Nettops

Nettops: Die günstigen Schreibtischrechner werden noch besser

Geräte sind für Schreibtischeinsatz und als Zweitrechner gedacht
Von Sebastian Friedrich
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Weniger ist manchmal mehr. Als Asus den ersten EeePC vor ungefähr einem Jahr in Deutschland auf den Markt brachte, war der Technikzwerg bei einschlägigen Elektromärkten und Online-Versandhändlern innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Mit der Vorstellung der völlig neuen Geräteklasse hatte Asus den Zahn der Zeit getroffen. Klein, günstig und nur das nötigste an Bord – das Netbook war geboren. Naheliegend, diesen Trend auch auf den Desktop-PC zu übertragen. Mit Nettops soll der Siegeszug der günstigen Computer fortgeführt werden. Die Chancen stehen dabei nicht schlecht, eine ähnliche Erfolgsgeschichte zu schreiben wie EeePC und Konsorten. Denn neben dem günstigen Preis punkten die Nettops vor allem auch mit geringem Stromverbrauch.

Leistungsfähigkeit ist mit der eines normalen PCs nicht vergleichbar

MSI WIND PC 2713 In Nettops kommt ähnliche Technik zum Einsatz wie in den meisten Netbooks. Dabei handelt es sich um den stromsparenden Intel-Atom-Prozessor N270, mit 1,6 GHz, FSB 533 sowie einem Intel-945GSE-Chipsatz mit integrierter Grafik. Platz finden die Komponenten auf einem Mainboard im Mini-ITX-Format auf gerade mal 17 mal 17 Zentimeter. Das wirkt sich merklich auf die Gehäusegröße aus: Nettops sind in ihren Dimensionen eher vergleichbar mit einer externen Festplatte als mit einem normalen Computergehäuse. Das trifft auch auf den Stromverbrauch zu: Zwischen 20 und 24 Watt verbrauchen die Nettops unter Volllast, das würde bei einem Strompreis von 17 Cent je Kilowattstunde, 24 Stunden Dauerbetrieb an 365 Tagen im Jahr knapp 35 Euro Stromkosten verursachen. Asus Eee Box B202

Hardware-Boliden mit einem Verbrauch von 300 bis 400 Watt würden bei selben Nutzungsverhalten mehrere hundert Euro verschlingen. Aber: Aufgabenbereiche und Leistungsfähigkeit sind mit denen eines normalen PCs natürlich nicht vergleichbar. Nettops sind klar für den Schreibtischeinsatz und als Zweitrechner gedacht. Bei Office-Anwendungen, Internet und E-Mail fühlen sich die Technikzwerge am wohlsten, besonders angenehm ist dabei der flüsterleise Betrieb. Aktuelle Computerspiele oder das Abspielen von HD-Videos überfordern die Fähigkeiten von Prozessor und Grafiklösungen allerdings merklich. Dennoch: Wer auf den aktuellsten Ego-Shooter und hochaufgelöstes Videomaterial verzichten kann, wird mit einem Nettop auch im Wohnzimmer glücklich. DVDs schauen, DIVX-Videos abspielen Musik hören oder Fotos betrachten meistert auch ein an den Flachbildfernseher angeschlossener Nettop.

Erste Modelle von Asus und MSI sind auf dem Markt

In Deutschland sind seit kurzem die ersten Modelle von Asus und MSI erhältlich. Die Nettops sind in verschiedenen Konfigurationen ab 250 Euro zu haben. Alle Details und vor allem die Unterschiede finden Sie in der folgenden Tabelle. Die Preise berücksichtigen kein Zubehör wie etwa Monitor, Tastatur und Maus.

Nettops im Vergleich Asus Eee Box B202 MSI WIND PC 2316 MSI WIND PC 2723 MSI WIND PC 2713
Prozessor Intel Atom 230 1,6 GHz Intel Atom 230 1,6 GHz Intel Atom 230 1,6 GHz Intel Atom 230 1,6 GHz
RAM / HD / DVD 1 GB / 160 GB / nein 2 GB / 320 GB / ja 2 GB / 320 GB / ja 1 GB / 320 GB / ja
Monitoranschluss DVI VGA VGA VGA
Speicherkartenleser ja ja ja ja
Betriebssytem Windows XP Windows XP Linux Linux
Preis 250 Euro 300 Euro 250 Euro 200 Euro

Zurzeit mit dem Kauf eines Nettops lieber noch warten

User mit Do-It-Yourself-Ambitionen und vorhandener Windows-XP-Lizenz können noch günstiger in die Nettop-Klasse einsteigen. Intel bietet für knapp 60 Euro Mainboard mit Atom-Prozessor unter der Bezeichnung D945GCLF an. Wer durch Laptop-Upgrades noch Arbeitsspeicher und Festplatte übrig hat, benötigt nur noch ein passendes Gehäuse, womit sich ein Nettop schon für weitaus weniger als 200 Euro realisieren lässt. Alternativ bietet der Hersteller Shuttle ein Barebone-Nettop für knapp 230 Euro an. Das Shuttle XPC-X27 muss allerdings noch mit RAM, Festplatte und optischem Laufwerk ausgerüstet werden. Zu den bereits erhältlichen Geräten werden in den nächsten Monaten weitere Hersteller Nettops auf den Markt bringen, wie etwa Medion mit dem auf der IFA 2008 für Ende diesen Jahres angekündigten Akoya Nettop PC E2005 D.

Wer beabsichtigt, einen Nettop-Rechner anzuschaffen, ist gut beraten, noch das bevorstehende Weihnachtsgeschäft abzuwarten. Sobald mehr Hersteller Nettops im Angebot haben, wird sich sicherlich nicht nur der Siegeszug der Netbooks auf die Schreibtischrechner übertragen lassen sondern auch die sinkenden Preise. Zudem hat Intel bereits eine Dual-Core-Version des Atom-Prozessors vorgestellt, welcher schnell in neuen Nettops Einzug finden wird.

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