ARD/ZDF

Öffentlich-Rechtliche: Eine gemeinsame Mediathek für alles

Die öffent­lich-recht­lichen Sender in Deutsch­land streben bis zum Jahr 2030 eine gemein­same Media­thek an. Der Inten­dant des WDR, Tom Buhrow, glaubt zudem, dass lineare TV-Spar­ten­sender bald Vergan­gen­heit sind. DAB+ und Internet sollen beim Radio UKW ersetzen.
Von dpa /

Wandern Spartenkanäle wie "One" von der ARD ins Internet ab? Wandern Spartenkanäle wie "One" von der ARD ins Internet ab?
Screenshot: Michael Fuhr
Der Inten­dant des West­deut­schen Rund­funks (WDR), Tom Buhrow, sieht lang­fristig eine einzige große Media­thek des öffent­lich-recht­lichen Rund­funks in Deutsch­land anstelle von getrennten Ange­boten, wie es sie heute gibt. "Die Öffent­lich-Recht­lichen werden eine Media­thek für alle bieten", schreibt Buhrow im Gast­bei­trag "Wo die ARD im Jahr 2030 steht" in der "Frank­furter Allge­meinen Zeitung" (FAZ). Darin skiz­ziert der WDR-Inten­dant aus seiner Perspek­tive in einem Zukunfts­sze­nario die großen Trends.

Aus für Spar­ten­kanäle und UKW

Wandern Spartenkanäle wie "One" von der ARD ins Internet ab? Wandern Spartenkanäle wie "One" von der ARD ins Internet ab?
Screenshot: Michael Fuhr
Spar­ten­kanäle im fort­lau­fenden TV-Programm werden demnach in den Hinter­grund treten und durch non-lineare Ange­bote in Form von On-Demand-Platt­formen ersetzt. Ebenso komme das Aus für den Radio­ver­brei­tungsweg UKW, während Audio­ange­bote ins Netz wandern. "Bisher belauern sich öffent­lich-recht­liche und kommer­zielle Sender und warten nur darauf, dass der jeweils andere den Ausstieg aus UKW beschließt oder aufge­zwungen bekommt. Die Folge: Wir inves­tieren sowohl in die Erhal­tung von UKW als auch den Ausbau von DAB+ und in die Verbrei­tung übers Internet."

Buhrow sprach sich für klare Rahmen­bedin­gungen für alle Markt­teil­nehmer aus, um das zu durch­bre­chen. UKW werde lang­fristig nur noch eine „Hava­rie­technik für Krisen­fälle“ sein. Durch die neue Technik "müssten nicht Dutzende regio­nale Hörfunk­wellen unter­halten werden. Weit­gehende Koope­rationen unter den Landes­sen­dern und mit dem Deutsch­land­radio wären möglich“, schreibt Buhrow. In dem Beitrag betont er auch, dass die ARD auf dem Weg zu einem non-linearen Inhalte-Netz­werk sei.

Buhrow, der aktuell auch ARD-Vorsit­zender ist, sieht zudem diesen Aspekt Ende der 2020er Jahre: "Die ARD hat sich entschieden, noch konse­quenter ihren „Heim­vor­teil" zu nutzen und so dem Publikum Mehr­wert anzu­bieten. Die ARD ist deshalb 2030 noch stärker vor Ort in den Regionen und koope­riert dort vermehrt mit Einrich­tungen aus Wissen­schaft, Kultur und Bildung sowie privaten Medi­enhäu­sern." Er kündigte in dem Gast­bei­trag an, im Mai einen ARD-Zukunfts­dialog zu starten, bei dem Bürge­rinnen und Bürger befragt werden sollen.

Raab: Content-Netz­werke wie "funk" für alle Alters­gruppen

Mit diesem Aufschlag in der Zeitung bringt Inten­dant Buhrow einen weiteren Impuls in den laufenden Reform­pro­zess des öffent­lich-recht­lichen Rund­funks zu Struktur und Auftrag, den die Bundes­länder forciert haben. Der Inten­dant stützt zugleich etwa einen Debat­ten­bei­trag seiner Amts­kol­legin des Mittel­deut­schen Rund­funks (MDR), Karola Wille. Die Inten­dantin hatte vor kurzem eine Entwick­lung der Rund­funk­anstalten hin zu einem "gemein­wohl­ori­entierten Kommu­nika­tions­netz­werk" als zeit­gemäßen Auftrag skiz­ziert.

Die rhein­land-pfäl­zische Medi­enstaats­sekre­tärin Heike Raab (SPD), die auch Koor­dina­torin der Länder-Rund­funk­kom­mis­sion ist, warb jüngst für ein ähnli­ches Modell wie es das bereits mit funk als gemein­sames Content-Netz­werk von ARD und ZDF für jüngere Leute gibt: "Ich würde mich freuen, wenn ARD, ZDF und Deutsch­land­radio insge­samt und für alle Alters­gruppen zu dem öffent­lich-recht­lichen Content-Netz­werk würden, das 'funk' für viele junge Menschen heute schon ist." Die Rund­funk­kom­mis­sion will bis Juni konkrete Schritte zum Reform­vor­haben des öffent­lich-recht­lichen Rund­funks erar­beitet haben, wie Raab vor einigen Tagen ankün­digte.

Buhrow ging in seinem Text auch auf den Rund­funk­bei­trag ein. Sachsen-Anhalt blockierte im Dezember eine Erhö­hung um 86 Cent auf 18,36 Euro, der Staats­ver­trag zwischen den Bundes­län­dern konnte nicht in Kraft treten. ARD, ZDF und Deutsch­land­radio klagten vor dem Bundes­ver­fas­sungs­gericht.

Buhrow schrieb, jeder, der die Reform­dis­kus­sion über den Auftrag ernst nehme, müsse sich ehrlich machen: "Will er oder sie eine Moder­nisie­rung des öffent­lich-recht­lichen Rund­funks oder nur Kosten senken? Wenn es um Letz­teres geht, ließe sich der Rund­funk­bei­trag von Kosten berei­nigen, die mit dem öffent­lich-recht­lichen Rund­funk nichts zu tun haben." Bisher gehe es zum Beispiel zu Lasten der Beitrags­zahler und -zahle­rinnen, wenn finan­ziell schwä­cher Gestellte den Rund­funk­bei­trag nicht aufbringen können. Buhrow stellte die Frage: "Ist das nicht eigent­lich Aufgabe der Sozi­alkassen?" Er nannte zudem das Beispiel der Landes­medi­enan­stalten als Medi­enre­gulierer des privaten Rund­funks. Auch sie werden über den Rund­funk­bei­trag finan­ziert.

Kritik gibt es an der mögli­chen Neuaus­rich­tung des Hörfunks beim Rund­funk Berlin-Bran­den­burg (rbb).

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