zusammenfanden, hieß das das Unternehmen SEL-Alcatel. SEL stand für "Standard-Electronic Lorenz", ältere Leser erinnern sich noch an die Marken "ITT-Schaub-Lorenz" oder "Graetz", die Fernsehempfänger und andere Geräte der Unterhaltungselektronik bauten. SEL lieferte die erste digitale Telefonvermittlung "System 12" an die damalige Deutsche Bundespost Telekom, welche nicht vom Haus- und Hof-Lieferanten Siemens stammte. Von der Lucent-Seite kamen beispielsweise die Produkte der einstigen Philips Kommunikations Industrie (PKI) dazu.

Neben Nokia, Ericsson, Huawei und Cisco gehört Alcatel-Lucent zu den wenigen weltweit verbliebenen Netzausrüstern. Auf dem Weg zwischen Smartphone und Internet sind oft Komponenten von Alcatel-Lucent verbaut, sei es im Mobilfunk oder Festnetz. In diesem Feld beliefert das Unternehmen seit längerem die Deutsche Telekom.

Disruptive Innovationen gefragt

Bell LabsBell Labs zeigt einen 5G-Prototyp Wilhelm Dresselhaus, CEO der deutschen Alcatel-Lucent für den DACH-Bereiche findet, dass die Entwicklung von 5G eine "spannende Zeit" sei, die sich in viele andere Industrien ausweite.

Heute seien "disruptive Innovationen", weniger "erhaltende Innovation" gefragt. Beispiel PKW: Bisher wurden Autos weiterentwickelt - weniger Energieverbrauch, schöneres Design, höhere Geschwindigkeit, mehr Platz, also erhaltende Innovation. Disruptiv sei, dass wir künftig vielleicht gar kein Auto mehr kaufen, sondern uns im Bedarfsfall eins ausleihen.

Neben der klassischen Telekommunikationsbranche wie Netzebtreiber und Service-Provider gehören heute Energieversorger, Banken, Versicherungen und die Automobilbranche zu den Kunden der Netzausrüster. Dresselhaus sieht eine "massive Digitalisierung" auf uns zukommen.

Dies Entwicklung könne man auch am Beispiel 3D-Druck festmachen: Bald gebe es keinen Werkstofftransport mehr, sondern werde nur noch ein "Image" über das Netz verschickt und dort "ausgedruckt", wo die Umstände besonders günstig sind.

Zur geplanten Fusion von Nokia und Alcatel-Lucent könne er im Moment noch nichts sagen, nur soviel: "Wir werden auch künftig Infrastruktur für Telekommunikationslösungen anbieten".

Dresselhaus denkt, dass bei den Smartphones die Größe eines Endgerätes ausgereizt ist. Ein iPhone 6 oder ein Samsung S6 werde nicht mehr viel größer als heute werden können. Gleichwohl gelte das Moore'sches Gesetz, wonach die Rechnerleistung jedes Jahr verdoppelt bis verzweieinhalbfacht werde.

Gespeicherte Daten verlieren heute binnen kürzester Zeit an Aktualität - und damit an Wert. Viele Anwendungen und Applikation werden künftig in die Cloud wandern, weil die verwendeten Datenmengen gar nicht mehr auf das eigene Endgerät passen.

Drei Dinge braucht die Branche: IP, Cloud und Access

Ergo werden die drei wichtigsten Trends der Branche "IP, Cloud und Access (Fest/Mobilfunk)" sein. Den kommenden 5G-Standard sieht er nicht "erhaltend" wie 2G oder 3G, sondern disruptiv.

Bei 5G werden die Latenzzeiten wichtig sein: Eine Roboter-Steuerung oder autonomes Fahren können nur in superschnellen Netzen funktionieren. Künftige Netze werden wesentlich dezentraler als bisher organisiert sein.

Im Festnetz liefert Alcatel-Lucent die Vectoring-Technik. Mit "Super-Vectoring" werden bald 300 MBit/s möglich sein, im Labor wurde bereits mit 10 GBit/s erfolgreich experimentiert.

Im Mobilfunk wird 5G frühestens 2020 an den Start gehen, bereits zwei Jahre später aber sollen die geleisteten Investitionen zurückverdient werden. Die IT-Branche habe einen Wertschöpfungsfaktor 2,5, d.h. jeder in der IT-Branche investierte Euro führe zu 2,5-fachem Umsatz in anderen Bereichen.

Gleichwohl gebe es auch Risiken: "Durch Innovationen, die nicht aus Europa kommen, verlieren wir den Anschluss." Die TK-Industrie sollte viel disruptiver sein.

Auf der nächsten Seite erfahren Sie, welche Entwicklung Datensicherheit, Musikstreaming, die 5G-Technik und die Infrastruktur der Cloud nehmen werden.

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