Projekt

Ein Jahr T-City: Nicht alle sind begeistert

Botschafter der Deutschen Telekom sollen in Friedrichshafen Ängste abbauen
Von dpa / Björn Brodersen
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Die Zeppelinstadt Friedrichshafen feiert einen kleinen Geburtstag: Vor einem Jahr hat die Deutsche Telekom die Bodenseestadt zur T-City gekürt, immerhin 52 Städte hatten sich darum beworben. Die Begeisterung für das Projekt, das noch vier Jahre läuft, hat indes nicht alle Bürger erfasst.

Bis 2012 will die Telekom in der T-City bis zu 80 Millionen Euro vorwiegend in die Breitband-Infrastruktur, aber auch in Projekte mit lokalen Partnern, investieren. Mit dem Feldversuch will der Bonner Konzern aufzeigen, welche Chancen und Potenziale in der flächendeckenden, durchgängigen Nutzung moderner Kommunikationstechnologien liegen. Gleichzeitig soll die Lebensqualität für die Bürger in der T-City erhöht sowie die Standortqualität für Unternehmen verbessert werden. "T-City ist vor allem deshalb ein einzigartiges Projekt, weil sich hier ein großer Konzern mit weltweiten Interessen gemeinsam mit einer relativ kleinen Stadt wie Friedrichshafen ins Boot begeben hat. Fast Unmögliches wird hier versucht", sagte der Friedrichshafener Oberbürgermeister Josef Büchelmeier (SPD) in einem Interview. "Das Digital Gap, die Barriere des Zugangs zur digitalen Welt, soll für alle Bevölkerungsgruppen überwunden werden."

Seenotruf und Ticket-Kauf per Handy

Kauf von Katamaran-Tickets per Handy 20 Projekte in verschiedenen Bereichen wurden bisher angeschoben. Derzeit läuft beispielsweise die Testphase für einen Seenotruf: Das Hilferufsystem erlaubt es Wassersportlern, mit einer einzigen Handy-Berührung die zuständige Rettungsleitstelle zu alarmieren. Zeitgleich werden alle Informationen übermittelt, um den in Not geratenen Skipper präzise zu orten und schnellstmöglich Hilfe zu leisten. "Wenn nur einem mit dem System geholfen wird, dann hat es sich gelohnt", sagt Telekom-Pressesprecher Hans-Martin Lichtenthäler und fügt an: "Bewährt es sich, ist nicht ausgeschlossen, dass das System über Friedrichshafen hinaus zum Einsatz kommt."

Ein weiteres Projektbeispiel: Per Handy können Tickets für den Bodensee-Katamaran gelöst werden, der in Friedrichshafen an- und ablegt. Gut 200 Kunden nutzen derzeit bereits den elektronischen Service, der Telekom-Angaben zufolge auf den öffentlichen Nahverkehr und das Veranstaltungsticketing in der Region ausgeweitet werden soll. Der Nachteil: Die wenigsten Handys haben derzeit die dafür notwendige Technologie. Laut Angaben der Handyhersteller sollen aber immer mehr Mobiltelefone damit ausgestattet werden.

Noch ein Beispiel aus dem Projektfeld "Gesundheit und Betreuung": Herzinsuffizienzpatienten leiten ihre selbst gemessenen Daten - angefangen vom Blutdruck bis hin zum Körpergewicht per Knopfdruck ans Klinikum Friedrichshafen weiter. Sind die Daten nicht in Ordnung oder bleibt die Meldung des Patienten aus, kümmert sich eine Krankenschwester sofort darum.

Jeder soll mitgenommen werden

Während viele jüngere Bürger Friedrichshafens die Vorteile von T-City erkannt haben, ist die Botschaft der Telekom bei manchen Älteren noch nicht angekommen. Das weiß auch Pressesprecher Lichtenthäler. Er ist und bleibt trotzdem optimistisch, spricht von einer "Erfolgsgeschichte". 28 von der Telekom ausgebildete "Botschafter" von jung bis alt und aus allen möglichen Berufsgruppen sind derzeit im Einsatz. Sie sollen Werbung für das Projekt machen, Ängste oder Barrieren abbauen. Jede Bevölkerungsgruppe, sagt Lichtenthäler, solle mit einem Projekt angesprochen werden. "Wir wollen alle mitnehmen." Deshalb ist es ihm nur recht, wenn viele Projektvorschläge aus der Stadt kommen. Der Telekom-Mann: "Wir wollen am liebsten das ganze Geld, das wir für die T-City eingeplant haben, auf den Kopf hauen."

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