Vertane Chance

Archos 40 Helium im Test: LTE und Dual-SIM retten es nicht

Ein LTE-Smartphone mit Quad-Core und Dual-SIM als Zweitgerät für die Hosentasche - klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Leider ist es auch nicht schön, denn das Archos 40 Helium, das nur 80 Euro kostet, versagt in mehreren Disziplinen.
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Sollte mit dem Archos 40 Helium ein lang ersehntes Smartphone das Licht der Welt erblickt haben? Wir erinnern uns: In unserem Kommentar: Warum gibt es mein Wunsch-Smartphone nicht? hatten wir uns vor einem Jahr ein 4-Zoll-Smartphone für die Hosentasche gewünscht, das LTE sowie Dual-SIM unterstützt und eine annehmbare Leistung mit mindestens Quad-Core-Prozessor hat. Ohne großartige Ankündigung hat Archos mit dem 40 Helium zu Beginn des Jahres heimlich still und leise ein derartiges Smartphone auf den Markt gebracht.

Archos 40 Helium

Doch warum diese Heimlichkeit? Ein Blick in deutsche Online-Shops zeigt: Lieferbar ist das Archos 40 Helium nur bei wenigen Händlern, meist für etwa 85 Euro. Archos selbst verkauft es in seinem Online-Shop für 80 Euro. Warum so schüchtern? Kann das Smartphone nicht halten, was es verspricht? Der günstige Preis lässt jedenfalls Zweifel aufkommen. Wir haben das Hosentaschen-Phone getestet.

Archos 40 Helium im Test
Archos 40 Helium im Test: LTE und Dual-SIM retten es nicht

Lieferumfang des Archos 40 Helium

Wie bereits in unserem Kommentar geschrieben: Leistungsfähige und gut ausgestattete 4-Zoll-Smartphones waren lange Mangelware, Apple hat mit dem iPhone SE in dieser Preisklasse zwischenzeitlich wieder einen neuen Akzent gesetzt. Doch iOS ist nicht jedermanns Sache, Dual-SIM gibt es bei Apple nicht und der Preis von 490 Euro ist vielen Interessenten, für die ein 4-Zoll-Phone lediglich das Zweit-Handy darstellt, zu teuer.

Das Archos 40 Helium misst 125,5 mal 65,5 Millimeter und passt damit problemlos in eine vordere Hosentasche. Im Test konnten wir uns damit auch problemlos hinsetzen, ohne dass das Smartphone zerdrückt wird. Mit 11,6 Millimeter Dicke ist es zwar etwas dicker als aktuelle Spitzen-Smartphones mit größerer Display-Diagonale - irgendwo muss die Technik aber schließlich Platz finden. Das kleine Smartphone wiegt 110 Gramm - befindet es sich in der Gesäßtasche, sollte man sich aber keinesfalls draufsetzen.

Geliefert wird das Archos 40 Helium in einer Karton-Verpackung, beigelegt sind Netzteil, Micro-USB-Kabel, Ohrhörer, eine Display-Schutzfolie und eine Kurzanleitung. Auf der Archos-Homepage steht "Zwei Wechsel-Cover aus samtigem Kunststoff in Naturtönen sorgen für angenehme Haptik." Bei unserem originalverpackten Testgerät traf dies nicht zu: Außer dem schwarzen Standard-Cover befand sich in der Packung noch eine transparente Kautschuk-Schutzhülle, in die das Smartphone gesteckt werden kann.

Rückseite mit Kamera-Modul
Rückseite mit Kamera-Modul

Haptik, träges Display und Blickwinkel

Das Archos 40 Helium hat auf allen Seiten schön abgerundete Ecken, darum liegt es gut in der Hand. Das leicht gummierte Cover verhindert, dass das Telefon aus der Hand rutschen kann. Der umlaufende silberne Ring ist allerdings nicht aus Metall, sondern aus glänzendem Kunststoff. Unterbrochen wird der Ring oben von Micro-USB- und Audio-Klinkenbuchse, rechts vom Powerknopf, links von der Lautsärkewippe und unten von der Mikrofonöffnung.

