Breitband im Wandel

Breitbandausbau-Historie: Festnetz von 2009 bis heute

Mit kleinen Schritten geht es auf die Gigabit-Gesellschaft zu, den bisherigen Weg dahin haben wir beleuchtet. Wie hat sich die Bandbreite entwickelt?
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AVM hat ein breites Portfolio an Breitband-kompatiblen Routern
AVM hat ein breites Portfolio an Breitband-kompatiblen Routern
Vor fast 20 Jahren begann in Deutsch­land mit der Einfüh­rung von DSL ein neues Zeit­alter in puncto Inter­net­ge­schwin­dig­keit. Ein ähnli­cher Umschwung folgte 2006 mit VDSL. Seitdem hat sich die Breit­band-Land­schaft stark gewan­delt. Tech­no­lo­gien wie FTTH, Super Vecto­ring und Kabel­glas­faser sorgen für ein konti­nu­ier­li­ches Wachstum der maximal mögli­chen Über­tra­gungs­rate. Wir haben den hiesigen Breit­band­ausbau der letzten Jahre zurück­ver­folgt und beleuchten die wich­tigsten Meilen­steine auf den Weg zur Gigabit-Gesell­schaft. Welche Zugangsart hat sich am besten entwi­ckelt? Wie schnell surft Deutsch­land heute?

Fest­netz 2009 bis 2012

Streng genommen gab es VDSL 50 der Telekom bereits seit 2006, jedoch ausschließ­lich in Kombi­na­tion mit Enter­tain. Diese Zwangs­maß­nahme des Bonner Netz­be­trei­bers entfiel schließ­lich 2009. Seitdem stehen Tarife mit 50 MBit/s auch für Kunden zur Verfü­gung, die kein IPTV-Angebot des Konzerns buchen. Die regio­nale Maxi­mal­band­breite für Privat­kunden wurde von Kabel Deutsch­land bereits ein Jahr später auf ein neues Niveau gehievt. Im Februar 2010 fiel der Start­schuss für 100 MBit/s über das Kabel­glas­fa­ser­netz in Hamburg. Konkur­rent Unity­media spen­dierte seinen Teil­neh­mern schließ­lich 2012 sogar bis zu 150 MBit/s im Down­load.

Fest­netz 2013 bis 2016

Im Herbst 2013 veröf­fent­lichte das CableLabs-Konsor­tium den Stan­dard DOCSIS 3.1, womit die Basis für eine Gigabit-Geschwin­dig­keit über das Koaxi­al­kabel gelegt wurde. Der nächste Sprung folgte jedoch seitens VDSL. Die Deut­sche Telekom brachte mit VDSL 100 im August 2014 ein attrak­tives Angebot heraus, das zu Beginn unter anderem in Baden-Baden, Hildes­heim, Ingol­stadt, Offen­burg, Tübingen und Will­helms­haven star­tete. Viele Jahre sollte der DSL-Zugang auf dieser Spit­zen­band­breite stagnieren. Derweil rasten die Kunden im Kabel­glas­faser-Lager deut­lich schneller über die Daten­au­to­bahn, nämlich mit 200 MBit/s ab 2015 und 400 MBit/s ab 2016. Voda­fone und Unity­media lieferten sich in diesem Zeit­raum ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Vorbe­rei­tungen für Gigabit-Glas­faser

Die Deut­sche Telekom hat bekann­ter­maßen nicht nur den digi­talen Teil­neh­mer­an­schluss, sondern auch Glas­faser-basierte Lösungen im Port­folio. Mit der Initia­tive „Mehr Breit­band für mich“ bekamen Haus­be­sitzer die Möglich­keit, sich einen FTTH-Anschluss legen zu lassen. Ein solcher Zugang sorgt für Zukunfts­si­cher­heit des Fest­netzes im Eigen­heim oder in der Wohnung, denn die Infra­struktur ist für eine Gigabit-Geschwin­dig­keit gerüstet. Zuvor war FTTH Bauherren von Neubau­ge­bieten vorbe­halten, ansonsten kam FTTC zum Einsatz. „Mehr Breit­band für mich“ wird von der Telekom als Premium-Produkt ange­sehen, die Reali­sie­rung ist mit immensen Kosten verbunden.

Fest­netz 2017 bis heute

Die Entwicklung der 50-MBit-Marke
Die Entwicklung der 50-MBit-Marke
Das halbe Gigabit pro Sekunde auf der Empfän­ger­seite erreichte im Privat­kunden-Segment durch Voda­fone im Juli 2017 den kommer­zi­ellen Status. Unity­media hingegen schien der Sprung von zusätz­li­chen 100 MBit/s der 400er-Tarife zu gering zu sein. Eine posi­tive Über­ra­schung gab es zur IFA desselben Jahres, als die Deut­sche Telekom ihren ersten Glas­faser-Gigabit-Tarif für Privat­kunden präsen­tierte. Überall dort, wo FTTH vorhanden ist, können die Teil­nehmer seitdem von bis zu 1000 MBit/s profi­tieren. Letztes Jahr folgten dann Unter­nehmen wie Voda­fone, Unity­media, m-net, Deut­sche Glas­faser und Ewe mit ihren jewei­ligen 1-GBit/s-Offerten. Super Vecto­ring verleiht hingegen seit Ende Juli 2018 dem VDSL Flügel. Es wird eine Band­brei­ten­spitze von 250 MBit/s geboten.

Da die letzte Meile bei FTTC aller­dings via Kupfer über­wunden wird, ist, zumin­dest aktuell, eine Gigabit-Band­breite damit nicht umsetzbar. G.fast spielt in Deutschland noch eine untergeordnete Rolle.

Wie schnell surft Deutsch­land heute?

Letztes Jahr verfügten hierzulande rund 98 Prozent der Haushalte über einen Breitbandanschluss
Letztes Jahr verfügten hierzulande rund 98 Prozent der Haushalte über einen Breitbandanschluss
Eine hohe Band­breite bringt selbst­re­dend nur den Teil­neh­mern etwas, die auch entspre­chend vernetzt sind. Stand Ende 2018 waren ledig­lich 8,5 Prozent der Haus­halte an ein Glas­fa­ser­netz ange­schlossen. Bis 2025 möchte die Bundes­re­gie­rung einen flächen­de­ckenden Glas­fa­ser­ausbau reali­siert haben, ein ambi­tio­niertes Ziel. Der vorhe­rige Kurs sah mindes­tens 50 MBit/s für alle Haus­halte Deutsch­lands vor, was bislang immer noch nicht erreicht wurde. Mitte 2018 waren 82,9 Prozent der Haus­halte mit dieser Down­load-Geschwin­dig­keit (oder höher) unter­wegs. Das entspricht einer mageren Stei­ge­rung von 2,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.

Wer Zugang zu einem (Kabel)Glas­fa­ser­netz hat, sollte jedoch die Tarife genau unter die Lupe nehmen. Zwar bieten viele Netz­be­treiber und Provider schnelle Down­load-Geschwin­dig­keiten, im Upload ist der Unter­schied aber teils dras­tisch. So gewähren die Telekom und Deut­sche Glas­faser maximal 500 MBit/s beim Senden von Daten über FTTH, während es bei Voda­fone (Kabel­glas­faser) und m-net nur 50 MBit/s sind.

Die aktuellen Tarife finden Sie stets in unserem Breitband-Tarifvergleich.

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