Themenspezial: Verbraucher & Service Online buchen

Selbst kaufen: Keine Bahn-Tickets beim Schaffner mehr

Ohne Bahn-Fahr­karte einsteigen und Ticket beim Schaffner kaufen: Das geht bald nicht mehr. Dafür gibt es eine wich­tige Ände­rung beim Online-Ticket der Bahn - für Spon­tan­rei­sende wirds teuer.
Von dpa /

Ab 2022 kein Fahrkartenverkauf im Zug mehr beim Schaffner Ab 2022 kein Fahrkartenverkauf im Zug mehr beim Schaffner
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Erstmal einsteigen und die Fahr­karte später beim Schaffner kaufen - das müssen sich kurz­ent­schlos­sene Bahn­kunden abge­wöhnen. Vom nächsten Jahr an werden keine Papier-Fahr­karten mehr in Fern­zügen verkauft. Wer dann noch spontan einsteigt, muss sein Ticket schnell am Laptop oder Handy buchen, zehn Minuten bleiben dafür nach der Abfahrt. Die Bahn verlegt damit eine weitere Dienst­leis­tung ins Internet. Zugbe­gleiter haben kein gutes Gefühl dabei - Fahr­gast­ver­treter dagegen schon.

"Kein großer Verlust", heißt es beim Fahr­gast­ver­band Pro Bahn. "Nach unserer Beob­ach­tung nutzen das vor allem Geschäfts­leute, denen es auf das Geld nicht ankommt und die zwei Handys dabei haben", sagte der Ehren­vor­sit­zende Karl-Peter Naumann. Diese Kunden könnten problemlos online nach­lösen. Die meisten übrigen Kunden buchten früh­zeitig, weil sie die soge­nannten Spar- und Super­spar­prei­sti­ckets wollen.

17 Euro Bord­zuschlag bei Online-Buchung im Zug

Ab 2022 kein Fahrkartenverkauf im Zug mehr beim Schaffner Ab 2022 kein Fahrkartenverkauf im Zug mehr beim Schaffner
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Denn wer an Bord bucht, bekommt nur noch den vergleichs­weise teuren Flex­preis. Plus 17 Euro Bord­zuschlag. 2016 lag der Zuschlag noch bei 7,50 Euro. Die Bahn erhöhte die Gebühr jedoch bewusst, um den Kauf beim Schaffner zurück­zudrängen, wie die Verant­wort­lichen damals erklärten. Fahr­gäste sollten mehr Handy-Tickets buchen und Zugbe­gleiter mehr Zeit für den Service bekommen.

"Der Ticket­kauf an Bord soll einfa­cher, preis­werter und digi­taler werden", warb die Bahn heute. Die Eisen­bahn- und Verkehrs­gewerk­schaft hält die Entschei­dung jedoch für falsch. "Wir haben immer für ein offenes System plädiert, das Reisenden im Fern­ver­kehr spontan die Möglich­keit eröffnet, den Zug als ideales Verkehrs­mittel zu wählen", betonte die Gewerk­schaft. Die Bahn verwies auf die Erwei­terung beim Online-Ticket, die schon ab April 2021 gilt. "Es wird auch weiterhin für spontan Reisende im Fern­ver­kehr die Möglich­keit geben, noch im Zug ein Ticket zu kaufen."

Weniger als ein Prozent der Fahr­karten im Zug verkauft

Nach Bahn-Angaben wurden in den vergan­genen Jahren stets weniger als ein Prozent der Fahr­karten im Zug verkauft. Im Nahver­kehr der Deut­schen Bahn und in der S-Bahn müssen Fahr­karten ohnehin vor der Fahrt gelöst werden. Nur bei Bahn-Konkur­renten im Regio­nal­ver­kehr gibt es den Kauf beim Schaffner teil­weise noch.

"Das kostet viel Zeit, die für andere Service-Aufgaben fehlt", sagte Fahr­gast­ver­treter Naumann. "Fragen etwa zu Anschluss­zügen zu beant­worten ist wich­tiger, als Tickets zu verkaufen."

Pro Bahn verlangt aber eine Rück­fall­ebene für den Fall, dass der Kauf online oder am Auto­maten nicht funk­tio­niert. "Wir fordern, dass der Zugbe­gleiter dann die Daten aufnimmt und die Bahn später eine Rech­nung schickt" - ohne "erhöhtes Beför­derungs­ent­gelt", versteht sich.

Breite Info-Kampagne gefor­dert

Für Fahr­gäste entfällt mit dem Kauf der Karte beim Schaffner ein weiterer Routine-Kontakt zum Personal. Schon seit einiger Zeit können sie sich mit dem soge­nannten Komfort-Check-in selbst im Zug anmelden und die Kontrolle des Handy-Tickets vermeiden. Vor der Corona-Krise wurde etwa jede zweite Fahr­karte online gekauft.

Die Gewerk­schaft forderte eine breite Kampagne über die Ände­rung. Alle Fahr­gäste müssten früh­zeitig und umfas­send infor­miert werden. Denn sonst seien Konflikte zu befürchten, wenn ahnungs­lose Fahr­gäste nach dem Stichtag noch beim Zugper­sonal nach­lösen wollten.

Eigent­lich hätte es laut den Lizenz-Auflagen schon vor einem Jahr so weit sein sollen: Die Netz­betreiber behaupten, dass sie nun endlich die ICE-Stre­cken "gut" versorgt hätten. Doch das Schließen letzter Löcher bleibt schwierig.

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