dreifach

Editorial: Alles flach

Auch Vodafone macht Mobilfunk-Verträge immer unattraktiver

Vertragskunden sind begehrt: Sie erreichen im Schnitt einen deutlich höheren Umsatz als Kunden mit einer Prepaid-Karte. Dafür werden sie von den Netzbetreibern auch noch mit höheren Minutenpreisen bestraft und mit mindestens 24-monatigen Laufzeiten gegängelt. Aktuelles Beispiel die Neustrukturierung der Vertragstarife bei Vodafone: 29 Cent pro Minute verlangen die Düsseldorfer von Kunden, die sich künftig für einen Vertrag bei ihnen entscheiden. Wer hingegen mit BILDmobil dasselbe Netz wählt, zahlt mit 9 Cent pro Minute nicht einmal ein Drittel!

Weniger Tarife, aber trotzdem unübersichtlich

Zwar kann man bei Vodafone-Verträgen künftig per Option ein Minuten-Paket hinzubuchen, welches bei optimaler Ausnutzung nur 8,33 Cent pro Minute kostet. Doch gibt es nur bestimmte Paketgrößen zur Wahl, ungenutzte Minuten verfallen am Monatsende, Überminuten kosten wieder den vollen Preis und man ist an die Option für die Restlaufzeit des Vertrages gebunden. Hier muss man sein Telefonieverhalten schon sehr genau unter Kontrolle haben, um von solchen Optionen zu profitieren.

Immerhin kostet der günstigste Vertrag nur knapp 5 Euro im Monat und beinhaltet bereits eine Wochenendflatrate netzintern und ins Festnetz. Ein subventioniertes Handy kostet jedoch 10 Euro im Monat extra, eine generelle Flatrate ins Festnetz oder netzintern kostet knapp 15 Euro monatlich. Bei Prepaid-Discountern hat sich zwar ebenfalls ein Preis von 15 Euro für die Flatrate-Option eingebürgert, doch beinhaltet diese neben Festnetz-Telefonaten auch solche zu anderen Kunden desselben Discounters.

Vertragskunden bekommen bei Vodafone für 15 Euro hingegen nur Telefonate ins Festnetz oder das eigene Netz zum Festpreis. Wollen sie beides, sind 30 Euro monatlich fällig. Und während man die Prepaid-Flatrate jederzeit zum Ende des bereits bezahlten 30-Tage-Zeitraums kündigen kann, muss man Verträge bei Vodafone und damit auch die Flatrates immer für 24 Monate abschließen. Zwar erlaubt Vodafone nach frühestens sechs Monaten auch ein Downgrade, aber nur gegen Laufzeitverlängerung.

Wer, außer der Netzbetreiber, braucht noch einen Mobilfunkvertrag?

Und so stellt sich zunehmend die Frage, für wen, außer den Netzbetreiber, die Vertragsangebote überhaupt noch attraktiv sein sollen. Zwar gibt es einige Produkte, beispielsweise Flatrates in alle Netze oder das Kulthandy iPhone, die derzeit nicht oder zumindest nicht ausreichend auch Prepaid angeboten werden. Aber diese Nischen, die den Abschluss eines Laufzeitvertrages heute noch rechtfertigen, werden immer weniger.

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