Tiefseekabel

Backbone: Datenautobahnen sollen künftig durch die Arktis führen

Arctic Fibre: Glasfaserleitung von Tokio durchs Nordmeer nach London
Von mit Material von dpa

"Ich denke, dass die Kabel mit Sicherheit verlegt werden können", sagt der Ozeanograf Prof. Rüdiger Gerdes vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. "Die extremen Bedingungen mit besonders wenig Eis in der Arktis haben bereits 2007 angefangen." Zudem sollen die beiden Kabel nicht direkt über den Nordpol liegen sondern vor den Nordküsten der angrenzenden Kontinente.

Insbesondere der östliche Seeweg über Sibirien zeichne sich durch sehr geringe Eisdicken aus, erläutert Gerdes. Im Sommer sei das Meer dort in den vergangenen Jahren mehrere Monate eisfrei gewesen - in den anderen Monaten steige die Eisdicke wieder auf bis zu einem oder gar 1,5 Meter.

"Tatsächlich wird eine gewisse Eisbedeckung sogar als Vorteil angesehen für diese Kabel", erläutert Gerdes, "weil sie dann weniger durch Schifffahrt und Fischerei gefährdet sind." Sie könnten etwa beim Ankern beschädigt werden. "Ich denke man kann im August, September, vielleicht auch etwas früher mit dem Verlegen anfangen. Ab Mitte September friert dann alles wieder sehr schnell zu."

Unterseekabel in der Arktis soll 25 Jahre halten

Engpässe, an denen viele Kabel eng nebeneinander laufen, wurden sogar bereits als terroristische Ziele genannt. Daneben spiele die Unabhängigkeit von politischen Verhältnissen eine Rolle, meint Cunningham. "Die Chinesen wollen eine Route, die nicht durch die USA führt, sondern direkt nach London, ohne Landungspunkte in anderen Staaten."

2014 soll der Hauptstrang von "Arctic Fibre" verlegt werden: Acht bis zehn Wochen ist die Route jeden Spätsommer eisfrei, dann kann ein Schiff mit riesiger Kabeltrommel den Strang dort abrollen. Wo Eisberge drohen, soll das Kabel vergraben werden, beim Anlanden kommen sogar Bohrer für eine sichere Route im Gestein zum Einsatz. "Das Kabel wird den Herausforderungen im arktischen Eis 25 Jahre lang widerstehen", zeigt sich Cunningham sicher.

TK-Geschichte: Tiefseekabel haben eine lange Tradition

"Der Atlantik ist trockengelegt", schrieb die britische "Times" am 6. August 1858, nachdem das erste Telegrafen- Kabel von Europa in die USA verlegt worden war. Doch die Qualität war bescheiden und die kurze Botschaft der britischen Königin Victoria an den US-Präsidenten James Buchanan brauchte Stunden. Nach nur einem Monat gab das transatlantische Ozeankabel zwischen Irland und Neufundland seinen Geist auf.

Erst acht Jahre später, am 27. Juli 1866, stand die erste dauerhafte elektrische Signalleitung zwischen den Kontinenten. Verlegt wurde das Kabel mit der 10 000 PS starken "Great Eastern", dem damals größten Liniendampfer der Welt, da kein anderes Schiff die schwere Leitung transportieren konnte. 1858 war das Kabel noch halbiert, von zwei Schiffen aus verlegt und mitten im Atlantik verbunden worden.

Wenige Jahre später wurde Afrika per Seekabel-Telegrafie erreicht, die anderen Kontinente folgten. Abgeschlossen wurde die weltumspannende Verkabelung, als 1902 Neuseeland ans Netz kam. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die ersten Telefongespräche übertragen. Mittlerweile liegen auf dem Meeresgrund Glasfaser- statt Kupferkabel, die wesentlich mehr Daten übertragen können.

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