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Handelsblatt: Handy-TV Mobile 3.0 vor den Aus

Sendebetrieb soll in Kürze eingestellt werden
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Handy-TV sollte in Deutschland eigentlich schon zur Fußball-Weltmeisterschaft vor zwei Jahren eingeführt werden. Die Gesellschaft Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD) ging auch in der Tat rechtzeitig vor dem sportlichen Großereigniss an den Start - mit einem im DMB-Standard verbreiteten Mini-Programmpaket (vier Fernsehsender und ein Radioprogramm), das kaum Akzeptanz fand.

Im DVB-H-Modus gab es lediglich ein Pilotprojekt, das zwar eine deutlich größere Programmvielfalt bot, dafür aber nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Nach weiteren Verzögerungen sollte DVB-H nun zur diesjährigen Fußball-Europameisterschaft starten. Allerdings erhielt nicht etwa ein Konsortium um die Mobilfunk-Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone und o2 die Lizenz zum Betrieb der Programm-Plattform. Die Landesmedienanstalten erteilten der Mobile 3.0, zu der auch der DMB-Pionier MFD gehört - grünes Licht.

An einen kommerziellen Betrieb zur Fußball-EM war wegen weiterer Verzögerungen nicht mehr zu denken, doch immerhin nahm Mobile 3.0 Anfang Juni in zunächst vier Städten den Testbetrieb auf. Wenige Wochen später soll der Betrieb nach einem Bericht der Online-Ausgabe des Handelsblatts allerdings schon wieder eingestellt werden.

Netzbetreiber wollten laut Mobile 3.0 keine DVB-H-Handys vermarkten

Wie das Handelsblatt aus unternehmensnahen Kreisen der Mobile 3.0 erfahren hat, werden die Sender in Kürze abgeschaltet. Hauptgrund für das Scheitern des Handy-TV-Anbieters sei die Verweigerungshaltung der Mobilfunk-Netzbetreiber, Service-Provider und Discounter, Handys mit DVB-H-Empfangsteil zu verkaufen. Dadurch wird der Mobile 3.0 quasi die Geschäftsgrundlage entzogen.

Auch das Watcha-Programmpaket der MFD musste seinerzeit ohne Unterstützung der Netzbetreiber auskommen. Stattdessen wurde das Bouquet seinerzeit ausschließlich über Provider wie debitel und mobilcom vermarktet. Später kam noch der Discounter simply dazu. Zuletzt vermarktete Watcha seine Handys auch unabhängig von Mobilfunk-Verträgen. Dennoch konnten sich nur wenige Tausend Interessenten für das Angebot begeistern.

Die vier deutschen Mobilfunk-Netzbetreiber verkaufen ihren Kunden anstelle von Endgeräten für originäres Handy-TV seit Mai Handys, die das unverschlüsselte terrestrische Digitalfernsehen DVB-T empfangen können. Tests der teltarif.de-Redaktion haben gezeigt, dass der Empfang der DVB-T-Signale in den Kernsendegebieten auch auf dem Handy-Display einwandfrei ist.

Vorteil für potenzielle Nutzer gegenüber einem speziell für die Handy-Nutzung vorgesehenen TV-Angebot: Die frei empfangbaren Signale können auch mobil ohne zusätzliche Kosten genutzt werden. Der Nachteil ist, dass beispielsweise Bildregie und Kameraführung nicht auf der Nutzung mit kleinen Displays optimiert sind.

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