Zwist

Telekom-Pläne für Netzumbau sorgen für Widerstand

Wettbewerber, VATM und Breko rufen nach Bundesnetzagentur

Am letzten Wochenende berichtete die Wirtschaftswoche aus einem internen Papier der Deutschen Telekom, nachdem das Bonner Unternehmen weite Teile Deutschlands mit Glasfasernetzen modernisieren, die traditionelle Telefonvermittlung durch nahezu vollautomatische Internet-Techniken ersetzen und rund 7 000 der insgesamt 7 900 Schaltstellen im gesamten Bundesgebiet schließen wolle. Erwartungsgemäß sind diese Pläne auf große Kritik der Wettbewerber der Deutschen Telekom gestoßen, in zwei Wochen wird es dazu ein Gipfeltreffen der Telefon-Konzerne geben. Wie die WirtschaftsWoche aus Telekom-Kreisen erfuhr, hat Telekom-Vorstand Timotheus Höttges, zuständig für die Festnetzsparte T-Home, die Präsidenten der beiden Dachorganisationen, den Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) und den Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), für Anfang September zu einem Gespräch eingeladen.

Den Planungen der Deutschen Telekom für die Zukunft des Telefonnetzes zufolge sollen die Telekom-eigenen Kupfer- und Glasfaserkabel mit derzeit mehr als 1,8 Millionen Kilometern Gesamtlänge dann nur noch in 900 hochmodernen, zentralen Hauptverteilern zusammenlaufen. Diese schalten alle Verbindungen zwischen den Kunden der Telekom und der Konkurrenten. Damit würden allerdings besonders die Telekom-Konkurrenten getroffen, die rund 4 000 Schaltstellen der Telekom nutzen, um ihre eigenen Netze auf der sog. "letzten Meile" über Telekom-Leitungen mit den Endkunden zu verbinden. Ihnen drohen nach Expertenschätzungen Wertberichtigungen auf noch nicht abgeschriebene Übertragungstechnik in Höhe von rund einer Milliarde Euro.

Telekom-Konkurrenten gespalten

Wie das Magazin berichtet, sind die Konkurrenten derzeit gespalten, wie sie auf die geplante Abschaltung reagieren sollen. Die kleinen Gesellschaften wie Netcologne aus Köln und M-Net aus München, die bereits in den Bau eigener Glasfasernetze investieren, fordern von der Telekom Ausgleichszahlungen. Die Forderungen belaufen sich hier auf einen Aufschlag von 0,8 Cent pro Minute auf jeden Anruf, der in ihre Netze geht. Einen entsprechenden Antrag haben die beiden bereits bei der Bundesnetzagentur eingereicht.

Die bundesweiten Telekom-Konkurrenten, vor allem die Vodafone-Tochter Arcor, die spanische Telefongesellschaft Telefónica und der Internet-Anbieter QSC, wären bereit, auf Ausgleichszahlungen zu verzichten und fordern statt dessen längere Übergangsfristen beim Weiterbetrieb der Schaltstellen und einen fairen Zugang zum neuen Glasfasernetz der Deutschen Telekom. Die Übergangsfrist soll auf sieben Jahre verlängert werden.

Der Telekom-Vorstand lehnt Ausgleichszahlungen ab. Das hat Festnetz-Chef Timotheus Höttges den Präsidenten der beiden Dachorganisationen mitgeteilt: "Die Notwendigkeit von Kompensationen erscheint mir deutlich überzogen", heißt es in einem Schreiben von Höttges, das der WirtschaftsWoche vorliegt. Das Treffen Anfang September in Bonn soll nun eine erste Annäherung in dem Streit um die Abschaltung des Telefonnetzes bringen.

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