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Ericsson: Schneller für die Städte, sparsamer fürs Land

Demonstration von HSPA mit 42 MBit/s
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Der Infrastrukturausrüster Ericsson erweitert seine Technologie an vielen Fronten: Höhere Bitraten für HSPA, geringere Stromaufnahmen und Versorgung mit Solar- und Windkraft für GSM-Basisstationen, ein einheitliches Core-Netzwerk und schließlich Software für ein besseres Multimedia-Erlebnis des Nutzers auf seinen Endgeräten.

Ziel ist, den Telekommunikationsunternehmen jeweils die optimale Ausrüstung für die Bedürfnisse ihrer Kunden bereitzustellen. Und die unterscheiden sich drastisch: Ein Schafhirte in Kenia ist schon glücklich, wenn er per Handy-Anruf herausfinden kann, welcher Preis im lokalen Markt gerade für Schaffleisch bezahlt wird, so dass er beurteilen kann, ob es sich für ihn lohnt, seine Herde dorthin zu treiben. Weitere wichtige Möglichkeiten sind, sich über Weidemöglichkeiten für die Herden auszutauschen oder einen Arzt zu rufen. Fehlende Stromnetze machen aber die Versorgung der hierfür notwendigen Basisstationen kompliziert; Ericsson setzt hier auf eine Kombination aus Wind- und Solarenergie.

HSPA mit bis zu 42 MBit/s im Downstream

Nutzer in entwickelten Ländern können sich hingegen über immer höhere Datenraten freuen. Ericsson demonstriert auf dem Mobile World Congress HSPA mit 42 MBit/s im Downstream. Diese hohe Bitrate wird durch die Bündelung von zwei UMTS-Frequenzbändern erreicht. Ericsson-Präsident und CEO Carl-Henric Svanberg auf dem Mobile World Congress Erstes Endgerät wird ein Router sein, den Nutzer ähnlich wie einen DSL-Router in ihrem Haus nutzen können; nur benötigen sie für diesen keinen Festnetzanschluss mehr, sondern lediglich eine Stromversorgung.

Mittels MIMO, welches mehrere Antennen verwendet, erreicht Ericsson gar 28 MBit/s auf nur einem UMTS-Träger. Diese Technologie wird zusammen mit Vodafone vorgeführt.

Ericsson erwartet, dass HSPA in den kommenden Jahren die mit Abstand führende mobile Breitbandtechnologie bleiben wird. 2013 wird der Marktanteil den Prognosen zufolge bei fast 75 Prozent liegen. Für Konkurrenten wie CDMA/EV-DO oder WiMAX bleiben damit nur kleinere Anteile. Auch der HSPA-Nachfolger LTE wird bis 2013 nur einen kleinen Anteil am Gesamtmarkt erobern können. Ericsson erwartet, dass in Zukunft die Zahl der Breitbandnutzer in den Mobilnetzen viel schneller steigen wird als in den Festnetzen. Um die Netze nicht mit File-Sharing zu verstopfen, empfiehlt Ericsson den Einsatz von Traffic Shaping, welches die verfügbare Bandbreite gemäß den Vorgaben des Netzbetreibers verteilt.

Den immer höheren Datenraten von UMTS & Co. zum Trotz verkauft sich auch GSM immer besser. Ericsson hatte letztes Jahr ein Allzeithoch bei der Auslieferung von GSM-Ausrüstung. Der jüngst erreichte Meilenstein von 4 Milliarden Mobilfunkanschlüssen basiert hauptsächlich auf GSM.

Arbeit im Kernnetz

Aber nicht nur die Basisstationen werden sparsamer (in den sich entwickelnden Ländern) oder schneller (in den entwickelten Ländern), sondern auch das Kernnetz ändert sich. Insbesondere wird zunehmend All-IP-Technologie eingesetzt, die Sprache und Daten auf einem Netz überträgt.

Neue Software soll die Integration von Diensten erhöhen. So können Endkunden die "Connected Home Gateway Software" auf ihrem PC installieren, um von unterwegs auf die Bildersammlung auf ihrem PC und andere Dateien zuzugreifen. Zusammen mit Telefónica wird bald ein Versuch mit "reichen" Kommunikationsdiensten anlaufen. Eine der nützlichsten Funktionen wird sein, dass man den Status seiner Kontakte sehen kann, wie "bin gerade im Meeting", "schlafe schon" oder "freue mich über einen Anruf". Bei Instant-Messaging-Diensten ist das schon seit langem üblich; der Mobilfunk zieht nun nach.

Solides Geschäft

Carl-Henric Svanberg, Präsident und CEO, verwies mit Stolz auf das Wachstum der letzten Jahre. So sind die Umsätze von 2003 bis 2008 jährlich im Schnitt im 12 Prozent gestiegen. Das Wachstum kommt dabei vor allem von den Verkäufen nach Lateinamerika, Nordamerika und Asien.

Insbesondere im amerikanischen Raum bestehen auch gewisse Gefahren für Ericsson durch die Wirtschaftskrise. Insgesamt sieht Svanberg die Telekommunikationsindustrie aber gut gegen die Krise gewappnet: Anders als die letzte Krise, die durch das Platzen der Internetblase ausgelöst wurde, sind die meisten Unternehemn derzeit gut aufgestellt.

Ericsson hat dennoch ein Sparprogramm aufgelegt, welches auch den Abbau von Arbeitsplätzen vorsieht: Die einfachere All-IP-Technologie benötigt auch weniger Mitarbeiter in der Entwicklung und im Support.

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Artikel aus dem Themenmonat "Handy & Co."

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