Wandel

Von freenet zu debitel-mobilcom: Hintergründe zum Markenumbau

Talkline, klarmobil, dug, ...: Aufräumen im Reich der Markennamen

Zunächst werden die Läden von Talkline, mobilcom und dug erneut umgestaltet. Die Umbau-Teams haben damit bereits Erfahrung: Es ist der dritte Umbau in zwei Jahren. Noch vor nicht allzu langer Zeit waren die letzten debitel-Shops mit dem blauen dug-Logo versehen worden.

Ab April sollen alle knapp 1000 Shops, die zur freenet-AG gehören, auf das "neue" grüne debitel-mobilcom Logo umgestellt werden. Gerade die Partnershops, die von Franchisenehmern betrieben werden und bisher unter "mobilcom", "freenet" oder "dug" unterwegs waren, seien froh, dass es endlich losgeht und hofften, dass danach Ruhe in die Angelegenheit kommt. Auch die Kaufhaus-Ketten Karstadt und Kaufhof ziehen mit. Die neuen debitel-mobilcom-Shops werden an giftig grünen Türrahmen oder Begrenzungsflächen erkennbar sein.

Das Verschwinden der blauen Shop-Marke dug (ursprünglich für "Dietrich und Grella") sei das kleinste Problem, da "dieser Markenname draußen nie richtig bekannt" war, die Steuerung der debitel-mobilcom-Shops verbleibt in Oberkrämer bei Berlin, der "Keimzelle" der dug.

Dort, wo sich hauseigene freenet- oder dug-Shops zu nahe kommen würden (sprich weniger als 50 Meter), wurden einzelne Shops an einen Mitbewerber verkauft, insgesamt 80 an der Zahl. Wer der Käufer ist, verrät debitel-mobilcom nicht, immerhin aber soviel: 44 dug-Geschäfte und 36 Freenet-Läden seien betroffen, darunter sieben Partner-Shops. Das Verhältnis eigene Filialen zu Partnershops beträgt 70 zu 30, die Partner unterschreiben einen Franchise-Vertrag und bekommen Werbemittel und den Laden ausgestattet, arbeiten aber sonst auf eigene Rechnung. Mancher ehemalige Shopmanager ist heute selbstständiger Franchisenehmer.

Ob die "neue" Marke debitel-mobilcom das letzte Wort ist oder die Zeit nur genutzt wird, um zu analysieren, welcher Name am Ende übrig bleiben wird, scheint noch nicht ganz ausgemacht. Eher scherzhaft deuteten die freenet-Vertreter an, dass "in rund 18 Monaten" die Umbau-Teams wieder "neue Aufträge" bräuchten. Bei einigen Shops waren die Schilder schon mit Aufklebern versehen worden, da schon absehbar war, dass sich der Name bald wieder ändern wird.

Die neue Marke debitel-mobilcom will künftig eine selektive Preisführerschaft einschlagen, der billigste Anbieter werde man nicht sein, eher ein "Vollsortimenter". Das ist auch in punkto Festnetz der Fall. So kann der Kunde zwischen Festnetz-/DSL-Angeboten von T-Home, Vodafone (Arcor), Alice (Hansenet) oder freenet wählen.

Martin Witt wird neuer Bereichsleiter Handel

Martin Witt: Neuer
Bereichsleiter Vertrieb Handel
Neuer "Bereichsleiter Vertrieb Handel" der freenet AG wurde Martin Witt. Der studierte Physiker holte einst im Geschäftskundenvertrieb von T-Mobile den Weltkonzern Microsoft auf den deutschen Mobilfunkmarkt und stellte mit dem MDA die Weichen für die Einführung von Windows Mobile im Handysektor. Das wurde anfangs belächelt, heute ist Windows Mobile bei professionellen Anwendern kaum wegzudenken. 2005 ging Witt zur debitel AG, wo er die Sparte "Produkte und Innovationen, Fachhandel" leitete. Bei debitel entwickelte er die Dashboard Software, die das mobile Surfen erleichtern soll.

Seit 2008 ist Witt für den freien Fachhandel zuständig, der großen Wert darauf lege, neben den Produkten der freenet AG auch Angebote anderer Lieferanten verkaufen zu können, weil die Händler sich nicht auf eine Marke oder ein Netz festlegen wollen. Gerade "auf dem flachen Land", wo Flächenmärkte eher selten zu finden sind, schätzten Kunden die gute und individuelle Beratung dieser Geschäfte, die oft auch "weiße Ware" wie Kühlschränke, Waschmaschinen etc. verkaufen.

Witt wird ab Mai 2009 die teilweise "alteingesessenen" Fachhändler mit Schildern, Aufklebern, aber auch Ladenmöbeln ausstatten und Schulungen "vor Ort" anbieten. In drei Monaten sollen 800 Fachhandels-Shops umgestaltet werden, insgesamt werden es 1200 bis 1500 Shops sein. 2200 bis 2500 Vertriebspartner schalten regelmäßig mehr als eine debitel-mobilcom SIM-Karte im Monat.

Größere Händler haben sich zu Verbünden zusammengeschlossen oder beliefern als Distributoren kleinere Händler wie Euronics, Karrasch, Chris Keim Com, Herweck oder KomSa und werden ebenfalls von Witt betreut.

Neben der Einmalprovision bei Abschluss eines Neuvertrages erhalten die debitel-mobilcom-Fachhändler eine so genannte Airtime-Provision, werden also am monatlichen Umsatz eines Kunden mitbeteiligt. Dieses Verfahren wurde in den Anfangszeiten des Mobilfunks gewählt, da der Händler sich so um potenzielle Vielnutzer kümmert und diese direkt betreut, weil beratungsintensive Kunden eher ins Geschäft gehen, als eine Hotline anzurufen.

Hochkonjunktur für Schulungen

Der stetige Wandel erfordert jede Menge Schulungen. Das Personal der hauseigenen debitel-mobilcom Shops wird dazu in Oberkrämer geschult, der Fachhandel darf seine Leute nach Büdelsdorf schicken, wenn nicht vor Ort geschult wird. Ein neues Internet-Bestellsystem soll den Fachhandel bei Bestellungen künftig besser unterstützen.

Insgesamt hat freenet knapp 19 Millionen Mobilfunk-Kunden unter Vertrag. Kunden, die das Callcenter anrufen, werden weiterhin von den Mitarbeitern in Erfurt (einst Standort von Telepassport) betreut. Die Umstellung der ehemaligen Untermarken auf eine gemeinsame Kundendatenbank dürfte sich bis 2011 hinziehen.

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