Runde 252

Mainzer Bieterschlacht: 2,1 GHz geklärt, 3,6 GHz umstritten

Die Mainzer Bieterschlacht wird immer kurioser: Eigentlich könnte seit 65 Runden Schluss sein.
Über die Fequenzversteigerung in Mainz berichtet
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Die Mainzer Frequenz­ver­stei­ge­rung ist fast in Verges­sen­heit geraten, denn sie schleppt sich schon seit Mitte März endlos vor sich hin. Heute Abend schlossen die Tore der Bundes­netz­agentur um 15.41 Uhr nach Runde 252. Auf der Zähleruhr des Präsi­denten standen zu diesem Zeit­punkt schon 5,570676 Milli­arden Euro.

Die Ergeb­nisse aus Runde 252

Canisiusstrasse 21 in Mainz. Seit Runde 187 könnte Schluss sein, wenn sich die Kontrahenten auf 3,6 GHz einigen würden.Canisiusstrasse 21 in Mainz. Seit Runde 187 könnte Schluss sein, wenn sich die Kontrahenten auf 3,6 GHz einigen würden. Wäre am heutigen Freitag endlich Schluss gewesen, hätte auf 2,1 GHz die Telefónica (o2) mit einem Block sofort (genauer ab 2021) und einen weiteren Block "später" (ab 2026) mit nach Haus nehmen können.

Die Deut­sche Telekom bekäme 4 Blocks sofort und Voda­fone könnte 3 Blocks sofort und einen später in Betrieb nehmen, während Dril­lisch erst ab 2026 auf 2,1 GHz funken dürfte. Das dürfte für den Newcomer kein Problem sein, da als Auflage der Fusion von E-Plus und o2 ja die Aufnahme eines virtu­ellen Netz­be­trei­bers "Dril­lisch" durch die fusio­nierte o2 zur Bedin­gung gemacht wurde. Dril­lisch kann also bis 2026 ziem­lich entspannt weiter funken und wird viel­leicht, um Flagge zu zeigen, demnächst seine eigene Vorwahl in Betrieb nehmen, für all die Kunden, denen das irgendwie "wichtig" ist.

Seit Runde 187 alles klar?

Blät­tern wir die unzäh­ligen Runden zurück, so ist das Thema 2,1 GHz seit Runde 187 eigent­lich "gegessen", seit dieser Zeit ändern sich diese Werte nicht mehr. Die Summen: 374,8 Millionen für Telefónica, 851,5 Millionen für Telekom, 800,9 Millionen für Voda­fone und 323,9 Millionen für Dril­lisch.

Die Bilanz für 2,1 GHz

Telefónica o2 hat auf 2,1 GHz aktuell etwa 35 MHz in Betrieb, davon laufen 20 MHz Ende 2020 aus, sodass o2 nach Stand vor Start der Auktion bis Ende 2025 auf jeden Fall 15 MHz nutzen kann.

Nach dem aktu­ellen Stand der Auktion dürfte o2 von 2021 bis Ende 2025 insge­samt 20 MHz Band­breite nutzen können. Danach blieben noch 10 MHz übrig. Die anderen 10 MHz gingen 2026 an Dril­lisch. Man muss kein Prophet sein, dass sich die beiden Unter­nehmen irgendwie verstän­digen müssen und werden.

Die Telekom hat auf 2,1 GHz aktuell etwa 10 MHz, Voda­fone verfügt immerhin über 15 MHz. Ab 2021 werden beide Anbieter bis zum Jahre 2040 jeweils 20 MHz Band­breite zur Verfü­gung haben - sofern sich nicht in Mainz noch irgend­etwas Grund­le­gendes ändert.

Zwischen­durch sah es böse aus

In Runde 150 hatte Telefónica auf 2,1 GHz ganze 0 (null) Blocks ergat­tert und die Telekom hätte insge­samt 8 Blöcke einge­heimst, während Voda­fone und Dril­lisch mit jeweils 2 (sofort) noch eini­ger­maßen gut wegge­kommen wären. Im weiteren Verlauf stand Dril­lisch mit weit mehr als 2 Blocks wiederum besser da, in Runde 187 bogen sie dann in den derzei­tigen "Endstand" für 2,1 GHz ein.

Andau­ernder Streit um 3,6 GHz

Auf 3,6 GHz, ein Frequenz­band, das ausbrei­tungs­mässig noch viel schwie­riger als 2,1 GHz zu hand­haben sind, geht der Wett­streit lustig weiter. In Runde 187 hätte Telefónica 7 Blocks, Telekom 8, Voda­fone 7 und Dril­lisch 6 Blocks bekommen. Eigent­lich hätte es damit ja gut sein können. Aber nein, es wurde lustig weiter geboten. Nur wofür?

Aktuell liegen Telefónica und Voda­fone wieder bei 7 Blocks (also im Prinzip gegen­über Runde 187 unver­än­dert), die Telekom hat jetzt 9 und Dril­lisch 6 Blocks. Eine Runde vorher (251) hatte Telefónica nur 6 Blocks, dafür Voda­fone einen mehr.

Was das ganze Geplänkel soll, bleibt Außen­ste­henden weit­ge­hend verborgen. Das mögliche Traum­ziel, einen der vier Anbieter komplett aus der Auktion raus­zu­ke­geln, um damit die Markt­chancen für die verblei­benden drei Anbieter zu verbes­sern, wurde mit Sicher­heit schon verfehlt.

Könnte sein, dass ein Bieter irgend­wann so stark "aufdreht", dass ein anderer Bieter die "Flucht" ergreift, doch dazu müsste man wissen, wo bei den Biete-Teams die "abso­lute Schmerz­grenze" liegt. Nur genau das ist natür­lich ultra­ge­heim.

Einnahmen nur für Breit­band-Fest­netz-Internet?

Bekannt ist, bereits, dass der Staat das einge­nom­mene Geld in den Breit­band-Ausbau stecken will. Bislang wird hier nur das Fest­netz darunter verstanden. Wenn das Oden­wald-Modell in Zusam­men­ar­beit mit Turm­bauer ATC wirk­lich "funk­tio­nieren" sollte, könnte ein Teil der Auktions-Milli­arden auch in den Mobil­funk­netz­ausbau gesteckt werden.

Doch bleiben viele Fragen offen: Beispiels­weise, wenn ein oder mehrere Netz­be­treiber das (subven­tio­nierte) Angebot der Turm­bauer nicht annehmen wollen? Kommt der Deal für den jewei­ligen Turm oder die Region dann einfach nicht zustande?

Was wäre gewesen, wenn...

Bleibt am Ende auch die rein theo­re­ti­sche Frage, ob die Netz­be­treiber bei Lizenzen für nur 1 Euro die rest­li­chen knapp 5,6 Milli­arden wirk­lich in ihren Netz­ausbau gesteckt oder eher ihren Anteils­eig­nern ausge­zahlt hätten.

Genauso hätten sie den Mut beweisen können, zur Auktion einfach nicht hinzu­gehen. Dann hätte die Politik ihr Konzept am Ende schneller revi­dieren müssen, als zuvor gedacht.

Es reicht!

Nun denn: Falls die Bieter-Teams und ihre Leit­stellen in Bonn, Düssel­dorf, München oder Monta­baur noch Zeit finden sollten, diese Zeilen zu lesen, würde ich Ihnen gerne zurufen: Leute, es reicht jetzt wirk­lich! Wir Kunden haben keine Lust, bald die laut­starken Klagen zu hören, dass ein flächen­de­ckender Netz­ausbau wegen der "teuren Lizenzen" gar nicht mehr möglich sei.

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