Streitbeilegung

Neue Radio- und TV-Programme bei Unitymedia & Vodafone

Ihren langjährigen Rechtsstreit um Einspeiseentgelte haben die Kabelanbieter Unitymedia, Vodafone und ARD / ZDF jetzt beigelegt.
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Kabelanschluß: Hausübergabepunkt (HÜP)Kabelanschluß: Hausübergabepunkt (HÜP) Seit einiger Zeit lagen die Kabelnetzbetreiber mit ARD und ZDF im Clinch. Es ging unter anderem um das liebe Geld. Konkret um die Frage, ob ARD und ZDF den Kabelnetzbetreibern etwas dafür bezahlen müssen, damit ihre öffentlich-rechtlichen Programme in die Kabelnetze eingespeist werden. ARD und ZDF fanden nein, zumal ihnen die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) im Nacken sitzt: "Ihr sollt sparen!" Jede Form von Erhöhungen beim Rundfunkbeitrag wären politisch derzeit kaum durchsetzbar. Die Kabelnetzbetreiber konnten ihrerseits aber ARD und ZDF nicht den Stecker ziehen, da sie dazu verpflichtet sind, die öffentlich-rechtlichen Programme von ARD und ZDF diskriminierungsfrei zugänglich zu machen. So übertrugen die Kabelnetze das "Erste" und das Zweite (ZDF), aber manche dritten Programme waren nicht überall sichtbar. Die Lage war ziemlich verfahren. Gestritten wurde seit etwa 6 Jahren.

Einigung mit Unitymedia und Vodafone

Nun haben sich der in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg aktive Kabelnetzbetreiber Unitymedia und die neun Landesrundfunkanstalten der ARD auf einen langfristigen Vertrag geeinigt: Ab dem 24. April 2018 kann das gesamte TV- und Radio-Angebot aller ARD Landesrundfunkanstalten in den Kabelnetzen von Unitymedia (einschließlich der ehemaligen Kabel-BW) empfangen werden.

Ebenso einig wurden sich ARD und ZDF mit der ehemaligen Kabel-Deutschland, die inzwischen zu Vodafone gehört und die "restlichen" Bundesländer versorgt. 10 Jahre soll der Deal mit der ARD und 6 Jahre mit dem ZDF laufen.

Neue Programme und Zusatzdienste werden kommen

Sowohl bei Unitymedia, als auch bei Vodafone sollen nicht nur alle Radio- und Fernsehprogramme, sondern auch die sogenannte „Dienste zur barrierefreien Nutzung“, also ein Kurztext der im laufenden Programm gesprochenen Worte, sowie Untertitel und Gebärdensprache in die Kabel-TV-Netze eingespielt werden.

Die TV- und Multimedia-Plattformen „Horizon“ von Unitymedia oder "Giga TV" von Vodafone (Kabel Deutschland) soll direkt auf die ARD-Mediathek sowie die Tagesschau- und KiKa-App Zugriff haben.

Erweiterte(r) Horizon(t)

Kunden von Unitymedia können über die eigene Horizon-Plattform bald auch die "non-linearen Funktionalitäten" wie Replay (Sendungen können bis zu 7 Tage zurück abgerufen werden) oder Instant-Restart (Zurückspringen an den Anfang einer laufenden Sendung) nutzen. Ähnliches wird auch Vodafone bei seinem Giga-TV-System anbieten können.

Alle Beteiligten zufrieden

Unitymedia CEO Lutz SchülerUnitymedia CEO Lutz Schüler Für Lutz Schüler, manchen Lesern noch von seiner langjährigen Tätigkeit bei VIAG-Interkom/o2 ein Begriff und seit 2011 CEO von Unitymedia, ist es „unser Anspruch, unseren Kunden die besten Inhalte – ob klassisch, auf Abruf, zeitversetzt oder über App – auf unserer TV Plattform Horizon bereitzustellen. Dazu gehört zweifellos das umfangreiche Angebot der ARD. Wir freuen uns sehr über die erzielte langfristige Einigung“.

Auch sein Mobilfunkkollege Hannes Ametsreiter, Chef von Vodafone Deutschland, wozu die ehemalige Kabel-Deutschland gehört, ist begeistert: „Mit der neuen Partnerschaft machen wir gemeinsam einen großen Schritt nach vorn – und können die enormen Veränderungen in der TV-Welt noch besser gestalten. Gemeinsam konzentrieren wir uns darauf, den Zuschauern ein einzigartiges Fernseherlebnis mit hochwertigen TV-Angeboten zu bieten, die jederzeit und überall abrufbar sind. Mit mehr Fernseh-Vielfalt und -Komfort durch künftig noch mehr HD-Qualität, Mediatheken und zahlreiche neue digitale Features auf GigaTV“

Vodofone Chef Ametsreiter freut sich über neue Fernsehangebote in seinem Programm
Vodofone Chef Ametsreiter freut sich über neue Fernsehangebote in seinem Programm

Die neuen Programme bei Unitymedia

TV-Kunden von Unitymedia können ab dem 24. April 2018 insgesamt sechs TV-Sender neu empfangen, davon vier in HD. Verwendet wird der von Unitymedia angebotene Empfänger, wo bestimmte Programmplätze bereits vorbelegt sind:

Das sind beim Fernsehen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg:

  • Programmplatz 041: rbb Berlin HD
  • Programmplatz 043: SR HD
  • Programmplatz 264: tagesschau24 HD
  • Programmplatz 344: Radio Bremen TV
  • Programmplatz 343: SR
  • Programmplatz 034: MDR Thüringen HD (nicht in Hessen)

und im Radio via Kabel in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg:

  • Programmplatz 850: NDR Plus
  • Programmplatz 862: Antenne SAAR
  • Programmplatz 866: Unser Ding SR
  • Programmplatz 879: WDR2 Ruhrgebiet
  • Programmplatz 811: WDR2 Rhein & Ruhr
  • Programmplatz 881: BR Heimat
  • Programmplatz 882: Bremen Next

Ende der Rechtsstreitigkeiten

Mit der Kooperation legen die ARD-Landesrundfunkanstalten und Unitymedia, sowie ARD/ZDF und Vodafone ihre langjährigen Rechtsstreitigkeiten über Einspeiseentgelte bei.

Wer zahlt was?

Wer nun in Zukunft wem was zahlt oder auch nicht zahlt, verraten die offiziellen Mitteilungen nicht. Für den zuschauenden Kunden entstehen keine Mehrkosten, die vorhandenen Geräte können weiter genutzt werden. Zu zahlen sind weiterhin der Rundfunkbeitrag (besser bekannt als "GEZ") und die monatlichen Gebühren für die Nutzung von Unitymedia- oder Vodafone-Kabel (Kabel-Deutschland), wobei die reinen Kabel-Empfangsgebühren in vielen Fällen schon in der Wohnungsmiete enthalten sein dürften.

Will ein Kabel-Zuschauer seinen Kabel-Anschluss um Telefon und Internet erweitern, muss er direkt mit dem Kabel-Internet-Anbieter Kontakt aufnehmen. Falls bauliche Veränderungen im Hausnetz erforderlich sind, muss der Vermieter zustimmen, der möglicherweise mit einem (dritten) Dienstleister ein Rahmenabkommen abgeschlossen hat. Man spricht vom sogenannten Nebenkostenprivileg.

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