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Anonym durchs Internet: So gehts

Verschiedenste Lösungen verfügbar
Von Peter Reelfs

Websurfer sind ein beliebtes Spionageziel - nicht nur von Hackern. Auch manch ein Chef oder misstrauischer Ehegatte möchte gerne wissen, was seine Angestellten oder der Ehepartner im Internet so treibt. Selbst der Staat hat Interesse an den Webseiten, die seine Einwohner ansteuern. Zwar schaut er den Bürgern nicht ununterbrochen auf die Finger, könnte das aber nachträglich tun, seit er die Provider verpflichtet hat, den Datenverkehr seiner Kunden für ein halbes Jahr zu speichern.

Auch wenn man nichts zu verbergen hat, kann einem ganz schön mulmig werden bei dem Gedanken, dass jemand einem beim Surfen quasi über die Schulter guckt und im schlimmsten Fall sogar Daten stiehlt und missbraucht. Kann man dem nicht entgehen? Doch! Wer möchte, kann vollkommen anonym surfen, so dass Hacker, Behörden und die Chefetage keine Chance haben, die Spuren im Netz zu verfolgen.

Anonymisierungsdienste

JonDo-Dienst der TU Dresden Um externen Lauschern, die keinen physikalischen Zugriff auf den PC haben, das Abhören schwer zu machen, bieten sich Anonymisierungsdienste an. Solch einen findet man beispielsweise auf der Homepage der TU Dresden. Dort betreibt man den kostenlosen Service JonDo, lange unter dem Namen Jap bekannt. Der Anwender lädt sich eine Software herunter, ändert die Proxy-Einstellungen im Webbrowser und surft fortan ungesehen durchs Internet. Wie klappt das? Ganz einfach: Alle Anfragen gehen vom eignen PC direkt zu den Servern der technischen Universität. Erst von dort gelangen sie ins Internet. Auch die Antwort erhält man stets über die Server aus Dresden. Dadurch ist der PC im Internet immer unter einer IP-Nummer aus Dresden versteckt, die eigene bleibt geheim. Nachteil dieser Lösung: Der Umweg über Proxy-Server drosselt die Surfgeschwindigkeit spürbar, zudem steht der Proxy-Server an einem fixen Ort.

Einen ähnlichen Service bietet das ebenfalls kostenlose Tor-Netzwerk. Jedoch mit einem großen Unterschied: Die vermittelnden Proxy-Server stehen nicht zentral an einem Ort, sondern sind über die ganze Welt verteilt. Das zu installierende Programm schickt die Anfragen an zufällig ausgewählte Rechner, welche die Anfrage ins Internet weiterleiten. Das steigert die Anonymität, da sich der Weg mit keinen Mitteln zurückverfolgen lässt. Nachteil jedoch: Da dem Nutzer die Betreiber der jeweiligen Server unbekannt sind, weiß er auch nicht wie vertrauenswürdig diese sind und wie sie mit den Daten umgehen. Sicher kann nur sein, wer ausschließlich verschlüsselte Webseiten aufruft, die mit https beginnen. Weiterer Nachteil: Das Tor-Netzwerk ist langsamer als JonDo/Jap.

Netz im Netz

Einen anderen Ansatz verfolgt das Projekt I2P. Hier stellt man anonymes und sicheres Surfen dadurch sicher, dass man ein eigenes Netzwerk schafft, welches das Internet lediglich als Transportmittel nutzt. Neben der kostenlosen Software ist ein Router erforderlich, der auch zur Weiterleitung von Anfragen anderer im I2P-Netzwerk beteiligter Rechner verwendet wird. Alle beteiligten PCs kommunizieren nur verschlüsselt miteinander. Das System benötigt Java und zudem entsprechend angepasste Spezialprogramme zum Surfen oder E-Mailen. Dadurch dass keine Verbindung in das Internet besteht, ist die Kommunikation sicherer als bei den zuvor genannten Lösungen. Wer möchte kann aber auch ein wenig unsicherer leben, die angeschlossenen Router der Teilnehmer als Proxy-Server verwenden und seine gewohnten Programme weiternutzen.

Auch Freenet, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Provider, setzt auf ein eigenständiges Netz innerhalb des Internets. Dieses funktioniert als Peer-to-Peer-Netzwerk, ähnlich wie Torrent-Netze. Die Teilnahme sowie die nötige Software sind auch hier kostenlos. Die Konfiguration und Nutzung ist ein wenig aufwendiger als bei den bereits genannten Anbietern. Zudem ist dieses Netz das langsamste der bisher vorgestellten. Dafür bietet es ein Höchstmaß an Sicherheit. So sind etwa innerhalb des Freenet kleine Privatnetze konfigurierbar, die niemand einsehen kann. Die Nutzer können ihre gewohnten Webprogramme weiternutzen. Für einige Dienste, etwa das Hochladen von Daten, sind jedoch spezielle Programme nötig. Damit das Freenet funktioniert, muss jeder Teilnehmer einen großen Teil seiner Festplatte, idealerweise mehrere Gigabyte, als Zwischenspeicher bereitstellen. Da dieser für sämtliche Teilnehmer zur Verfügung steht, muss der PC rund um die Uhr in Betrieb sein.

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