Huawei Eco-Connect

Deutschland: Noch ein langer Weg zur voll vernetzten Bahn

Mit dem Tablet in der Bahn bei Zalando die neuen Schuhe bestellen - und am nächsten Bahnhof liefert sie der Bote direkt in den Zug: Einen Ausblick auf die Zukunft des Bahnfahrens gab es auf der Eco-Connect-Konferenz in Berlin.
Von der Huawei Eco-Connect Europe in Berlin berichtet
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Auf der Eco-Connect-Konferenz von Huawei in Berlin geht es nicht nur um "langweilige" Netzwerktechnik und die Vorteile, die der LTE-Nachfolger 5G bringen wird, sondern immer auch darum, wie die totale Vernetzung unser Leben verändern wird. Ein Beispiel ist die Transformation von DHL von einem Paketdienstleister zu einem fast vollwertigen IT-Konzern.

Eine Vortragsreihe auf der Konferenz beschäftigte sich aber auch mit den Herausforderungen des Bahnverkehrs: Immer mehr Menschen weltweit ziehen in Städte oder arbeiten dort, aus Umweltgründen verzichten viele aufs Auto und nehmen stattdessen die Bahn. Doch auch während der Zugfahrt erwarten die Kunden vermehrt eine ununterbrochene Versorgung mit Breitband-Internet,

Schuhe in der Bahn bestellt und an den Zielbahnhof geliefert

Die Digitalisierung des Bahnverkehrs ist eine große HerausforderungDie Digitalisierung des Bahnverkehrs ist eine große Herausforderung Der Bahntechnik-Hersteller Bombardier liefert nicht nur Triebwagen, Lokomotiven und andere Bahntechnik an zahlreiche Bahnunternehmen weltweit, er muss sich zunehmend mit dem Thema Vernetzung beschäftigen. Auf der Konferenz zeigte ein Sprecher von Bombardier in einem Animationsvideo eine Zukunftsvision, in der eine junge Dame in die Bahn einsteigt, dort ganz unterbrechungsfrei im Internet surft und im Internet Schuhe bestellt.

Für die möglichst schnelle Lieferung der Schuhe hat sie dann zwei Möglichkeiten: Entweder sie kann diese direkt am Zielbahnhof in einem Schließfach abholen oder - wenn es ganz dringend ist - bringt sie ein Paketfahrer zum nächsten Bahnhof, an dem der Zug hält. Dort steigt der Fahrer nur kurz in den Zug und übergibt das Paket an die Bestellerin, bevor der Zug weiterfährt. Kurz vor Ende der Reise wird die Kundin per App schließlich darauf hingewiesen, dass bereits zwei Mitfahrer in ihrem Zug ein Taxi in Richtung ihres endgültigen Reiseziels gebucht hätten - verbunden mit der Frage, ob sie mitfahren will.

Wie lange wird voll digitalisierte Bahntechnik halten?

Angesichts gravierender Mobilfunk-Netzlücken entlang der deutschen Bahnstrecken können Bahnfahrer hierzulande von solchen Szenarien nur träumen. Erst mit 5G ist Mitte der 2020er-Jahre mit einer Realisierung dieser Vision zu rechnen. Bei der Vernetzung geht es auch nicht nur um das direkte Reiseerlebnis der Kunden. Dass manchmal nur wenige Schneeflocken zu eingefrorenen Weichen führen können oder dass bei Stürmen umgefallene Bäume manchmal stundenlang den Bahnverkehr blockieren, ist die andere Seite der Medaille.

Dies wurde aus einem Vortrag deutlich, den ein Mitarbeiter der Bahntochter DB Netze hielt. Er machte klar, was sich technisch in der Geschichte der Bahn seit den 1830er-Jahren verändert habe. Grundsätzlich gebe es bei der Bahn oft recht alte Technik: Mechanische Teile würden durchschnittlich 76 Jahre benutzt, halb-automatische Komponenten 60 Jahre und elektrische Teile durchschnittlich 42 Jahre. Hier konnte sich der Sprecher mit Blick auf die anwesenden Huawei-Mitarbeiter die nicht ganz ernst gemeinte Frage nicht verkneifen, ob die neue digitale Bahntechnik von Huawei ebenso lang leben könne...

Für die Datenübertragung bei der Bahn gebe es momentan über 200 verschiedene technische Übertragungsverfahren wie Analogtelefonie, GSM-R, ISDN, X.25 usw. Die Umstellung auf digitale Zugleitsysteme und vernetzte Weichensteuerungen sei daher oft auch deswegen notwendig, weil es schlicht und ergreifend keine Mitarbeiter mehr gebe, die sich mit der Jahrzehnte alten Technik auskennen und diese warten können. Denn einiges im Netz der Deutschen Bahn stammt immer noch aus den Zeiten der alten Bundesrepublik und der DDR.

Statistik zum durchschnittlichen Alter von Bahntechnik
Statistik zum durchschnittlichen Alter von Bahntechnik

Auf ein Software-Update kann niemand 30 Wochen warten

Doch vor allem durch Konkurrenten wie Fernbusse, Carsharing oder Billigflüge sei die Bahn dazu gezwungen, die Kosten für das Bahnnetz zu minimieren - und auch dafür sei die Digitalisierung wichtig. Und dass angesichts löchriger Mobilfunknetze Gratis-WLAN in den Zügen nur schwer zu realisieren ist, bleibt eine weitere Herausforderung. In allen Bereichen, sei es nun die Bahntechnik oder direkte Kunden-Produkte, will die Bahn zukünftig verstärkt mit jungen Startups zusammenarbeiten und in diese investieren.

Ein digitales System bei der S-Bahn Berlin soll zukünftig den Bahnsteig überwachen und schauen, dass bei der Abfahrt des Zuges niemand mehr an der Bahnsteigkante steht. Für diesen Job war bisher ein Mensch notwendig - das könnten zukünftig vernetzte Kameras und Sensoren übernehmen. Momentan dauern Implementierungen neuer Bahntechnik von der ersten Idee über behördliche Genehmigungen bis zum Bau oft 30 Wochen. Bei einem IP-Netz müssten darum Genehmigungsverfahren dringend abgekürzt werden: Denn bei einem Hackerangriff nach einer Sicherheitslücke in einem IP-Netz könne niemand 30 Wochen darauf warten, bis eine Behörde die Genehmigung zum Einspielen des Software-Updates gibt.

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