Leider kann man beim Archos 40 Helium nicht von einer wirklich guten Verarbeitung sprechen - bei einem Preis von 80 Euro darf man auch nicht zu viel erwarten. Spaltmaße gibt es zwar nicht, beim Druck auf das Gehäuse knarzt es aber leicht und das Telefon zieht Fingerabdrücke magisch an, selbst wenn man gerade die Finger frisch gewaschen hat.

Ein echter Schwachpunkt ist die leitfähige Display-Beschichtung des kapazitiven Touchscreens: Diese hat einen derart hohen Widerstand, dass die Finger sehr unsanft über das Display gleiten. Auch mit der Leitfähigkeit ist es nicht zum besten bestellt: Mehrmals in unserem Test reagierte das Display gar nicht auf unsere Touch-Eingabe und wir mussten diese wiederholen. Schon allein diese Sache ist praktisch ein Argument, das Archos 40 Helium nicht zu empfehlen.

Das 4-Zoll-TN-Display hat eine Auflösung von lediglich 800 mal 480 Pixel mit dem Ergebnis, dass die Darstellung recht körnig wirkt, insbesondere bei kleineren Schriften und den Kanten von Icons. Ein 4-Zoll-Display wird man allerdings kaum für mehrstündige Surf-Sessions nutzen. Ein weit schlimmerer Schwachpunkt ist die starke Blickwinkelabhängigkeit des Displays: Hat dieses beim gerade Draufschauen grundsätzlich immer einen leichten Weiß-Schleier, wird dieser schon bei leichtem Ankippen des Smartphones nach oben und unten so stark, dass das Display praktisch nicht mehr lesbar ist. Nach recht und links ist die Blickwinkelabhängigkeit nicht so stark.

Steckplätze und Akku
Steckplätze und Akku

Die Funktionsweise des Dual-SIM-Moduls

Wichtig zu wissen ist, dass alle internen Slots, also die beiden SIM-Kartenslots und der microSD-Steckplatz komplett unter dem Akku liegen. Für jeden Wechsel muss also das Handy heruntergefahren und der Akku entnommen werden.

Das Dual-SIM-Modul gestaltet sich recht unflexibel: Denn nur der erste SIM-Slot unterstützt UMTS/HSPA/LTE. Und dieser Slot ist als Mini-SIM-Slot ausgelegt. Die Daten-SIM muss also zwingend eine Mini-SIM sein. Der zweite SIM-Slot unterstützt hingegen nur den GSM-Standard und ist als Micro-SIM-Slot ausgelegt. Wir bezweifeln, dass dies in der Realität sinnvoll ist, denn meist ist ja eine neuere SIM mit Datenvertrag oder Smartphone-Tarif als Micro-SIM ausgelegt, während vielleicht eine ältere Prepaid-Karte, die beispielsweise zum Telefonieren oder für die Erreichbarkeit in Slot 2 sinnvoll einsetzbar ist, ungestanzt als Mini-SIM vorliegt.

Im Test haben wir ermittelt, dass es sich beim Dual-SIM-Modul des Archos 40 Helium um ein Dual-Standby-Modul handelt. Wird nicht telefoniert, sind beide SIM-Karten ins Netz eingebucht und erreichbar. Wird auf der einen SIM telefoniert, ist die andere aber nicht ins Netz eingebucht und daher auch nicht erreichbar - die Mailbox springt an. In dieser Preislage wäre ein Dual-Active-Modul mit der Möglichkeit, während eines Telefonats mit der einen SIM einen eingehenden Anruf auf der zweiten anzunehmen, auch eher ungewöhnlich gewesen.

Lieferumfang und Verpackung
Lieferumfang und Verpackung

Weitere Specs, System, Apps und Leistung

Im Archos 40 Helium werkelt der Chip "Spreadtrum SC9830", ein schwacher Quad-Core-Prozessor mit 1,5 GHz Taktfrequenz und Mali-400-GPU. 1 GB RAM hat das Smartphone und es sind 8 GB Flash-Speicher eingebaut. Per microSD-Karte ist der Speicher um bis zu 32 GB erweiterbar. Das vorinstallierte System ist Android 5.1 "Lollipop", zu einem Update auf Android 6 hat sich der Hersteller noch nicht geäußert.

