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Wortkarg: Mobilfunkanbieter und das Reizthema "Kündigung"

Wer seinen Handy-Vertrag richtig kündigen will, muss teilweise lange suchen
Von Mario Gongolsky
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Man sollte meinen, dass in der bunten kundenorientierten Webwelt der Mobilfunkanbieter dem Besucher jeder Wunsch von der rechten Maustaste abgelesen wird. Das stimmt, mit Ausnahme einer Reizvokabel: Das Wort "Kündigung" ist bis in die Grenzen des rechtlich Machbaren aus dem Wortschatz der Branche verschwunden. Für Mobilfunkkunden, die ihren laufenden Handy-Vertrag beenden wollen, ist es so schwer, auf eigene Faust die notwendigen Informationen zum richtigen Kündigen auf den Websites der Anbieter zu sammeln. Wer aber seinen Vertrag nicht richtig kündigt, bleibt unter Umständen ungewollt ein weiteres Jahr an einen teuren oder unpassenden Handy-Tarif gebunden.

"Bleiben Sie uns treu"

Mobilfunkkundin Magentafarben strahlt die Webseite von T-Mobile die Kunden an. Die rechte Außenbanderole verweist auf die häufigsten Suchbegriffe: "Seniorenhandys", "iPhone", "Handy ohne Vertrag". Dass die Mehrheit der Webseitenbesucher nicht auf der Suche nach Kündigungsmöglichkeiten des eigenen laufenden Vertrags ist, mag man wohl glauben. Für T-müde Kunden bietet sich das Stichwort "So funktioniert" und dann "T-Mobile Vertrag" geradezu an. Die "Vertragsverlängerung" ist zwar das genaue Gegenteil des Gesuchten und doch der beste Treffer. Verirrte Kunden begrüßt der Anbieter mit den Worten: "Bleiben Sie uns treu". Und wenn nicht? Dann ist mit der Anzeige der Allgemeinen Geschäftsbedingungen den gesetzlichen Verpflichtungen Rechnung getragen, heißt es bei T-Mobile.

Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) prognostiziert für 2008 mehr als 100 Millionen Mobilfunkverträge in Deutschland. Verbandsgeschäftsführer Jürgen Grützner sieht dabei das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht: "Der Trend geht zur Zweitkarte. Ein Anbieter hat günstige Auslandstarife, ein anderer verlockende Datentarife." Wie viele SIM-Karten ungenutzt in der Schublade liegen, vermag auch Grützner nicht zu beziffern.

Auch Vodafone realisiert sein Webportal unter konsequenter Vermeidung der Vokabel "Kündigung". Vodafones eigene Webseitensuche verweist zum Thema "Kündigung" in das Antwortcenter "Rechnung & Vertrag". Dort finden sich wenig blumige Auskünfte auf die Frage, welche Angaben ein Kündigungsschreiben enthalten muss: "Mobilfunknummer, Name, Anschrift, Kündigungswunsch und Unterschrift"; Ende der Durchsage. Selbst Vodafone-Sprecher Thorsten Höpken fand das Sammeln der erforderlichen Informationen zum Thema Kündigung umständlich und rät, die kostenlose Kundenhotline anzurufen: "Wir sind sehr darauf bedacht, dass die Kunden telefonisch individuell informiert werden. Fragen zu Laufzeit und Kündigung müssen korrekt beantwortet werden", erklärt er.

"Schön, dass Sie wechseln wollen!"

E-Plus frisst beim Thema "Kündigung" Kreide: "Falls Sie also Fragen zu Ihrem Mobilfunkvertrag haben, würden wir diese gerne mit Ihnen persönlich besprechen", heißt es im Kundenportal "Mein E-Plus". Die E-Plus-Webseiten-Suchmaschine liefert zum Thema "kündigen" auch einen Treffer. Natürlich kann man sich bei E-Plus vorstellen, dass ein Mobilfunkkunde kündigen möchte. Vor allem seinen bisherigen Anbieter: "So leicht wechseln Sie zu E-Plus".

Auf der zweiten Seite dieses Artikels: Was findet die Suchmaschine Google zum Thema "Kündigung". Und: Die Kündigungsmodalitäten der Netzbetreiber auf einen Blick.

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