Digitales Radio

Neustart von DVB-H wird an Bedingungen geknüpft

Bundesländer einigen sich auf Digital-Radio-Neustart
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Offen ist nach wie vor, ob es in Deutschland zu einem Neustart des Handy-TVs im DVB-H-Modus kommt: Zwar haben die Landesmedienanstalten, wie berichtet, eine Sondierungsgruppe zur Auslotung der Interessentenlage eingesetzt. Die Medienwächter wollen hierbei jedoch zahlreiche Bedingungen erfüllt bekommen, bevor es einen erneuten "Flop nach dem Aus des Konsortiums Mobile 3.0" gibt. Unter anderem soll, wie das Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk berichtet - geprüft werden, ob es neue Modelle gibt, welche die Investitionen für die Teilnehmer refinanzieren können. Dabei sei klar, dass Angebote, die kostenfrei über DVB-T auf dem Handy zu sehen sind, nicht einfach kostenpflichtig über DVB-H übertragen werden können.

Medienanstalten fordern: "Impuls, Interesse und Konzept von den Marktteilnehmern"

Thomas Langheinrich, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) verweist auf die eindeutig verteilten Rollen: "Der Impuls, das Interesse und auch das Konzept muss von den Marktteilnehmern kommen." Die Eckpunkte sieht Langheinrich dabei gesetzt: "Wichtig ist, dass die Bedienung einfach funktioniert, dass der Service stimmt, der Content interessant ist und das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Nicht zu vergessen, dass die Vorteile beworben werden und überall Geräte verfügbar sein müssen." Zunächst gelte es daher auszuloten, welche Geschäftsmodelle im Markt positiv bewertet werden und ob die Teilnehmer überhaupt bereit sind, zu investieren. Dabei sei auch zu überlegen, ob nicht Risiken gemeinsam getragen werden sollten, also beispielsweise der Sendernetzbetreiber auch seinen finanziellen Beitrag im Projekt leisten sollte.?

Henrik Rinnert, ehemaliger Chef des ebenfalls gescheiterten Handy-TV-Konsortiums Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD) und jetziger Geschäftsführer der Media Broadcast in Österreich, denkt, dass die Technik "einen zweiten Anlauf in Deutschland verdient" habe. DVB-H sei nach wie vor die beste Lösung für Fernsehen in Mobilität und damit die ideale Ergänzung zu Live-Streaming-Angeboten - insbesondere für reichweitenstarke Programme und Formate. Ob diese technischen Vorteile jedoch potenzielle Kunden dazu bewegen, Handy-TV-Angebote zu abonnieren, obwohl sie Handy-Fernsehen über DVB-T oder Internet-TV-Angebote wie das von Dailyme.tv auch kostenlos aufs Mobiltelefon geliefert bekommen, bleibt eine bislang unbeantwortete Frage.

Ende März sollen Frequenzen für DAB+ beantragt werden

Nach langwierigen Diskussionen scheint es dagegen nun doch grünes Licht für einen Neustart des digitalen Radios im neuen Modus DAB+ in Deutschland zu geben. Die Rundfunkkommission der Länder will den Bedarf an digitalen Frequenzen für den Neustart am 26. März an die Bundesnetzagentur melden, berichtet der Branchendienst Kontakter in seiner aktuellen Ausgabe. Ursprünglich war die Anmeldung des Frequenzbedarfs bereits für Ende vergangenen Jahres geplant. Zu diesem Zeitpunkt fehlte allerdings noch die finanzielle Zusage der ARD. Außerdem forderten die Nordländer eine Erlaubnis für den NDR, neue digitale Radiokanäle starten zu dürfen. Die letzten noch unklaren Fragen sollen nun am 26. März geklärt werden.

DAB+-Lizenz für Fußballradio 90elf

Unterdessen hat die Sächsische Landemedienanstalt (SLM) dem Fußballsender 90elf eine Lizenz für den DAB+-Probebetrieb erteilt. Die antragstellende Regiocast Digital GmbH erhält die Zulassung für Leipzig und Umgebung zunächst befristet bis 31. Dezember 2009. Die Medienwächter wollen im Rahmen des Pilotprojekts Fragen zur Betriebsabwicklung und Multiplexbildung im Zusammenhang mit dem geplanten Neustart von DAB+ untersuchen lassen. Dabei sollen auch multimediale Zusatzdienste übertragen werden. Für die Erprobung stehen Kapazitäten im Band III (Block 11A) bereit. An dem Projekt will sich auch der Mitteldeutsche Rundfunk beteiligen.

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