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Mobile Internet Device: Ein kleiner Laptop oder ein großes Handy?

Leistungsfähigkeit der Hardware nähert sich immer weiter an
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Mobile Internet Devices, kurz MIDs, sind eines der Trendthemen des Mobile World Congress in Barcelona. Diese Gerätegeneration wird die letzte Lücke zwischen den Netbooks und den Smartphones schließen. Anfangs vor allem von Intel als quasi verkleinerter Laptop oder Netbook promoted, drängen nun auch die Handy-Hersteller in diesen Markt. Für sie ist ein MID ein vergrößertes und auf Online-Nutzung optimiertes Smartphone - die Telefonfunktion kann dabei entfallen.

Pankaj Kedia, bei Intel zuständig für MIDs, verweist in einem Gespräch mit teltarif.de auf die jahrzehntelange Erfahrung von Intel mit x86-Chips. Die heutigen Webseiten seien auf die Darstellung auf Laptops und PCs unter Windows optimiert. Wechselt man auf Linux, funktionieren schon ein paar Sites nicht mehr. Greift man vom Handy aus auf das Internet zu, würden hunderte von Sites nicht oder falsch angezeigt.

OQO2+ Dem hält Ph.D. Seshu Madhavapeddy von Texas Instruments entgegen, dass die Handy-Chips viel energieeffizienter seien. Auf Geräten, deren Akku kaum größer als der eines normalen Handys ist, sei stundenlange Videowiedergabe kein Problem. PC-Betriebssysteme und -Anwendungen, die der Nutzer auf einem "Wintel"-basierten MID jederzeit nachinstallieren kann, seien dagegen nicht auf den mobilen Einsatz optimiert. Dem hält Intel wiederum entgegen, dass die Stromaufnahme der für 2010 angekündigten nächsten Chip-Generation "Medfield" im Vergleich zum aktuellen Atom abermals um bis zu Faktor zehn sinken wird.

Software gefragt

Technisch sind die Unterschiede wahrscheinlicher geringer, als es die jeweiligen Protagonisten darstellen. Umid M1
Bild: teltarif.de
Entscheidend für die Nutzer dürfte somit sein, wie gut sich die Geräte bedienen lassen. Wenn man sich an einem herunterskalierten Laptop dauernd darüber ärgern muss, dass Tastatur und Maus fehlen, ist man ebenso unglücklich, wie, wenn man an einem vergrößterten Handy nur die üblichen Handy-Funktionstasten zur Navigation vorfindet.

Der Markt für MIDs wird daher erst dann richtig starten, wenn gute, bedienerfreundliche Betriebssysteme hierfür verfügbar sind. Diesbezüglich hat die Handy-Branche einige Startvorteile: Sie ist es gewohnt, Endgerät und Benutzeroberfläche aufeinander abzustimmen. Und sie sind nicht den Zwängen unterworfen, die sich durch die Kompatibilität zu Uralt-Applikationen ergeben. Sie ist aber auf die Unterstützung der Inhalte-Anbieter angewiesen, ihre Websites nicht nur auf "Wintel" zu optimieren.

Andererseits: Eine für eine Breite von 1024 Pixel oder mehr ausgelegte Website macht auf keinem MID Spaß, egal, ob Handy- oder Laptop-Chips verbaut wurden. Site-Betreiber werden somit auf jeden Fall zunehmend vor der Aufgabe stehen, ihre Sites an unterschiedliche Endgeräte anzupassen. Je mehr MIDs im Markt sind und je mehr Handys zum Surfen verwendet werden, desto wichtiger werden diese Anpassungen. Und dabei werden Website-Erweiterungen, die nur auf einem eingeschränkten Gerätespektrum funktionieren, zunehmend entfernt werden.

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