Vertrauen entzogen

debitel-Betriebsräte entziehen freenet-Vorstand das Vertrauen

Grund dafür ist der geplante Abbau von 1 000 Arbeitsplätzen
Von Marc Kessler mit Material von dpa

Die Konflikte beim Telekommunikations-Dienstleister freenet spitzen sich weiter zu. Die Betriebsratsgremien der von freenet übernommenen debitel-Gruppe in Stuttgart und Ettlingen haben heute dem Vorstandsvorsitzenden Eckhard Spoerr und Aufsichtsratschef Helmut Thoma in einem offenen Brief das Vertrauen entzogen.

Hintergrund ist der geplante Abbau von 1 000 der 7 700 Arbeitsplätze in der Gruppe. Es entstehe der Eindruck, dass Standortentscheidungen rein kostenbasiert getroffen würden und wichtiges Know-how vernichtet werde, heißt es in dem Schreiben, das von den Betriebsratsvorsitzenden der Standorte unterzeichnet ist. Es sei unübersehbar, dass insbesondere die Verlagerung der Informationstechnik in die freenet-Zentrale im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf äußerst riskant sei. Es sei zweifelhaft, dass Millionen von Kunden auf die Informationssysteme übertragen werden könnten.

Die Arbeitnehmervertreter sprechen in ihrem Schreiben auch eine Reihe von weiteren Problemen bei freenet an, so den bislang erfolglosen Versuch, die DSL-Sparte zu verkaufen. Es sei nicht nachvollziehbar, ob es überhaupt Bieter dafür gebe, nachdem der zuerst gesetzte Verkaufstermin im November verfehlt worden sei. Weder Kunden noch Aktionäre noch Mitarbeiter brächten Spoerr gegenwärtig das Vertrauen entgegen, das Unternehmen in den nächsten Jahren erfolgreich zu führen, heißt es in dem Schreiben.

freenet-Chef Eckhard Spoerr und der Aufsichtsratsvorsitzende Helmut Thoma sehen sich derzeit nicht nur innerhalb des Unternehmens mit Kritik konfrontiert. Großaktionäre von freenet planen derzeit offenbar bereits die Absetzung von beiden.