IPv6

Wunderwelt IPv6: AVM stellt sich dem neuen Internet-Protokoll

FRITZ!Box-Hersteller kündigt experimentelle Firmware für das Modell 7270 an
Von Ole Meiners
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Wenn Sie sich noch an die Umstellung der Postleitzahlen von vier auf fünf Stellen erinnern können, dann haben Sie eine ungefähre Ahnung, was demnächst auf die Internet-Nutzer zukommt. Im Netz werden die IP-Adressen knapp, IPv6 soll den alten Standard IPv4 ablösen. FRITZ!Box-Hersteller AVM will zur CeBIT dem Modell 7270 den kommenden Standard beibringen.

Das Berliner Unternehmen gab bekannt, sein Top-Model, die FRITZ!Box WLAN Fon 7270, mit einem experimentellen Firmware-Update erstmals fit für den neuen IP-Adressen-Standard machen zu wollen. Dabei nutzt AVM einen 6to4-Tunnel, was zunächst nur lokalen Geräten hinter dem Router zu Gute kommt, die selbst bereits mit IPv6 arbeiten und mit Gegenstellen kommunizieren, die ebenfalls den kommenden Standard verstehen. Vorteil ist hierbei, dass die Network Adress Translation (NAT) wegfällt, also das Übersetzen von Datenpaketen von einer öffentlichen IP-Adresse - der des Routers - zur privaten IP-Adresse (z.B. 192.168.178.24) des PCs hinter dem Router, der das eigentliche Ziel darstellt.

Mit IPv6 können mehr Internet-Geräte direkt angesprochen werden

Vereinfacht ausgedrückt fällt mit IPv6 die Notwendigkeit weg, neben der vierstelligen Postleitzahl auch immer das jeweilige Zustellpostamt anzugeben: So, wie die fünfstellige Postleitzahl im Briefverkehr mehr und kleinere Bezirke adressieren kann, sind mit IPv6 auch deutlich mehr Internet-Geräte ohne zusätzliche "Übersetzung" direkt ansprechbar. Statt knapp 4,3 Milliarden theoretischer Adressierungen (Internet Protocol Version 4) ermöglicht IPv6 über 340 Sextillionen (340.282.366.920.938.463.463.374.607.431.768.211.456 = 2 hoch 128) individuelle Adressen - wahrscheinlich auf einige Jahrhunderte ausreichend für unser Sonnensystem. In der Volksrepublik China herrscht bereits ein Mangel an "alten" Adressen.

Den ersten Schritt in diese neue Welt können erfahrene Anwender der FRITZ!Box 7270 in wenigen Tagen unternehmen, wenn AVM auf seiner Labor-Seite die Beta-Firmware veröffentlicht. AVM arbeitet mit dem Internet-Provider freenet zusammen, um die neue Technik unter Praxis-Bedingungen zu evaluieren. Alle modernen Betriebssystem sind zumindest theoretisch IPv6-fähig, in der Anwendung zeigen sich allerdings schnell handfeste Probleme: Apple aktiviert beispielsweise in Mac OS X grundsätzlich IPv6 parallel zum alten Standard, wer aber nicht gleichzeitig mit IPv6-fähigen Routern arbeitet - und das ist am üblichen DSL-Anschluss noch die Regel -, erlebt häufig mannigfaltige Probleme bei Kommunikationsanwendungen nahezu jeder Art.

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