Europa

Streit: Sollen Autos per WLAN oder 5G funken?

Wenn es nach der EU geht, sollen Autos über Kurz­strecken zukünftig per WLAN kommuni­zieren. Doch den Verfechtern einer 5G-Lösung gefällt das gar nicht - sie fordern eine Änderung.
Von dpa /
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In Europa baut sich ein Streit darüber auf, wie vernetzte Autos unter­ein­ander und mit der Infra­struktur am Stra­ßen­rand kommu­ni­zieren sollen: per WLAN oder über das Mobil­funk-Netz.

Über einen soge­nannten dele­gierten Rechtsakt der EU-Kommis­sion, die zumin­dest zunächst für die Kurz­strecke auf WLAN setzt, soll am Mitt­woch das Euro­päi­sche Parla­ment debat­tieren. Wenn das EU-Parla­ment oder der Rat der Mitglieds­länder bis Mitte Mai keine Einwände erheben, tritt der Rechtsakt in Kraft.

Tech­no­lo­gie­neu­traler Entwurf gefor­dert

Vernetztes Fahren: Welchen Standard will die EUVernetztes Fahren: Welchen Standard will die EU? Vor diesem Hinter­grund werden die Anhänger der Mobil­funk-Lösung aktiver. So riefen BMW und die Deut­sche Telekom in einem gemein­samen Brief Bundes­ver­kehrs­mi­nister Andreas Scheuer (CSU) auf, ein Veto gegen den Rechtsakt der Kommis­sion einzu­legen. "Deutsch­land sollte im Rat darauf dringen, dass der dele­gierte Rechtsakt in der jetzigen Form von der EU-Kommis­sion zurück­ge­zogen und neu vorge­legt wird - in einer tatsäch­lich tech­no­lo­gie­neu­tralen Form", heißt es in dem Brief, der der dpa vorliegt. "Der dele­gierte Rechtsakt führt Europa in eine tech­ni­sche und poli­ti­sche Sack­gasse."

In dem Rechtsakt der Kommis­sion heißt es, für die Kommu­ni­ka­tion auf kurzen Entfer­nungen sei das Format ITS-G5 ausge­reift, getestet und bereits im Einsatz. Es basiert auf WLAN-Tech­no­logie und arbeitet in einem speziell dafür reser­vierten Frequenz­spek­trum von 5,9 Giga­hertz. Zugleich sieht die Kommis­sion den Einsatz des 3G- und 4G-Mobil­funks für die Kommu­ni­ka­tion auf längere Entfer­nung und zur Infra­struktur am Stra­ßen­rand - wie etwa vernetzte Ampeln - vor. Das auf Mobil­funk-Tech­no­logie für alle Einsatz­fälle basie­rende Format V2X sowie der super­schnelle 5G-Daten­funk könnten später inte­griert werden, heißt es in dem Rechtsakt.

BMW und die Telekom kriti­sieren nun in dem Brief an Scheuer, die WLAN-Lösung sei nur eine Über­gangs­tech­no­logie. "China nutzt ausschließ­lich C-V2X, auch die USA tendieren zu diesem Stan­dard." Diese Technik sei "anders als viel­fach behauptet" schon heute einsatz­be­reit. Und sie könne die bestehenden LTE-Netze nutzen, während die WLAN-Lösung eine "paral­lele Infra­struktur" mit erheb­li­chen Inves­ti­ti­ons­kosten benö­tige.

In einem sepa­raten Artikel geben wir weitere tehni­sche Hinter­grund-Infor­ma­tionen: Stra­ßen­ver­kehr der Zukunft - so funk­tio­niert V2X.

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