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Telekom schließt bayerische Mobil­funk­löcher

Die Telekom setzt ihren Teil des verabredeten Mobilfunkpaktes in Bayern um und baut. Vor Ort ist das nicht so einfach.
Vom Conference-Call Bayern der Deutschen Telekom berichtet
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Die Deutsche Telekom hat in Bayern damit begonnen, 100 ausgewählte Mobilfunklöcher zu schließen. Diese Funklöcher wurden von der Bayerischen Staatsregierung benannt und sind Teil der Mobilfunk Offensive Bayern.

Startschuss in Lutzingen

Nicht überall in Bayern ist Mobilfunk willkommen. Es wird aber lautstark über Funklöcher geschimpft.Nicht überall in Bayern ist Mobilfunk willkommen. Es wird aber lautstark über Funklöcher geschimpft. Der erste Standort auf der 100er-Liste ist 89440 Lutzingen im schwäbischen Landkreis Dillingen an der Donau. Hier wird in den nächsten Tagen ein 30 Meter hoher Betonmast in Betrieb gehen. Er wird die Versorgung mit GSM (2G) und LTE (4G) sicherstellen. "Lutzingen macht den Anfang."

Mit allen Kommunen im Gespräch

"Wir sind mit allen Kommunen, die auf der Liste stehen, im Gespräch", sagte Walter Goldenits, Geschäftsführer Technologie Telekom Deutschland, bei einem Pressegespräch mit bayerischen Lokalmedien. „Bei der Hälfte der Gemeinden liegen uns konkrete Standort-Vorschläge vor. Für 23 Standorte haben wir einen Anmietvertrag abgeschlossen und können jetzt in die Realisierung gehen. Wir werden in den nächsten Monaten also mehr und mehr Funklöcher schließen.“

Mobilfunk-Offensive Bayern

Die „Mobilfunk Offensive Bayern“ wurde im November 2017 von der Telekom gestartet. Kern der Offensive ist das Ziel, bis Ende 2020 in Bayern die Mobilfunk-Versorgung durch 1100 zusätzliche Standorte zu verbessern. Außerdem wird die Telekom 1200 bereits bestehende Standorte mit zusätzlichen Diensten (z.B. LTE) ausstatten. Insgesamt betreibt die Telekom in Bayern derzeit über 5200 Mobilfunk-Standorte.

Die Telekom hat in den vergangenen zwölf Monaten bereits rund 100 neue Standorte realisiert und rund 300 zusätzliche "Dienste" (LTE, NB-IoT) ins Netz integriert. „Unsere Vorbereitung für viele weitere Standorte ist abgeschlossen und wir können jetzt in die Umsetzung gehen“, sagt Goldenits. In der Regel dauert es zwölf bis 24 Monate, einen Mobilfunkmasten zu errichten. Neben den eigenen Planungen, der Anmietung und dem Bau muss auch ein kommunaler Dialog mit den Kommunen durchlaufen werden. Dieser Dialog nehme zum Teil mehrere Monate in Anspruch.

Schwierige Verhandlungen vor Ort

Kurioserweise gebe es beim Ausbau auch Widerstand. Man wolle zwar unbedingt Mobilfunk, aber keinen Standort, das sei ein deutschlandweites Phänomen. Neben Angst vor "visueller Belästigung" gäbe es irrationale Neid-Diskussionen. Gute Gespräche vor Ort könnten viel bewegen.

Die Telekom stehe für den Brückenschlag zwischen Stadt und Land und wünscht sich mehr Unterstützung vor Ort. Mit der Bereitstellung von Infrastruktur, Gebäude, Gelände, Strom könne es viel schneller gehen. Bei den Genehmigungsverfahren sei eine bessere Koordination der Genehmigungsverfahren notwendig.

Brüssel signalisiert Genehmigung des Mobilfunkpaktes

Immerhin gäbe es Signale aus Brüssel: Der bayerische Mobilfunkpakt werde von der EU genehmigt. Ein eigener Ausbau im Alleingang seitens der Telekom sei hier nicht mehr drin. Auch die teilweise schwierige Topografie stelle die Telekom vor Herausforderungen.

Die aktuelle Diskussion um die Qualität der deutschen Mobilfunknetze liegt Goldenits am Herzen: „Die Telekom ist in Deutschland seit Jahren die Nummer eins in punkto Qualität. Wir gewinnen jeden Netztest. Unser Netz hält auch dem internationalen Vergleich stand. Das kann jeder sehen, der sich die Auswertung einmal genauer anschaut.“ Die Telekom erreicht mit ihrem Mobilfunk-Netz in Bayern fast 97 Prozent der Bevölkerung. Bis Ende 2020 werden es 99 Prozent sein. Die Abdeckung bei der versorgten Fläche betrage aktuell über 83 Prozent und werde auf über 88 Prozent steigen. 36 Prozent der Fläche sei übrigens Wald. Man mache sich nur wenig Vorstellungen, welcher riesige Aufwand hinter diesen Zahlen stehe.