LTE unterstützt das Telefon auf allen in Deutschland verwendeten Frequenzen, allerdings dauerte das Umbuchen zwischen WLAN und mobilem Datennetz länger als bei anderen Smartphones. Das LTE-Cat.4-Modul unterstützt maximal 150 MBit/s im Downstream. Spaß macht das Surfen mit dem Gerät allerdings nicht, weil der Browser und auch andere Apps zum Teil so langsam reagieren, dass die Geschwindigkeitsvorteile des Netzes dadurch wieder ausgebremst werden.

An speziellen Apps fanden wir Archos File Manager und Archos Video Player Free auf dem Telefon, also zwei durchaus sinnvolle Apps, wenn man mit dem schlechten Display überhaupt Videos schauen möchte. Glücklicherweise hat Archos es unterlassen, den ohnehin knappen Gerätespeicher mit sinnlosen Apps vollzumüllen, wie wir dies bei anderen Herstellern zum Teil erleben.

Die Systemleistung, die wir schließlich auch mit Benchmark-Programmen gemessen haben, ist - wie beim Nutzen des Smartphones schon vermutet - beklagenswert schlecht. Die durchschnittlichen Frameraten bei 3D-Games lagen zwischen 23,3 Frames und 24,8 Frames pro Sekunde, ein Ruckeln war also klar zu vernehmen. Fürs Spielen ist ein Handy in der Preislage und mit derart kleinem Display aber ohnehin nicht gedacht.

Die beiliegende transparente Kautschuk-Hülle
Die beiliegende transparente Kautschuk-Hülle

Kamera und Akku

Das Archos 40 Helium verfügt über eine 5-Megapixel-Hauptkamera sowie über eine 2-Megapixel-Frontkamera. In der Regel konstatieren wir bei günstigen Einsteiger-Handys, dass die Kamera für gelegentliche Schnappschüsse ausreicht, doch nicht einmal das können wir dem Archos-Winzling bescheinigen. Die Fotos sind schlecht belichtet, unscharf bis verwaschen und die Farben sind auch nicht korrekt wiedergegeben. Alle Fotos wirken, wie wenn sie durch einen Retro-Weichzeichner-Filter mit weißlichem Überbelichtungs-Effekt hindurchgezogen worden wären. Wir trauten unseren Augen nicht und fühlten uns an die Fotos von Feature-Handys mit Kamera vor einigen Jahren erinnert, als es noch keine Smartphones gab.

Ist ein Smartphone-Akku eineinhalb oder zwei Jahre alt, beginnt er in der Regel zu schwächeln: Er hält nicht mehr so lange durch, interessanterweise ist er aber auch schneller geladen als kurz nach dem Kauf. Dieses Verhalten beobachteten wir beim 1500-mAh-Lithium-Polymer-Akku des Archos 40 Helium gleich von Beginn an. Der Akkutest von PCMark bestätigte unser ungutes Gefühl: Der Akku hält durchschnittlich nur 3 Stunden und 34 Minuten durch, was heutzutage inakzeptabel ist.

Foto der Hauptkamera
Foto der Hauptkamera: Milchigweiß, unscharf und mit Farbverfälschungen

Fazit: Archos hat die Chance vertan

Die Einzelnoten im Handy-Test:
  • Technische Ausstattung: 3
  • Bedienung, Handling, Software: 4
  • Hardware, Verarbeitung, Material: 3
  • Basis-Feature des Handys: 3
  • Einschätzung des Redakteurs: 5
  • Gesamtnote: 3,6
Das Archos 40 Helium hatte aufgrund seiner Ausstattung zuerst Interesse geweckt, konnte die Erwartungen im Test dann aber nicht erfüllen. Schon das schlechte Display ist ein Grund, vom Kauf des Geräts abzuraten. Mag man die schlechte Systemleistung noch verschmerzen, ist die kurze Akkulaufzeit von nur dreieinhalb Stunden ein No-go. Selbst LTE und Dual-SIM können an dieser Einschätzung nichts ändern, wenn es bei der Bedienung ständig hakt und klemmt. Schade - hier hat Archos eine echte Chance vertan.
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