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Huawei rüstet Funknetz der Deutschen Bahn mit GSM-R aus

Die Sicherheitsdiskussion um Produkte von Huawei hätte beinahe ein Großprojekt der Deutschen Bahn gefährdet. Der chinesische Netzwerkausrüster wird das in die Jahre gekommene GSM-R-Netz modernisieren.
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Die Deutsche Bahn darf sich von Huawei ihr GSM-R-Netz modernisieren lassen.Die Deutsche Bahn darf sich von Huawei ihr GSM-R-Netz modernisieren lassen. Der in der aktu­ellen poli­ti­schen Diskus­sion "umstrit­tene" chine­si­sche Telekom-Ausrüster Huawei ist und bleibt ein wich­tiger Liefe­rant der Deut­schen Bahn. Das berichtet das in Düssel­dorf erschei­nende Handels­blatt. Huawei soll neben dem Soft­ware­kon­zern Atos und dem Netz­werk­aus­rüster Nokia das hoch­sen­sible Bahn­funk­netz GSM-R (GSM-Rail­road) des Staats­kon­zerns neu aufbauen.

Dieses Netz genießt Sicher­heits­stufe eins bei der Bahn, weil damit der gesamte Zugver­kehr inner­halb Deutsch­lands und über die Grenzen gesteuert wird. Der Gesamt­auf­trags­wert beläuft sich auf geschätzt eine halbe Milli­arde Euro.

Kein Sicher­heits­ri­siko

Die Auffas­sung der US-Regie­rung, Huawei könne keine Daten­si­cher­heit gewähr­leisten, hatte auch in Deutsch­land zu heftigem Streit um die künf­tige Rolle Huaweis bei der Ausrüs­tung von Kommu­ni­ka­ti­ons­technik geführt. Von einem "Sicher­heits­ri­siko" will die Bahn aber nicht spre­chen.

Erneue­rung umfang­reich ausge­schrieben

Für die Erneue­rung des euro­pa­weit stan­dar­di­sierten Funk­sys­tems im deut­schen Eisen­bahn­netz habe die Deut­sche Bahn Leis­tungen nach geltendem Recht ausge­schrieben und vergeben, teilte der Konzern dem Handels­blatt auf Anfrage mit. „Die Kompo­nenten der Vertrags­partner durch­laufen aktuell das umfas­sende Zulas­sungs­ver­fahren der DB und der Aufsichts­be­hörde. Hierbei wird der Einsatz im Eisen­bahn­system detail­liert getestet und intensiv geprüft.“ Die Bahn versi­chert trotzdem, „sollte sich die Sicher­heits­ein­schät­zung bezüg­lich eines Liefe­ranten oder die Geset­zes­lage ändern, so werden wir dies selbst­ver­ständ­lich berück­sich­tigen.“

Der Vertrag zwischen der Deut­schen Bahn und Huawei war schon vor Jahren unter­schrieben worden und hätte beinahe wieder aufge­löst werden müssen. Doch die Bundes­re­gie­rung hat die Idee verworfen, Huawei wegen Sicher­heits­be­denken gene­rell vom Ausbau des 5G-Netzes auszu­schließen und statt­dessen beschlossen, die Sicher­heits­prü­fung eines jeden Ausrüs­ters (egal woher er kommt) zu verschärfen. Ein Sicher­heits-Stopp für Huawei bei 5G hätte auch das Ende des Millionen schweren Bahn­auf­trags für Huawei bedeutet.

GSM-R ist in die Jahre gekommen

Die Eisen­bahnen tele­fo­nieren und signa­li­sieren bis heute nach einem modi­fi­zierten GSM-Proto­koll, das GSM-R (GSM-Rail­road) genannt wird. Aufgrund der umfang­rei­chen Sicher­heits­richt­li­nien und der langen Erpro­bungs- und Geneh­mi­gungs­ver­fahren wurde die 3G-(UMTS)-Tech­no­logie bis heute bei der Bahn nie einge­führt. Über LTE-R (LTE-Rail­road) wird in Fach­kreisen wohl schon länger disku­tiert, aber auch hier ist noch nichts beschlossen. Schwach­punkt des GSM-R-Proto­kolls sind die relativ geringen mögli­chen Daten­raten. Bei der Bahn kommt es aber in erster Linie auf abso­lute Zuver­läs­sig­keit und Sicher­heit an.

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