Next Generation

Analog, digital, universal: Das Festnetz der Zukunft

Analoganschlüsse sind weiterhin beliebt, aber NGN kommt
Von Marie-Anne Winter
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Als Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Telefonnetze in deutschen Großstädten eingerichtet wurden, dachte noch niemand an weltumspannende Datennetze, mit denen nicht nur Sprache, sondern auch Bilder, Texte, Videos und Musik rund um den Globus gesendet und empfangen werden können. Doch schon damals erkannten viele Menschen den Nutzen der Telekommunikation und wollten daran teilhaben: Innerhalb weniger Jahre wurden Ortsnetze in Metropolen wie Berlin, Breslau, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln oder München aufgebaut und diese auch untereinander verbunden. Schon vor dem Jahr 1900 konnte man von Berlin aus Ferngespräche nach Hannover, Hamburg, Dresden, Breslau, Frankfurt am Main und Königsberg führen. Ein ähnlich rasanter Ausbau fand zeitgleich auch in anderen Ländern statt und bald wurde die Telefonie international: Im Sommer 1900 wurde die erste Telefonleitung zwischen Berlin und Paris freigeschaltet. Die Gespräche wurden damals von Hand vermittelt - man meldete sich mit einem Rufschalter in der Vermittlungsstelle an und teilte dem Fräulein vom Amt mit, wen man zu sprechen wünschte. Historische Vermittlungsstelle

Dieses Verfahren war allerdings langsam, fehleranfällig und benötigte viel Personal. Daher gab es sehr früh schon Bemühungen, Selbstwählvermittlungen einzurichten. Der heute noch gebräuchliche Nummernschalter zum Wählen von Verbindungen wurde 1913 von Siemens & Halske zum Patent angemeldet. Mit einer Wählscheibe ("Fingerlochscheibe") am Telefonapparat werden je nach der gewählten Ziffer kurze Unterbrechungen (Impulse) der a-Ader des jeweiligen Telefonanschlusses erzeugt - daher auch die Bezeichnung Impulswahlverfahren (IWV). Die Vermittlungsstelle schließt von der Anzahl der Impulse auf die gewählte Ziffer und stellt dann über so genannte Heb-Dreh-Wähler die entsprechende Verbindung her. Die dazu benötigte Mechanik wurde mit der Zeit immer weiter verbessert, allerdings füllten die Wähler mit zunehmender Verbreitung von Telefonanschlüssen ganze Hallen, in denen es bei Betrieb auch ziemlich laut war. Mittlerweise wurde dieses elektromechanische Verfahren vom Ton- bzw. Mehrfrequenzwahlverfahren (MFV) abgelöst.

Das Tonwahlverfahren ist heute die bei der analogen Telefontechnik gebräuchliche Wähltechnik. Es kam mit den Tastentelefonen auf, die seit Mitte der 1970iger Jahre auf den Markt erhältlich sind. Hierbei wird für jede Ziffer eine Kennung aus zwei Frequenzen übertragen. Die Vermittlungsstelle erkennt anhand der herausgefilterten Frequenzen die gewünschte Ziffer oder Funktion. Das MFV erlaubt einen schnelleren Verbindungsaufbau und den Austausch von Signalen zwischen den Endgeräten. In Deutschland wurden in den 1990er Jahren die öffentlichen analogen Vermittlungsstellen durch digitale Anlagen ersetzt. Diese unterstützen allerdings weiterhin beide Wahlverfahren.

Die Idee von einem Netz für alle Dienste

Der nächste große Schritt war die Einführung von ISDN (Integrated Services Digital Network). Diese wurde 1979 von der Deutsche Bundespost beschlossen, um die bis dahin verteilten Dienste von Telefonie, Fax, Fernschreiber und anderen Datenübertragungen auf ein einziges Netz zu bringen. Man sieht also, dass die Idee von einem Netz für alle Dienste schon älter ist - auch wenn man damals noch nicht von einer Konvergenz mobiler und festnetzgebundener Dienste gedacht hat. Der erstaunliche Siegeszug des Mobilfunks stand erst noch bevor.

Es erfolgte eine relativ lange Planungsphase von 1980 bis 1987, in der die Einführung von ISDN Anhand von Richtlinien und Empfehlungen des damaligen Comité Consultatif International Télégraphique et Téléphonique (CCITT, heute ITU, International Telecommunication Union oder auf deutsch Internationale Fernmeldeunion) vorbereitet wurde. 1987 startete in Deutschland das erste ISDN-Pilotprojekt in Mannheim und Stuttgart, zwei Jahre später wurde ISDN bundesweit eingeführt und steht seit 1993 flächendeckend zur Verfügung. Im gleichen Jahr verständigten 26 Unterzeichner, darunter die Deutsche Telekom, auf ein "Memorandum of Understanding on the Implementation of a European ISDN". Damit einigte man sich auf die Einführung des heute als Euro-ISDN (E-DSS1) bekannten Systems als europäischen Standard. Einen Überblick über die aktuelle Situation im deutschen Festnetz finden Sie auf der nächsten Seite.

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