Wettbewerb

Editorial: Netbooks und Mini-PC konkurrieren mit Handys

Erfolgsgeheimnis sind günstige Preise und ordentliche Leistung

Mini-PC, Ultra Mobile PC (UMPC), mobiles Internetterminal (MID) und das Netbook prägten das Bild auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas/USA, die vor einer Woche zu Ende ging. Die kleinen Alleskönner und allerlei neue Geräte waren nicht nur an vielen Ständen zu sehen, auch viele Besucher und Journalisten sparten Gewicht und tauschten (erstmals) ihr Laptop durch ein Netbook. Getrieben wird die neue Gerätekategorie vor allem von einigen großen Markteilnehmern, wie Intel und Microsoft sowie Asus und MSI Wind, die bei den kleinen und leichten Geräten weniger an jedem einzelnen verkauften Produkt, als über große Absatzstückzahlen verdienen wollen. In der Folge sind die Geräte relativ günstig: Ein ordentlich ausgestattetes Netbook ist für rund um 350 Euro zu haben, die MIDs sind für maximal 500 US-Dollar, also etwa den gleichen Preis, angekündigt.

Die Netzbetreiber hierzulande folgen diesem Trend und verkaufen nun auch Netbooks, ebenso wie schon immer Handys. Genauso wie auch bei den Handys gibt es auch bei Netbooks den vermeintlichen Verkaufsschlager "ab 1 Euro" - also die Hardware mit hoher Subvention, wenn man bereit ist, zusätzlich noch einen zweijährigen Datenvertrag abzuschließen, der allerdings meist mit hohen monatlichen Grundpreisen verbunden ist.

"Powered by Intel Atom" drängt verstärkt in die mobile Welt

Dieser neue Markt lebt vor allem von den Anstrengungen von Intel, die mit dem Atom-Prozessor eine eigene Prozessorfamilie für mobile Endgeräte und Netbooks aufgebaut haben und hier nicht nur Einiges an Entwicklerenergie hineinstecken, sondern auch fleißig Marketing dafür machen. Ebenso profitiert der Markt von der Lizenzpolitik von Microsoft, die ihr fast zehn Jahre altes Desktop-Betriebssystem Windows XP nach Verlautbarungen verschiedener Branchenexperten für wenige Dollar lizenzieren. Dieses Modell ist freilich mit bestimmten Restriktionen versehen, die Grenzen sind aber großzügig genug, um damit ein Netbook oder MID mit sinnvollem Programm- und Leistungsumfang zu verkaufen.

Daneben zieht dieser Markt nun immer mehr Hardware- und Softwareentwickler an, häufig aus der klassischen PC-Branche, etwas passendes für die neuen mobilen Internetterminals zu entwickeln. Die Reihe der Unternehmen reicht hier von VIA mit neuen Prozessoren über Unternehmen wie Toshiba und Sandisk, die immer kleinere und stromsparendere, aber auch immer größere SSD-Festplatten entwickeln, bis hin zur großen Linux-Community, die spezielle Kernel-Versionen für das Netbook und MID schreiben und veröffentlichen. Ebenso mischt hier auch Google mit, dessen Betriebssystem Android vor kurzem erstmals auf einem Netbook, dem EeePC von Asus, installiert wurde.

Ähnliche Entwicklungen wie oben beschrieben beim Netbook können wir in den kommenden Monaten auch bei den noch kleineren Geräten, MID und UMPC, erwarten. Zahlreiche asiatische Hersteller, deren Namen man in Europa und in USA bislang noch nicht kannte, bekamen beispielsweise von Intel und/oder Microsoft in Las Vegas an deren Messeständen eine große Bühne, um ihre neuen Produkte zu zeigen. Gerade im Bereich der MIDs konnten hier einige Geräte überzeugen, die über einen sehr interessanten Ausstattungsumfang verfügen und schon als Prototypen mit sauberer Verarbeitung und stabiler Software überzeugen konnten.

Große Handyhersteller bislang ohne Antwort

Die großen drei oder vier Hersteller von Handys, also Nokia, Samsung, Sony Ericsson und LG, sind bislang eine echte Antwort noch schuldig. Keiner von ihnen hat die CES oder eine der Veranstaltungen zuvor genutzt und eine wirkliche Antwort auf die neue Gerätekategorie kleiner, leichter und vor allem günstiger Internetterminals gegeben. Viele der hier bisher verkauften Geräte, etwa der Nokia Communicator E90 oder die klassischen Blackberry-Geräte mit QWERTZ-Tastatur, sind entweder schon seit längerem unverändert auf dem Markt oder schlicht zu teuer, als dass diese die neue Konkurrenz nicht fürchten müssten.

Doch nicht nur von Seiten der UMPC oder MID kommt Druck auf die Handyhersteller. So plant Asus in der Eee-Produktreihe nun auch ein erstes Telefon, das nicht nur "dreifach einfach" sein soll, sondern auch mit einem attraktiven Preis-/Leistungsverhältnis auf den Markt kommen soll. Insofern bleibt es nicht nur, aber besonders in den kommenden Wochen spannend: Mitte Februar trifft sich die Handy-Branche in Barcelona zum Mobile World Congress, wenige Wochen später findet in Hannover die weltgrößte Computermesse CeBIT statt. Beide Veranstaltungen werden traditionell nicht nur von den Ausstellern zu zahlreichen Neuvorstellungen genutzt. Von beiden Veranstaltungen berichtet teltarif.de mit vielen Redakteuren live vor Ort.

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