unerwartet

Editorial: Totgesagte leben länger

CES in Las Vegas stark wie eh und je

In Zeiten der multimedialen Kommunikation (Text, Bild, Video, Sprache etc. pp.) über das Internet erscheinen Messen wie ein Anachronismus aus dem letzten Jahrhundert. Sie verschlingen ungeheure Kosten für Hallenmiete, Standbau, Personal, Reisekosten und Übernachtung. Dennoch bekommt man als Kunde auf der Messe häufiger schlechtere Informationen, als auf der Homepage des Anbieters verfügbar sind.

Auf der alljährlich kurz nach Jahresbeginn stattfindenden Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas/USA lastet dieses Jahr nicht nur dieses allgemeine Messe-Problem, sondern sie hat auch mit weiteren widrigen Umständen zu kämpfen, insbesondere der schweren Wirtschaftskrise in den USA und dem Wegfall von Bill Gates als Keynote-Redner. Schließlich wird das Produktspektrum immer unübersichtlicher, mit dem Ergebnis, dass es kaum eine Messeneuheit gibt, bei der man sich nicht fragen kann: "Hatten wir das nicht schon einmal so ähnlich?"

Und so gab es etliche düstere Prophezeiungen für die CES bezüglich zu erwartendem Aussteller- und Besucherschwund. Doch diese scheinen sich nicht zu bewahrheiten: Die Messehallen sind voll wie eh und je, auch die Größe der vermieteten Fläche ist kaum verändert. Kurzfristige Absagen scheint es - zumindest in nennenswerter Zahl - nicht gegeben zu haben. Ein möglicher Grund für diesen positiven Trend ist sicherlich auch die Bedeutung und der Raum, den das Thema "Blogging" bei der Veranstaltung gewährt bekommt. So werden Blogger gleichberechtigt zu Journalisten akkreditiert, sie erhalten ebenso in alle Veranstaltungen Einlass und es gibt auch für sie spezielle Räume, in denen live von der CES gebloggt werden kann. So kann dort ein ganz starkes Networking innerhalb der Szene entstehen, dass auch für die Unternehmen und Aussteller der Messe eine große Strahlkraft und Multiplikatorfunktion besitzt.

Dennoch gibt es negative Trends, die den großen Messebetreibern bereits zu schaffen machen, und die sich künftig noch verstärken dürfen. Einer davon ist, dass die Unternehmen offensichtlich immer weniger bereit sind, mit einem Messeteam von Messe zu Messe zu ziehen, um bei allen wichtigen Veranstaltungen präsent zu sein. Prominentestes Opfer dieser veränderten Messestrategie ist die Systems in München, die letztes Jahr zum letzten Mal stattfand. Die CeBIT in Hannover, weiterhin die größte IT-Messe der Welt, leidet darunter, dass die Handy-Hersteller sich viel lieber auf dem etwas früher stattfindenen Mobile World Congress in Barcelona präsentieren. Selbst IFA und CeBIT, die fast ein halbes Jahr voneinander getrennt sind, geraten zunehmend in Konkurrenz zueinander.

Alles schon mal gesehen?

Aber zurück zu dem Gefühl, alles schon einmal irgendwie ähnlich gesehen zu haben. Netbooks und sogenannte Mobile Internet Devices (MID) - eines der großen Themen der letzten und dieser CES - gab es bereits um die Jahrtausendwende, sogar unter genau diesem Namen. Nur konnte sich der Hersteller Psion mit seinen Netbooks damals nicht durchsetzen. Das liegt zum Teil sicher daran, dass die Elektronik damals noch nicht so leistungsfähig wie heute war und das mobile Internet noch in den Kinderschuhen steckte. Vor allem aber war der Markt damals noch nicht reif genug; en vogue waren Organizer wie die Palm-Geräte zur Termin- und Kontaktverwaltung mit Stifteingabe und nicht Internetterminals.

Später verpasste Palm den Trend zur mobilen Datenkommunikation und verlor praktisch alle Marktanteile an den Blackberry von RIM und andere Smartphones. Ausgerechnet Palm meldet sich nun mit einem Paukenschlag zurück, dem Palm pre, dem neben der pünktlichen Fertigstellung der Beta von Windows 7 wahrscheinlich wichtigsten Neuheit der aktuellen CES.

Der Palm pre wiederum lehnt sich an dem bekannten iPhone von Apple an und wird sich auch an diesem messen lassen müssen. Und so erobern die innovativen Ideen von Apple für ein überzeugendes Bedienkonzept für Smartphones nach und nach den Handymarkt.

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