Breitbandausbau

Telekom ante portas: Breitband in den Bergen

Wo einst Hannibal mit seinem Heer an Elefanten gen Rom zog, zieht heute die Deutsche Telekom Glasfaser durch den Boden. Der Breit­band­aus­bau von Balder­schwang in den Allgäuer Alpen ist wahrscheinlich das derzeit höchstgelegene Projekt. Auch Vodafone ist aktiv.
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Der Ortskern von Balderschwang liegt auf 1044 Metern Höhe. Bislang wurde die Gemeinde mit einer Richtfunkstrecke vom Nebenhorn aus mit Internet versorgt. "Balderschwang hatte bislang noch keine Kabelanbindung ans Internet", erklärt Michael Tröndle, Projektleiter und Trassenplaner der Telekom. Als wäre das noch nicht genug, müssen sich Tröndle und sein Team durch extrem hartes Gestein kämpfen und die Trasse durch ein Naturschutz- und teilweise auch Biotopgebiet verlegen. "Wir können nicht einfach sagen, wir sind von der Telekom, und wir graben jetzt hier durch deine Alb. So geht’s nicht", erklärt der Projektleiter. Mittels eines ökologischen Begleitplans wird sichergestellt, dass die Oberfläche und Bodenbe­schaffenheit wieder so hergestellt werden, wie sie vorher waren.

Breitbandausbau Telekom Alpen Balderschwang
Allein in schöner Natur: Die Telekom verlegt in den Allgäuer Alpen Glasfaser unter Beachtung des Naturschutzes
Die Glasfaserleitung beginnt im 741 Meter hoch gelegenen Sonthofen, führt auf die „Obere Wilhelmine Alpe“ auf 1540 Meter und von dort wieder hinunter auf 1044 Meter nach Balderschwang. Mit einem Kabelpflug legte die Telekom rund 500 Meter pro Tag zurück. Im harten Gestein waren es zum Teil nur 50 bis 150 Meter. Die Balderschwanger wird’s freuen. Zwar zählt die Gemeinde nur 350 Einwohner, dafür aber 1200 Urlaubsbetten und 40 000 Übernachtungsgäste im Jahr, die sich in Zukunft dank Vectoring über bis zu 250 MBit/s freuen dürfen. Das ist auch das Maxi­mal­tempo, mit dem 2,9 Millionen weitere Haushalte nun im Internet surfen können. Darüber hinaus hat die Telekom für 415 000 Haushalte die Surfgeschwindigkeit auf bis zu 100 MBit/s erhöht. Daneben ging der übliche Breitbandausbau der Bonner auch in den vergangenen Wochen weiter. Wo es demnächst schneller im Internet vorwärtsgeht, hat der TK-Konzern in seinem Blog veröffentlicht, wir haben bereits über die erste Zwischenbilanz zum Super-Vectoring-Ausbau berichtet.

Mehr Speed in Niedersachsen sowie an Rhein und Sieg

Auch der rote Konkurrent des magentafarbenen Netzbetreibers lässt in Sachen Breitbandausbau von sich hören. 180 Millionen Euro will Vodafone in Niedersachsen investieren, um das Land in die Gigabit-Zukunft zu führen. Für die 2,5 Millionen Kabelhaushalte hat Vodafone bereits mit der Einführung des Übertragungsstandards Docsis 3.1 begonnen, der Geschwindigkeiten von bis zu 1 GBit/s bringen wird. Bis Ende 2021 soll der Ausbau abgeschlossen sein. Darüber hinaus will Vodafone sein Glasfasernetz erweitern und bis 2020 700 neue Mobilfunkstandorte aufstellen.

In Niedersachsen ist Vodafone aber nicht allein. Die Deutsche Glasfaser gab unlängst ihre Vereinbarung mit der Gesamtgemeinde Lühe bekannt. Geplant ist, in den Orten Grünendeich, Guderhandviertel, Hollern-Twielenfleth, Mittelnkirchen, Neuen­kirchen und Steinkirchen das Rathaus, das Alte Rathaus, drei Schulen, das Jugend­zentrum und Gemeindehaus, zwei Dorfgemeinschaftshäuser sowie das Bürgerhaus, die sechs Feuerwehrgerätehäuser, die Bücherei, das Freibad, eine Notunterkunft, und den Bauhof mit einem Glasfasernetz zu versorgen. Dafür wird jedoch eine An­schlussquote von 40 Prozent benötigt.

NetCologne Glasfaser Rhein Sieg
NetCologne startete zusammen mit Innogy im Rhein-Sieg-Kreis den Breitbandausbau.
Dagegen feierte Netcologne zusammen mit Vertretern des Rhein-Sieg-Kreises Ende August den Spatenstich für den dortigen Breitbandausbau. Die Kölner Stadtwerke­tochter wird gemeinsam mit Innogy TelNet insgesamt 6700 Haushalte in den unterver­sorgten Bereichen der Kommunen Much, Ruppichteroth und Windeck an ein Glasfa­ser­netz anschließen. Dafür werden in den kommenden 24 Monaten insgesamt 106 Kilometer Leerrohre verlegt. 63 Kilometer des Tiefbaus können ohne Ober­flächen­auf­riss realisiert werden, 43 Kilometer werden in offener Tiefbauweise umgesetzt.

Größtenteils baut Netcologne mit FTTC aus, bei 680 Adressen wird die Glasfaser aber bis ans Gebäude heranreichen. Zusammen mit Innogy investieren die Kölner elf Millionen Euro, davon 4,5 Millionen Euro, die durch Fördermittel abgedeckt sind. Bis 2020 sollen im Rhein-Sieg-Kreis 24 064 Haushalte und 2173­Unternehmen über Bandbreiten von mindestens 50 MBit/s verfügen.

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