einfach

Ältere Menschen telefonieren gerne mobil

Einfach bedienbare Geräte mit großen Tasten sind beliebt
Von ddp / Anja Zimmermann
Kommentare (110)
AAA
Teilen

Was haben New Orleans und Katharina die Große gemein? Sowohl die Stadt mit ihrem Spitznamen Big Easy als auch die Zarin stehen Pate für Seniorenhandys. "Big Easy" heißt eine Modellreihe des Herstellers fitage. Das Vorgängergerät, das nach Herstellerangaben erste Handy für Hörgeschädigte, wurde auf "Katharina das Große" getauft. Der Markt sucht nach Namen, an denen die Silber-Generation Gefallen finden könnte.

Wichtigstes Merkmal der Mobiltelefone für die Älteren sollte die einfache Handhabung sein, da sind sich Hersteller und Experten einig. Die meisten der Geräte am Markt erfüllen diese Vorgabe, nur der Begriff Seniorenhandy könnte dem wachsenden Geschäft die Dynamik rauben. Das findet zumindest Klaus Uwe Meier von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) in Bonn. Meier sieht die Gefahr einer "Stigmatisierung des Alters": "Kaum ein Senior möchte ein Handy haben, das als Seniorenhandy gilt. Alles, was stigmatisierend auf das Alter hinweist, ist nicht gewünscht", sagt er.

Exakt auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten

Der österreichische Hersteller Emporia, nach eigenen Angaben Marktführer bei den Geräten mit den großen Tasten, rechnet derzeit jedoch mit einem Umsatzwachstum von 100 Prozent für das laufende Jahr. Auf der Homepage scheut Emporia den Begriff Seniorenhandy nicht, die Funktionen seien "exakt auf die Bedürfnisse der älteren Menschen zugeschnitten".

Ist es ein Zufall, dass ein nicht als Seniorenhandy ausgewiesenes Gerät in einem Experiment von Stiftung Warentest jüngst am besten abschnitt? Elf Senioren mit dem Durchschnittsalter von 63 Jahren kamen unter dem Strich am besten mit dem Nokia3110 Classic zurecht. Obwohl das Gerät über Schnickschnack wie Kamera, Musik-Player und Radio verfügt, überzeugte es offenbar durch Übersichtlichkeit und Bedienfreundlichkeit.

Vordere Plätze belegten aber auch Seniorenhandys der Firmen Fitage und Emporia, die - wie übrigens auch das Nokia-Gerät - für Nutzer mit Hör-, Seh- und Motorikschwäche geeignet sind. Emporia etwa verbaut schwarz-orangefarbene Displays, da diese für Menschen mit der Augenkrankheit Grauer Star am besten geeignet seien. Zudem sind spezielle Lautsprecher eingebaut, die Interferenzen, also die typischen Störgeräusche bei Hörgeräten vermieden, sowie große Tasten mit fühlbarer Wölbung und deutlichem Druckpunkt.

Spezielle "Notruftaste" schreckt ab

Dies sind nach Meinung Meiers auch die Grundeigenschaften, die ein für Ältere geeignetes Gerät mit sich bringen sollte. "Als älterer Mensch will man mit einem Handy einfach nur telefonieren", sagt er. Verfüge das Gerät über eine als solche gekennzeichnete Notruftaste, gingen viele 50-bis 60-Jährige jedoch auf Distanz, dies hätten Untersuchungen gezeigt.

Die Ideen der Hersteller gehen allerdings noch weiter. Manche setzen auf GPS, andere erwägen die Implementierung von medizinischen Funktionen. Hinsichtlich der GPS-Ortung im Notfall stellt sich laut Meier derzeit noch die Frage der Verlässlichkeit: "Ist die Ortung im Wald möglich?" In geschlossenen Räumen funktioniert die Technik jedenfalls nicht. Geräte, die eine GPS-Funktion haben, kosten mindestens knapp 300 Euro.

Für ein spezielles Seniorenhandy, dessen Zielgruppe Meier in der Altersgruppe der "Hochaltrigen" ab 70 Jahren ansiedelt, sollte keinesfalls mehr als 200 Euro ausgegeben werden, rät er. Die Mehrheit der 50- bis 60-Jährigen entscheide sich allerdings für handelsübliche, vertragsgebundene Geräte ab einem Euro.

Darauf, dass Senior nicht gleich Senior ist, weist auch die Stiftung Warentest hin: "Da die Gruppe der Senioren sehr heterogen ist, gibt es nicht ein Handy, das für alle Nutzer gleichermaßen zu empfehlen ist." Hätte das Durchschnittsalter der Erhebung höher gelegen, womöglich hätte ein anderes Handy das Siegertreppchen beschritten.

"Der Markt wird letztlich den Bedarf zeigen", sagt Meier. Derzeit liege der Anteil der Seniorenhandys unter allen verkauften Handys in Deutschland bei fünf Prozent. Die demographische Entwicklung lässt zumindest die Zielgruppe für Seniorenhandys wachsen.

Teilen