Auch mit Blick auf 5G ist der Ausbau der bestehenden Infrastruktur wichtig. Die Standorte werden für das Ausrollen von 5G benötigt. Goldenits mahnte mit Blick auf die anstehende Frequenzvergabe: "Deutschland hat alle Chancen 5G-Leitmarkt zu werden. Dazu braucht Deutschland eine möglichst flächendeckende leistungsstarke Infrastruktur, die den zukünftigen Bedürfnissen von Bürgern und Industrie gerecht wird. Dieses Netz wollen wir bauen!"

Kritik an Bundesnetzagentur

Die jetzt von der Bundesnetzagentur vorgeschlagenen Auflagen für die Frequenzauktion gingen deutlich darüber hinaus, was die Behörde zuvor selbst als zumutbar und verhältnismäßig bewertet hatte. Ein solch falsch dimensionierter Ausbau sei wirtschaftlich unrealistisch, werde an bürokratischen Hindernissen scheitern und ignoriere die Grundlagen der Physik. "Darüber hinaus bergen die unklaren Bestimmungen zu National Roaming im aktuellen Entwurf erhebliche, kaum abzuschätzende Risiken für investierende Unternehmen." Die Entscheidung über solche Milliarden-Investitionen – und damit über den Erfolg von 5G in Deutschland - erfordere Verhältnismäßigkeit und Rechtssicherheit. Beides sollte bis zur finalen Entscheidung der Vergabebedingungen am 26. November sichergestellt werden.

Kleine Statistik

Im Regierungsbezirk Oberfranken gibt es aktuell rund 500 Stationen, bis Ende 2020 sind 100 weitere geplant, was eine Abdeckung der Bevölkerung von 97 Prozent bedeutet, aktuell wohnen 146 Menschen auf einem Quadratkilometer.

In Niederbayern stehen ebenfalls rund 500 Stationen, 100 weitere kommen dazu, was 94 Prozent der Bevölkerung ausmacht oder 117 Menschen pro Quadratkilometer. Die Zahlen für Oberbayern sind 1800 Sender plus 400 neu bis Ende 2020. Dann sind 97 Prozent der Bevölkerung versorgt, 262 Menschen leben auf einem Quadratkilometer.

Die Oberpfalz hat aktuell etwa 500 Sendestandorte, 100 kommen noch dazu. Dann sind 95 Prozent der Bevölkerung versorgt, 113 Menschen leben pro Quadratkilometer in der Oberpfalz. Etwas mehr sind es in Schwaben (bei Augsburg): 700 Stationen und 150 neue Stationen für 86 Prozent der Bevölkerung, 185 Menschen leben auf einem Quadratkilometer.

Unterfranken hat ca. 600 Sender, Mittelfranken ungefähr 700. Unterfranken bekommt 150 neue Stationen, Mittelfranken nur 100. Dafür ist Unterfranken dann zu 97 Prozent abgedeckt (153 Menschen pro Quadratkilometer) und Mittelfranken zu 99 Prozent mit 240 Menschen pro Quadratkilometer.

Die Ausbauorte im Einzelnen

Ganz konkret nannte Goldenits folgende Orte, wo Funklöcher geschlossen werden:

Bad Füssing, Bayerisch Eisenstein, Bischofsheim a. d. Rhön, Breitbrunn, Buch a. Wald, Buchhofen, Cham, Dorfen, Ebermannsdorf, Ebern, Ellingen, Eltmann, Ermershausen, Etzelwang, Falkenfels, Lutzingen, Fischbachau (2x), Frammersbach, Fürsteneck, Gars a. Inn, Georgensgmünd, Gleiritsch, Gottfrieding, Grainet, Grassau, Grattersdorf, Gstadt a. Chiemsee, Halsbach, Harburg (Schwaben), Haundorf, Hirschbach, Höchheim (2x), Hohenthann, Holzheim a. Forst, Höttingen, Kammerstein, Kastl, Kirchdorf a. Inn, Kirchensittenbach, Kirchlauter (2x), Kolitzheim (2x), Lichtenfels, Lohberg, Loiching, Lutzingen, Mainleus, Miltach, Monheim, Moosach, Mötzing, Neubrunn, Neufraunhofen, Neunkirchen (2x), Oberaudorf, Oberreichenbach, Oberscheinfeld, Oberstaufen, Obertrubach, Pappenheim, Parsberg, Perach, Polsingen, Pottenstein, Pöttmes, Prem, Reit im Winkl (2x), Rettenbach, Reut, Rögling, Rüdenau, Salzweg, Schernfeld, Schonungen, Schwarzach b. Nabburg, Sonnen, Stadtlauringen (2x), Steinfeld, Steinkirchen, Thanstein, Tittmoning, Treuchtlingen, Tyrlaching, Üchtelhausen, Volkach, Waldkirchen, Waldmünchen, Waldstetten, Wallerstein, Westheim, Willmars, Ziertheim.

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