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DNS-Anfragen: Alice liebt unbekannte Namen

Provider wie HanseNet und Kabel Deutschland protokollieren URL-Eingaben
Von Björn Brodersen
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Stellen Sie sich vor, Sie wählen aus Versehen eine nicht existierende Rufnummer und Ihr Telefonanbieter macht Ihnen Vorschläge für eventuell passende Rufnummern, die Sie ja mal ausprobieren könnten. Sie wären wahrscheinlich ganz schön genervt, vor allem wenn der Telefonanbieter Rufnummern von kommerziellen Diensten ausgibt, die dafür bezahlen, dass ihre Rufnummern nach dem Verwählen angesagt werden. Einige Internetprovider haben inzwischen einen vergleichbaren Dienst eingeführt. Bei dem DSL-Anbieter HanseNet (Alice) und dem Kabel-Internet-Anbieter Kabel Deutschland (KDG) erhalten die Kunden zum Beispiel nach Eingabe einer nicht existierenden Internetadresse eine Fehlermeldung mit Vorschlägen für alternative Schreibweisen der URL sowie ein Eingabefeld für eine Suchmaschine, die neben herkömmlichen Suchergebnissen auch bezahlte Links zu kommerziellen Angeboten ausliefert.

Etliche Kunden dieser Internetprovider ärgern sich über die zwischengeschaltete Seite mit dem Suchangebot ihres Internetproviders. Manche sehen durch solche Maßnahmen sogar die Netzneutralität gefährdet.

Server von HanseNet und KDG liefern immer eine IP-Adresse an den Client-PC aus

Neue Fehlermeldung von Alice-DSL Während Kabel Deutschland DNS-Anfragen schon länger für eigene Zwecke nutzt, hat HanseNet diesen Dienst offenbar zum vergangenen Monat eingeführt und damit in Blogs und Internetforen erneut eine Diskussion ausgelöst. Wenn Alice-Kunden in der Adresszeile ihres Browsers Internetadressen eingeben, die das sogenannte Domain Name System (DNS) nicht auflösen kann, bekommen sie eine Seite mit der "Fehlermeldung 500: Unbekannter Server" angezeigt. Dort können die Alice-Kunden eine der vorgeschlagenen Websites direkt anklicken, die Alice/AOL-Suche zum Auffinden der richtigen Schreibweise der gewünschten URL nutzen oder die sonst auch üblichen allgemeinen Lösungsvorschläge befolgen.

Wer diese neue Fehlermeldung nicht angezeigt bekommen möchte, kann diesen Dienst im Online-Kundenmenü des Anbieters abstellen lassen. Wer die Alice/AOL-Suche zum Finden der richtigen URL benutzt, findet nicht nur passende Treffer sondern an oberster Stelle sogenannte "Sposored Links", an denen der Suchmaschinenbetreiber Geld verdient, wenn ein Nutzer den Link anklickt.

Ein DNS-Server funktioniert wie ein Telefonbuch

DNS-Server ordnen Domain-Namen (zum Beispiel "www.teltarif.de") einer IP-Adresse (212.91.245.7) einer Website zu, über die Computer im Internet nur erreicht werden können. Dazu sendet der Browser des Nutzer-PCs eine Anfrage an einen DNS-Server, die IP-Adresse zu einem bestimmten Domain-Namen anzugeben. Der DNS-Server antwortet darauf entweder mit der entsprechenden IP-Adresse oder - bei einem nicht auflösbaren Domain-Namen - der Meldung, dass der Server nicht gefunden werden konnte. Ein DNS-Server funktioniert also wie ein Telefonbuch, das zu einem Namen die dazugehörige "Rufnummer" heraussucht. Bei einem auflösbaren Domain-Namen sendet der Nutzer-PC seine HTTP-Anfrage an die IP-Adresse, die der DNS-Server angegeben hat, und dem Internetnutzer wird die entsprechende Website im Browser angezeigt. Die Fehlermeldung, dass der Server nicht gefunden werden konnte, erzeugt der Browser in der Regel selbst und stammt nicht aus dem Netz.

Im Fall der beiden Breitband-Internetanbieter HanseNet und Kabel Deutschland liefert der DNS-Server bei einer Anfrage eines Client-PCs immer eine IP-Adresse zurück - auch wenn der eingegebene Domain-Name nicht aufgelöst werden kann. Dabei handelt es sich entweder die korrekte IP-Adresse zum Domain-Namen oder um die IP-Adresse des Alice- oder Kabel-Deutschland-Servers, wenn der Domain-Name nicht aufgelöst werden kann.

Angepasste Fehlermeldungen beweisen: Provider protokollieren URL-Eingaben

Der Internet-Browser auf dem PC des Alice- oder Kabel-Deutschland-Kunden geht daher immer davon aus, dass die vom Nutzer angegebene Domain existiert, und schickt an die überlieferte IP-Adresse seine HTTP-Anfrage. Während im Fall einer auflösbaren Domain der Nutzer im Browser die gewünschte Website sieht, wird ihm im anderen Fall eine vom Alice- oder KDG-Server erzeugte Fehlerseite angezeigt, denn dorthin schickt ja der Browser seine Anfrage bei einem nicht auflösbaren Domain-Namen. Diese spezielle Fehlermeldung der beiden Internetprovider bietet neben den allgemeinen Lösungsvorschlägen für den Nutzer auch eine Suchmaschine, die neben den gewünschten Suchergebnissen (im Beispielfall jeweils auch "www.teltarif.de") auch auch Links zu Werbepartnern ("Sponsored Links") anführt.

Internetnutzer sind dennoch besorgt, denn die angepassten Fehlermeldungen beweisen, dass ein Provider nicht nur protokolliert, wie lange die Verbindung des Kunden ins Internet besteht, sondern auch, auf welchen Seiten der Kunde surft. Die Kritik lautet: Theoretisch könne der Provider so nicht nur genauere Informationen über das Surfverhalten seiner Kunden erlangen sondern auch Passwörter oder andere vertrauenswürdige Angaben der Kunden zugespielt bekommen. Möglich wäre es auch, dass der Provider den Zugriff auf bestimmte Internetseiten blockiert. Ob diese Vorwürfe berechtigt sind und wie Sie die DNS-Anfragen selbst anpassen können, lesen Sie auf der folgenden Seite.

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