Betrug

eBay-Betrüger prellt 4 500 Kunden (aktualisiert)

Kunden müssen schnell handeln, wenn der Onlineshop nicht liefert
Von dpa / Anja Zimmermann
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Weil er europaweit 4 500 Kunden um insgesamt hunderttausende Euro geprellt haben soll, steht ein mutmaßlicher Internet-Betrüger aus Polen vor dem Darmstädter Landgericht. Beim heutigen Prozessauftakt schwieg der 37-Jährige zum Vorwurf des gewerbsmäßigen Betrugs. Der Mann soll über das Internet-Auktionshaus eBay Computerteile angeboten, die bestellte und vorab bezahlte Ware jedoch nicht ausgeliefert haben.

Bei dem Verfahren in Darmstadt wird zunächst nur über 74 Fälle mit einem Schaden von 22 700 Euro verhandelt. Der Mann war im Januar in der Nähe von Stettin (Polen) festgenommen und im März nach Deutschland ausgeliefert worden.

eBay-Betrug in großem Maße

Der Angeklagte war Geschäftsführer einer Firma aus dem südhessischen Dreieich. Er soll bei eBay zunächst kleinere Artikel angeboten und korrekt geliefert haben, um eine gute Kundenbewertung zu bekommen. Ende 2007 bot er laut Anklage dann teurere Artikel an, hatte aber nie die Absicht, diese auszuliefern. Als dies im Dezember 2007 nach Beschwerden betrogener eBay-Kunden aufflog, setzte sich der Pole in seine Heimat ab. Zuvor hob er von seinem Konto 430 000 Euro ab. Das Geld ist seither verschwunden, sagte Staatsanwältin Susanne Sever. Die Initiative falle-internet.de im westfälischen Hagen sprach damals vom "größten eBay-Einzelbetrug der letzten fünf Jahre".

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft liegen derzeit 1 500 Strafanzeigen gegen den Mann vor. Mehr als 4 000 Geschädigte hätten vom Internet-Auktionshaus eBay Schadenersatz von zusammen mehr als 400 000 Euro erhalten, berichtete eine Gerichtssprecherin.

Anhörung der Geschädigten im September

Ein weiterer Haftbefehl gegen den 37-Jährigen, in dem es um 350 Betrugsfälle mit einem Schaden von jeweils mindestens 200 Euro geht, wurde an die polnischen Ermittler abgegeben. Der Angeklagte wies heute den Vorschlag des Gerichts zurück, diese Fälle nachträglich in das laufende Verfahren aufzunehmen. Die Staatsanwaltschaft wollte auf den Deal nur eingehen, wenn der Pole den entstandenen Schaden von mindestens 480 000 Euro zurückerstattet.

Um diese 350 Betrugsfälle vor Gericht zu bringen, muss die deutsche Ermittlungsbehörde auf die Genehmigung aus dem Nachbarland warten. Nach EU-Recht könnten sie ohne polnisches Einverständnis nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Angeklagten in Deutschland verfolgt werden, sagte die Vorsitzende Richterin Barbara Bunk.

Für das Verfahren sind vier weitere Verhandlungstage angesetzt, der nächste am 1. September. Dabei müssen die 74 Geschädigten, die aus ganz Deutschland und zum Teil aus dem Ausland stammen, einzeln gehört werden.

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