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Editorial: Kampf dem Kabelsalat

Einheitliche Standards machen das Leben etwas einfacher
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Knapp fünf Jahre ist es her, dass ich mich in einem Editorial über die diversen zueinander inkompatiblen Ladekabel der Handys und anderen elektronischen Kleingeräte beschwerte. Wer mehrere Handys, Headsets, Digitalkameras und weitere elektronischen Kleingeräte verwendet, ist nämlich dauernd auf der Suche nach dem jeweils richtigen Ladekabel. Erwischt man beim Packen das falsche, ist das zugehörige Gerät schon nach wenigen Nutzungsstunden am Zielort faktisch wertlos.

Doch nach dem diesjährigen Mobile World Congress besteht nun die kleine Hoffnung, dass man zum übernächsten oder zum drittnächsten Kongress tatsächlich weniger Netzadapter mitnehmen muss. Denn die Handybranche scheint nach einheitlichen Standards für Mobilfunknetze auch solche für Ladekabel einführen zu wollen. Ganz von selbst kam diese Kooperation allerdings nicht; die Politik musste anscheinend etwas nachhelfen, damit bei den Herstellern die Bereitschaft zur Kooperation einkehrt. Doch dann ging es plötzlich ganz schnell und binnen weniger Tage erfolgte die oben zitierte Ankündigung.

Einführung bis 2012

Qualcomms Vorstellung einer drahtlosen Ladeplattform. Bis 2012 soll der einheitliche Standard durch sein, wobei zu hoffen ist, dass schon bei denjenigen Geräten, deren Entwicklung dieses Jahr beginnt, der Ladeanschluss gemäß dem neuen Standard ausgeführt wird. Bei den üblichen Produktzyklen in der Handybranche würden diese Geräte 2010 vorgestellt und 2011 in Großserie produziert. Bis 2012 würden dann tatsächlich die meisten Altmodelle mit herstellerspezifischem Ladegerät auslaufen.

Wenn die Handybranche den Ladestandard vorgibt, werden viele Hersteller anderer Kleingeräte, vom MP3-Player bis zur Digitalkamera, bald folgen. Nach der so erfolgten Etablierung eines Ladestandards könnte es sogar üblich werden, dass Geräte ohne Netzteil verkauft werden. Die große Mehrzahl der Kunden spart dadurch ein paar Euro, schließlich hat sie bereits ein oder mehrere kompatible Netzadapter zu Hause rumliegen. Wer noch keins hat, oder bei wem das alte kaputt gegangen ist, kann sich für ein paar Euro ein neues kaufen.

Der von der GSMA favorisierte Standard aus Basis von Micro-USB hat noch weitere Vorteile: Man kann Kleingeräte nicht nur vom Stromnetz, sondern auch von einem anderen Gerät mit stromversorgtem USB-Port aus laden, insbesondere von einem Laptop aus. Ebenso ergibt sich hieraus auch gleich ein einheitlicher Standard für Datenkabel, wo derzeit ebenfalls herstellerspezifische Normen vorherrschen.

Ganz ohne Kabel

Die Ladeplattform eCoupled von Texas Instruments. Derweil taucht am Horizont bereits die nächste Generation der Ladegeräte auf: Ganz ohne Kabel. Handy auf die Ladeplatte legen, fertig. Eine Art Transformator in der Platte und Induktionsschleifen im Handy übertragen die Energie drahtlos per Magnetfeld. Die Handykomponenten-Entwickler Qualcomm und Texas Instruments haben bereits entsprechende Prototypen auf dem Mobile World Congress in Barcelona gezeigt. Bis zu deren Serienproduktion dürfte der Weg nicht mehr weit sein.

Neben Handys können auch diverse andere Geräte drahtlos geladen werden: Die Fernbedienung vom Fernseher oder der Controller der Spielkonsole, das Headset oder die Digitalkamera. Diesbezüglich bleibt zu hoffen, dass sich die Hersteller von Anfang an auf einen Standard einigen, so dass Apples iPhone auch mit einer Ladeschale von Nokia kann - und umgekehrt.

Ist der drahtlose Ladestandard erst einmal geschaffen, werden sich kompatible Ladeschalen und Handys im Geschäftsumfeld schnell verbreiten. In gehobenen Hotels könnten Ladestationen gar zur Standardausstattung auf den Zimmern werden, wie heute schon Fernseher, Handtücher oder Haartrockner. Der Kabelsalat kann dann endgültig zu Hause bleiben.

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