Hintergrund

So erkennen Sie gute Klangqualität beim Handy

Diese technischen Daten geben Aufschluss über die Sound-Qualität
AAA
Teilen

Ein Gerät, alle Funktionen. Also ersetzt ein modernes Handy auch einen guten MP3-Player? Oder muss man mit Kompromissen leben? Es ist wie so oft: Das kommt ganz darauf an. Grundsätzlich können Handys genauso gut klingen wie hochwertige MP3-Player. Allerdings müssen die Voraussetzungen dazu stimmen.

Wichtig ist zunächst, dass die eingespielte Musik in hoher Qualität vorliegt. Doch was macht guten Musikklang eigentlich aus? Zunächst einmal ist eine hohe Samplingrate erforderlich. Dieser Wert gibt an, wie häufig das analoge Tonsignal bei der Umwandlung ins Digitalformat abgetastet wird. Um CD-Qualität zu erreichen, greift die Hardware das Signal 44 100 Mal pro Sekunde ab. Die Frequenz hat folglich einen Wert von 44,1 Kilohertz (kHz.). Weiteren Einfluss auf die Klangqualität hat der zur Verfügung stehende Speicherplatz für die abgetasteten Daten. Relativ bescheiden ist ein Wert von 8 Bit. Für guten Klang sollten es doppelt so viele, nämlich 16 Bit, sein. Für eine Super-Audio-CD (SACD) stehen gar 24 Bit zur Verfügung.

Codec mit entscheidend

Ist die Musik entsprechend hochwertig gespeichert, gilt es, sie effektiv zu komprimieren - mit möglichst geringem Klangverlust. Hier kommt der Codec ins Spiel. Das ist eine Software, die das Komprimieren und spätere Dekomprimieren der Musik übernimmt. Der bekannteste ist der MP3-Codec, des Fraunhofer Instituts. Er besitzt auch gute Klangeigenschaften. Daneben existieren noch weitere Formate, wie beispielsweise Ogg Vorbis, ACC (Advanced Audio Coding) und andere, die jedoch weniger stark verbreitet sind. Auch von Microsoft kommt mit WMA (Windows Media Audio) ein effektiver Codec mit guten Klangeigenschaften. Allerdings: Er ist nicht auf jedem MP3-kompatiblen Player abspielbar. "Für die Klangqualität spielt der Codec eine entscheidende Rolle", bestätigt Dr.-Ing. Gerald Schuller vom Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT. Er ist beim MP3-Erfinder der Fachmann für Audiocodierung. "Ein minderwertiger Codec führt bei gleichen technischen Voraussetzungen zu einem schlechteren Ergebnis", ergänzt Schuller.

Daneben ist die Bitrate wichtig. Sie gibt an, mit welcher Datenrate die komprimierte Musik übertragen wird. 128 Kilobit pro Sekunde (kBit/s) gelten als Untergrenze für MP3 und sind kaum mehr mit CD-Qualität vergleichbar. Musik, die mit der CD mithalten soll, benötigt eine Datenrate von mindestens 192 kBit/s, besser höher. Allerdings steigt mit der Bitrate auch der benötigte Speicherplatz an. Als Faustregel gilt: Verdoppelt sich die Bitrate, verdoppelt sich auch der benötigte Speicherplatz.

Wichtig: Hochwertiger D/A-Wandler

Sony Ericsson W960i Bevor die Musik aber am Kopfhörer gut klingen kann, muss sie wieder ins analoge Format zurückgewandelt werden. Der dazu notwendige Digital/Analog-Wandler (D/A-Wandler) hat besonders großen Einfluss auf den Ton. "Der D/A-Wandler spielt ein sehr wichtige Rolle für das Erreichen hoher Musikqualität", stimmt Schuller zu. "Schlechte Wandler können für Störgeräusche und Verzerrungen verantwortlich sein", ergänzt der Experte. "Allerdings: Sind alle Voraussetzungen für guten Klang erfüllt, benötigt man noch einen hochwertigen Kopfhörer und möglichst eine ruhige Umgebung, um Qualitätsunterschiede zwischen Geräten ausmachen zu können."

Problemfall Kopfhörer

Genau da kommt man zu einem Stolperstein: den mitgelieferten Kopfhörern von Musik-Handys. Hier teilen die Mobiltelefone mit vielen MP3-Playern das gleiche Schicksal. Aus Kostengründen legen die Hersteller den Geräten oft nur einfache Versionen bei, denen kaum mehr als bescheidener Klang zu entlocken ist. Den vermeintlich schlecht klingenden Geräten ließe sich in aller Regel mit hochwertigen Kopfhörern jedoch eine deutliche bessere Klangqualität entlocken.

Doch hier wartet auch schon die nächste Stolperfalle: Bei sehr vielen Handys ist die Ausgangsspannung an der Kopfhörerbuchse so gering, dass sie nicht für Kopfhörer von Drittherstellern ausreicht. Mit diesen wäre die Musik zu leise und flau. Darum gilt: Vor dem Kauf des Handys einen Klangcheck beim Händler machen, sowohl mit den beiliegenden Hörern als auch mit hochwertigen Modellen. Bei MP3-Playern tritt dieses Problem selten auf. Ihre Ausgangsspannung ist meistens für Kopfhörer von Drittherstellern ausreichend hoch.

1 2 letzte Seite
Teilen

Weitere Artikel zum Thema Musik auf dem Handy