Umstellung

Telekom schaltet Anschlüsse ohne Festnetz-Leitung

Anschlüsse auf NGN/All-IP-Basis ohne Call by Call
Von Thorsten Neuhetzki
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Was die Telekom-Tochter Congstar und andere alternative Anbieter schon lange machen, gibt es nun auch bei der Deutschen Telekom: DSL- und Festnetz-Anschlüsse ohne einen echten Festnetzanschluss. Der Anschluss wird auf NGN-Technologie realisiert, telefoniert wird also nicht über die klassische Telefonleitung, sondern das Internet. Das bemerkenswerte dabei: Erstmals schaltet die Deutsche Telekom Anschlüsse für Privatkunden, die ohne einen echten Analog- oder ISDN-Anschluss auskommen. Dem Kunden wird dieser Anschluss gar nicht erst bereitgestellt, lediglich der DSL-Anschluss sowie die Telefonie-Lösung über die Breitbandleitung werden geschaltet.

Kein Call by Call möglich, BNetzA sieht Regulierungsverfügung technikneutral

Brisant: Da es nach Angaben eines Telekom-Sprechers derzeit keine Regulierungsverfügung für die All-IP-Anschlüsse gibt, unterliegen diese nach Darstellung des Unternehmens auch nicht der Regulierung. Daher wird auf diesen Anschlüssen auch kein Call by Call oder Pre-Selection bereitgestellt. Eigentlich ist die Deutsche Telekom als Ex-Monopolist verpflichtet, ihre Anschlüsse für alternative Anbieter zu öffnen. So sieht dies auch die Bundesnetzagentur. Die vorliegende Regulierungsverfügung sei nach Angaben eines Sprechers des Regulierers technikneutral und gelte auch für NGN-Anschlüsse. Zudem habe man, so der Sprecher, bisher offiziell keine Erkenntnis von der Existenz der neuen Tarife. Die Telekom teilte indes gegenüber unserer Redaktion mit, die neuen Tarife und Anschlussformen seien der Bundesnetzagentur mitgeteilt worden. In den kommenden Wochen ist also mit einem intensiveren Kommunikationsverkehr zwischen der BNetzA und dem Ex-Monopolisten zu rechnen.

Weiterer Nachteil für die Kunden mit einem NGN-Anschluss: Sie können keine eigene Hardware an ihrem Anschluss verwenden. Da die Hardware am Anschluss auf das NGN-Netz abgestimmt sein muss. Erst nach den Netzabschlussgeräten kann der Kunde dann eigene Technik verwenden.

Neue Anschlussform bundesweit nur auf Kundennachfrage

Die neue Anschlussform gibt es nach Angaben der Deutschen Telekom bundesweit, entsprechende Breitbandversorgung vorausgesetzt. Da es sich allerdings um einen Softlaunch handelt, wird der Anschluss nur auf explizite Nachfrage des Kunden auf NGN-Basis geschaltet. Weder werde der Kunde aktuell im Telekom-Shop auf den Anschluss hingewiesen noch könne er online gebucht werden. Dieses werden vermutlich die nächsten Schritte des Softlaunches sein. Geschaltet wird die neue Anschlussform nur bei den Double-Play-Tarifen, also den Tarifen der Schiene Call&Surf. Preisliche Unterschiede gibt es derzeit nicht. Ein Sprecher der Telekom betonte, dass derzeit keine Umstellung bestehender Kunden auf NGN gedacht sei. Doch irgendwann wird auch das geschehen, da die Telekom plant, ihr Netz bis 2015 auf NGN umzurüsten.

VATM: All-IP kein Grund für Entledigung von Call-by-Call-Verpflichtung

"Unsere Befürchtung hat sich bestätigt, dass der Ex-Monopolist Deutsche Telekom die Umstellung auf All-IP nutzt, um sich klammheimlich der aus Verbrauchersicht so wichtigen Call-by-Call- und Pre-Selection-Verpflichtung zu entledigen", sagt VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner auf Nachfrage von teltarif.de. Das nehme dem Verbraucher deutliche Einsparpotenziale.

Die technische Umstellung auf die zukünftig verwendete IP-Technologie rechtfertige keinesfalls diesen verbraucherfeindlichen Ausschluss durch die Hintertür, so Grützner weiter. Weder aus wirtschaftlicher noch aus technischer Sicht gebe es "irgendeinen Grund" bei einem IP-Telefonanschluss, die vom deutschen Gesetzgeber und der EU ausdrücklich vorgesehene Betreibervorauswahl einzuschränken. "Gerade mit Blick auf die technische Aufrüstung der Netze ist die Bundesnetzagentur daher dringend aufgefordert, hier nun schnell im Sinne der Verbraucher und des Wettbewerbs zu handeln und die Verpflichtung zur Betreiberauswahl und Betreibervorauswahl auch beim Einsatz neuer Technologien aufrechtzuerhalten und durchzusetzen", fordert Grützner gegenüber unserer Redaktion.

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