Führungswechsel

Microsoft: Satya Nadella ist der neue Chef

Nach mehreren Monaten Suche wurde nun der dritte Chef in der Geschichte von Microsoft gefunden. Satya Nadella ist bereits seit 1992 bei Microsoft tätig und löst Steve Ballmer ab.
Von Jennifer Buchholz mit Material von dpa
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Microsoft hat einen neuen Chef in den eigenen Reihen gefunden. Nach fast einem halben Jahr intensiver Suche wurde der Firmen­veteran Satya Nadella auf den Spitzen­job berufen, wie der Windows-Konzern heute mitteilte. Er war zuletzt für das Firmen­kunden-Geschäft und die Cloud-Dienste zuständig. Über Nadella als wahr­schein­lichen Kandidaten hatten US-Medien bereits vergangene Woche berichtet. Nadella ist seit 1992 bei Microsoft und wird somit der dritte CEO in der Geschichte von Microsoft.

Nadella ist ein teamfähiger Manager

Satya Nadella ist der neue Microsoft-CEOSatya Nadella ist der neue Microsoft-CEO Kaum ein Nachfolger könnte bei Microsoft kontrastreicher zum noch amtierenden Chef Steve Ballmer ausfallen, der für seine lauten und extrovertierten Auftritte bekannt ist. Nadella ist eher ein Mann der leisen und überlegten Töne. Bei Microsoft gelte Nadella als beliebter "Techie" und teamfähiger Manager, der etwas von der Technologie hinter dem Business verstehe, schreibt die Financial Times. Als knallharter Geschäftsmann ist Nadella dagegen bislang nicht aufgefallen. Laut Medienberichten soll ihn deshalb Verwaltungsratsmitglied John Thompson im Dialog mit Investoren und Kunden unterstützen.

Außerhalb des Unternehmens ist der 1967 in der indischen Großstadt Hyderabad geborene Manager bislang nur wenig in Er­scheinung getreten. Dabei arbeitet Nadella seit 22 Jahren bei Microsoft und leitete zuletzt das für den Software­konzern enorm wichtige Cloud- und Unternehmens-Geschäft.

Zuvor war Nadella maßgeblich an der Ent­wicklung der Such­maschine Bing sowie des Büro­software­pakets Office beteiligt und hatte das Server-Geschäft zu verantworten. Bevor der heute 46 Jahre alte Branchen­veteran 1992 zu Microsoft stieß, war der Elektroingenieur beim Silicon-Valley-Urgestein Sun Microsystems beschäftigt, das heute zu Oracle gehört.

Niemand wisse heute, was tat­sächlich technologisch in zehn Jahren möglich sei, betonte Nadella zuletzt in Paris auf der Konferenz LeWeb. Die Digi­talisierung von nahezu allem sei auf gutem Weg. Er glaube, dass Daten und der vernünftige Umgang mit Daten die Zukunft prägen werden. Microsoft müsse sich jeden Tag neu erfinden. "Es würde uns nach 30 Jahren nicht mehr geben, wenn wir nicht in der Lage wären, neue Technologie-Wellen zu reiten. Unsere Branche respektiert keine Traditionen - sie respektiert nur Innovationen."

Ballmer wollte Umbau nicht im Wege stehen

Ein Nachfolger für Ballmer ist gefundenEin Nachfolger für Ballmer ist gefunden Der langjährige Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte im vergangenen August den Rück­zug von der Firmen­spitze binnen zwölf Monaten angekündigt. Seit die Suche läuft, waren unter anderem Ford-Chef Alan Mulally und Ericsson-Chef Hans Vestberg als mögliche Kandidaten gehandelt worden. Sie bleiben aber bei ihren Unternehmen.

Microsoft steht vor großen Heraus­forder­ungen: Das PC-Geschäft, in dem das Unternehmen mit seinem Windows-Betriebs­system eine zentrale Rolle spielt, schrumpft. Im Internet-Geschäft konnte der Konzern trotz großer An­strengungen bisher nicht mit Google mithalten. Auch Smartphones und Tablets mit Microsoft-Software haben bisher geringe Markt­anteile. Microsoft will derzeit mit seiner Spielekonsole Xbox One und der Übernahme des Handy-Geschäfts von Nokia verstärkt zu einem Anbieter von Geräten und Diensten werden.

Vor einigen Monaten äußerte sich Steve Ballmer in seinem ersten ausführlichen Interview nach der Entscheidung, wie er zu der Einsicht gekommen sei, dass er den Weg für einen neuen Chef freimachen müsse. Er habe ursprünglich den Umbau von Microsoft noch vier Jahre selbst anführen wollen, sagte der 57-Jährige Ballmer dem Wall Street Journal. Die Verwaltungsräte hätten jedoch immer mehr Druck gemacht, das Tempo des Wandels zu erhöhen.

Irgendwann zum Mai habe er das Gefühl bekommen, dass er selbst eventuell als Teil des alten Systems dem Umbau im Wege stehe, sagte Ballmer. "Egal, wie schnell ich verändern will, wird es bei allen Beteiligen - Mitarbeiter, Verwaltungsräte, Investoren, Partner, Kunden - Zweifel geben, dass ich es ernst meine."

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