Interview

Das sind die Risiken beim Smartphone-Import aus Asien

Im Interview mit dem Zoll klären wir die Fragen, welche Risiken es beim Asia-Import gibt und wie sich mögliche Probleme beseitigen lassen.
Von Daniel Rottinger

Über das Internet können deutsche Verbraucher neue Handys aus Asien beziehen, ohne dabei den Umweg über Importeure zu gehen. Per Kreditkarte und anderer Online-Bezahlverfahren lässt sich der Fernost-Einkauf einfach begleichen. Doch bei der Einfuhr des Smartphones kann es zu Problemen kommen. Wir haben mit dem Zolloberamtsrat Frank Reinicke vom (Post-)Zollamt Schöneberg gesprochen und uns erkundigt, worauf Konsumenten achten sollten.

Welche Kennzeichnungen benötigen Handys, damit sie nach Deutschland eingeführt werden dürfen?

Frank Reinicke: Insbesondere das Handy-Ladeteil muss natürlich wegen seiner 220-Volt-Ausstattung über eine CE-Kennzeichnung verfügen. Aber wie mir bekannt ist, gibt es nur eine Asia-Firma im Internet, die eine Konformitätserklärung zum Herunterladen bereithält. Diese ist notwendig, um eine CE-Kennzeichnung zu erhalten. Bei dem Anbieter haben wir bis jetzt keine Hinweise erhalten, dass es sich um ein gefälschtes CE-Kennzeichen handelt. Allerdings ist grundsätzlich Vorsicht geboten: Da die Chinesen besonders dafür bekannt sind, dass sie mit dem CE-Kürzel auch die chinesischen Waren (China Export) bezeichnen und es als eine Art Gütesiegel verwenden. Und dieses Logo kann leicht mit dem europäischen Prüfsiegel verwechselt werden. Daher lassen wir uns hier immer die Konformitätserklärung zusätzlich vorlegen. Dies gewährleistet derzeit eben nur eine Firma, allerdings kann ich deren Namen nicht im Rahmen eines Interviews nennen.

Interview mit dem Zoll zum Import von Asia-Smartphones Interview mit dem Zoll zum Import von Asia-Smartphones
Bild: Zoll/teltarif Montage
Warum dürfen Geräte ohne CE-Kennzeichnung nicht nach Deutschland eingeführt werden: Wären die Folgen wirklich so dramatisch?

Zunächst haben diese die Sicherheitsstandards, die sich die Europäer ausgearbeitet haben nicht eingehalten. Selbstverständlich können bei solchen Elektroartikeln natürlich auch immer Brände auftreten. Für die Begutachtung von Handys ist übrigens die Bundesnetzagentur zuständig.

Die Lieferung von Smartphones aus Asien nimmt bekanntlich meist mehrere Wochen in Anspruch, bis sie beim Endverbraucher ankommt. Wie lange dauert im Durchschnitt die Zoll-Begutachtung eines Smartphones aus Asien, welches an einen deutschen Kunden per Post geliefert wird?

Bei uns geht die Beschau relativ schnell, so zwischen 10 bis 20 Minuten je Gerät. Allerdings dürfen Verbraucher nicht vergessen, dass bei Smartphones - gerade wenn sie aus Fernost kommen - gegebenenfalls auch Marken- und Designschutz eine wichtige Rolle spielen. Wir haben hier ja vielfältige Verbote und Beschränkungen zu beachten und dieses zielen nicht nur auf die CE-Kennzeichnung ab. Denn auch die Markenfälschungs-Prüfung ist auch ein wichtiger Faktor.

Aus Ihrer Aussage lässt sich schließen, dass es wenig Sinn macht, Smartphones zu importieren, die vom Äußeren her iPhone- und Samsung Galaxy-Geräten zu sehr ähneln?

Ja, in solchen Fällen nehmen wir Kontakt mit den jeweiligen Rechteinhabern auf und mir ist kein Fall bekannt, in dem diese auf das sogenannte Grenzbeschlagnahmeverfahren verzichtet haben. Bei dieser Art der Beschlagnahme ist auch die die Möglichkeit einer Rücksendung nicht mehr gegeben. Bei diesen Markenzeichen-Fälschungen wird das Handy generell beschlagnahmt.

Und wie sieht es bei Handys aus, denen "nur" die CE-Kennzeichnung fehlt?

Da bekommen wir dann eine Info von den zuständigen Überwachungsbehörden. Die sagen uns dann, ob es verboten ist das Gerät in den Verkehr zu bringen. Falls dies zutrifft, wird das Handy dann vernichtet. So erhalten Kunden ihr Geld zurück, wenn importierte Handys aufgrund einer fehlender CE-Kennzeichnung nicht eingeführt werden dürfen.

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