Konkurrenz?

Test: 8-Megapixel Nokia N86 8MP gegen Digital-Spiegelreflexkamera

Nokia N86 8MP besticht bei der Farbtreue und verliert bei der Detailwiedergabe
Von Marc Thorwartl
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Kein anderes Märchen hat sich bei den Kunden in den letzten Jahren so verbreitet, wie das von den Pixeln der Digitalkameras. Auch heute noch setzen viele Käufer eine einfache Gleichung voraus: Je mehr Pixel, desto besser die Bildqualität. Somit wird auch das heute von Nokia auf dem Mobile World Congress in Barcelona vorgestellte N86 8MP mit der 8-Megapixel-Kamera seine Werbewirkung nicht verfehlen. Wie gut die Bildqualität des Handys wirklich ist, zeigt der teltarif.de-Vergleich mit einem Referenzfoto einer Spiegelreflexkamera.

Made in Germany

Nokia N86 8MP

Motiv mit der Nikon D200...
Bild: teltarif.de
Unterstützung beim Kamerabau hat sich Nokia in Form der Carl Zeiss AG geholt. Wie bereits bei einigen Vorgängermodellen, hat das Traditionsunternehmen aus Oberkochen sein geballtes Linsenwissen mit eingebracht. Erste Neuerung: Es wird nicht mehr eine feste Blende verwendet, sondern die Lichtöffnung lässt sich in drei Stufen regulieren. "Dies erfolgt automatisch", erklärte Dipl.-Ing. Helmut Heier, Vertriebs-, Marketing- und Serviceleiter Geschäftsbereich Photoobjektkive bei Zeiss. Dadurch wird der verwertbare Lichtbereich größer, was dann wirklich mit einer besseren Bildqualität gleichzusetzen ist. Des Weiteren finden ein mechanischer Verschluss sowie ein hoch empfindlicher Bildsensor Verwendung, der für den Einsatz bei schwachen Lichtverhältnissen optimiert wurde. Laut Heier ergibt dies "in Summe einen deutlich größeren, nutzbaren Dynamikbereich".

Das N86 8MP soll für Schnappschüsse von sich schnell bewegenden Objekten prädestiniert sein, ebenso für Innenaufnahmen ohne künstliche Lichtzufuhr und für typische Urlaubsfotos mit viel Sonne oder kontrastarmen, grellen Schneelandschaften.

Der Testaufbau

... und mit dem Nokia N86 8MP
Bild: teltarif.de
teltarif hat getestet: Das Nokia N86 8MP gegen eine Nikon D200 mit Makroobjektiv und Lichtfaktor 1:2,8, eigentlich ein ungleiches Duell, zumal das N86 8MP noch ein Prototyp ist. Bei beiden Testkandidaten wurden dieselben Einstellungen gewählt: Automatischer Weißabgleich, Autofokus, Aufnahmeautomatik und höchste JPEG-Auflösung. Geknipst wurde am Nokia-Stand auf dem MWC. Neben schräg einfallendem Sonnenlicht , sowie Halogen- und Neonlampen an der Decke, gab es viele Schlagschatten diverser Beleuchtungskörper benachbarter Messestände. Beide Aufnahmen wurden aus nahezu identischer Position vorgenommen.

Das Ergebnis: Hui im Gesamteindruck, Pfui im Detail

Ausschnitt (Maßstab 1:1) aus dem Bild der Nikon D200: Auch feine Details sind erkennbar. Selbstverständlich war das N86 8MP in den Bereichen Tiefenschärfe und Kontrast der Digitalkamera unterlegen. Dafür bestach es durch seine Farbbrillanz. Vor allem beim Grünton des Kissens kam es der Originalfarbe erstaunlich nahe.

Massive Unterschiede zeigen sich aber bei den beiden Detailvergrößerungen, die wir ebenfalls angefertigt haben: Im Bild der Nikon sind die auf der Coladose aufgedruckten Nährwertinformationen problemlos lesbar, beim Nokia-Schnappschuss kann man hingegen allenfalls erahnen, wie viel Kohlenhydrate oder Proteine in einer Dose stecken. Große Textteile verschwimmen zu einer grauen Fläche. Die effektive Auflösung liegt damit deutlich unterhalb der 8 Megapixel des Sensors. Erst dann, wenn man in beiden Richtungen auf etwa 50 Prozent skaliert, entsprechend etwa 2 Megapixel oder weniger, wird das Bild der Handykamera wirklich scharf. Für viele Zwecke reicht das aber: Selbst Displays mit FullHD-Auflösung kommen nur auf knapp über 2 Megapixel.

Fazit

Ausschnitt (Maßstab 1:1) aus dem Bild des Nokia N86 8MP: Der Weichzeichner des Rauschfilters hat große Teile des aufgedruckten Textes zerstört. Die Entscheidung, sich bei der Kamera einen kompetenten Partner ins Boot zu holen, hat sich für Nokia gelohnt. Die Farben des Bildes sind stimmig, ebenso wird für die Nutzung am Bildschirm eine ausreichende Auflösung geboten.

Die 8 Megapixel des Sensors kommen aber nicht wirklich in der Bilddatei an. Für die Darstellung am Bildschirm oder einen Ausdruck bis etwa zur Größe DIN A4 ist das kein Problem. Bei noch größeren Ausdrucken oder Detailvergrößerungen merkt man aber den Unterschied zur Spiegelreflexkamera deutlich. Dasselbe gilt übrigens für viele Kompaktkameras, die ebenfalls zunehmend mit Megapixeln prahlen.

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