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Aldi Talk ist der beliebteste Mobilfunk-Discount-Tarif

Aber die eigenständigen Billiganbieter befinden sich auf dem Rückzug
Von Björn Brodersen
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Drei Jahre nach dem Start des ersten echten Mobilfunk-Discounters, simyo, hat das bisher erfolgreiche Modell der Billiganbieter nach Ansicht von Experten ausgedient. "'Geiz ist geil', doch eine Sättigungsgrenze für Niedrigpreismodelle ist bald erreicht", meint Andreas Dippelhofer, Mitglied der Geschäftsleitung der acoreus AG [Link entfernt] . Bei neuen Discount-Tarifen für Handybesitzer könnten die Anbieter jedoch nicht mehr einfach auf einfache Angebote und günstige Preise setzen, denn der Spielraum für weitere Preissenkungen sei durch die derzeitigen Terminierungsentgelte begrenzt. Vielmehr müssten sie, um erfolgreich zu sein, zielgenaue Tarifangebote für spezielle Zielgruppen kreieren.

Jede zehnte SIM-Karte kommt von einem Mobilfunk-Discounter

Bei den Mobilfunk-Discount-Tarifen haben sich Modelle über Retail-Ketten wie etwa bei Aldi und Tchibo sowie Billiganbieter ("No Frills") wie Blau und simyo als besonders erfolgreich erwiesen. Gemäß einer auf Mitteilungen der Anbieter und von Marktforschern basierenden Auswertung, die Dippelhofer auf der 14. Handelsblatt Jahrestagung Telekommarkt Europa in Düsseldorf präsentierte, haben die Mobilfunk-Discounter Ende April dieses Jahres zusammen einen Marktanteil von 9,7 Prozent am SIM-Karten-Markt in Deutschland besessen. Insgesamt hätten sie 9,5 Millionen SIM-Karten abgesetzt.

Den größten Zuspruch der Mobilfunkkunden erhielt jedoch offenbar nicht simyo, sondern der Medion-Tarif Aldi Talk mit - laut Auswertung - einem Marktanteil von 3,8 Prozent, was einer fast ebenso hohen Anzahl an SIM-Karten im Millionenbereich entspräche. Dahinter folgen erst Tchibo (1,3 Prozent) und dann simyo (1,2 Prozent) sowie Blau (0,7 Prozent), klarmobil (0,6 Prozent) und simply (0,3 Prozent). Die Analyse gibt jedoch keine Auskunft darüber, ob oder wie intensiv die ausgegebenen SIM-Karten genutzt werden. Eigenständige Mobilfunk-Discounter befinden sich jedoch laut Dippelhofer wieder auf dem Rückzug. Zwei Drittel der Discount-Angebote seien inzwischen wieder in den Händen der großen Mobilfunkanbieter. Oftmals stellten sie inzwischen die verlängerte Werkbank der Netzbetreiber dar, insbesondere bei E-Plus (Beispiel simyo). "Die Konsolidierung ist in vollem Gange", stellte Dippelhofer in Düsseldorf fest.

Viele Einsteigewillige überschätzen sich im Markt

Während einfache Angebote und eine breite Distribution heute den Markt der Mobilfunk-Billiganbieter prägen, bleiben laut Dippelhofer viele neue Einsteiger in den Mobilfunkmarkt erfolglos, weil oftmals ihre neuartigen Ideen bei der Umsetzung auf der Strecke bleiben. Auch Helmut an de Meulen, Geschäftsführer der Materna GmbH, dem Mutterunternehmen des Mobile Virtual Network Enabler (MVNE) vistream, teilt diese Einschätzung: "Viele überschätzen sich im Markt", teilte er mit. Dabei seien die Akzeptanz neuer Angebote und die Nachfrage der Endkunden nur schwer vorhersehbar. Zudem verfügten die Einsteigewilligen häufig nicht über die notwendige Kundennähe, eine ausreichend starke Marke oder böten kein ansprechendes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Auch an de Meulen spricht von einer bereits eintretenden Marktsättigung. Problem der Discounter sei unter anderem, dass sie sich nur schwer von der Konkurrenz abheben könnten, viele Discount-Tarife seien austauschbar. Zudem habe sich gezeigt, dass trotz der vergleichsweise niedrigen Gesprächspreise die Mobilfunknutzung in Deutschland nicht so stark zugenommen habe wie erwartet.

Zielgenaue Tarifangebote für spezielle Zielgruppen

Der Rat von an de Meulen, der wie die Firma acoreus über vistream branchenfremden Unternehmen beim Einstieg in den Mobilfunkmarkt hilft, lautet, sich mit zielgenauen Tarifangeboten an spezielle Kundengruppen zu richten. Solche Zielgruppen könnten Jugendliche, Musikfans, Reisende (Stichwort Reise-Discounter), ethnische Gruppen (wie etwa bei Ay Yildiz), Familien (wie beim kommenden EDEKA-Mobil-Tarif) oder auch Leser von Zeitungen sein (wie bei BILDmobil oder auch beim angekündigten Handy-Tarif der Welt-Gruppe). Solche Discounter böten ihren Kunden neben günstigen Preisen einen echten Mehrwert. Torsten Gerpott, Inhaber des Lehrstuhls Telekommunikationswirtschat an der Universität Duisburg-Essen, sieht auch die Netzbetreiber von solchen spezielleren Mobilfunkangeboten profitieren. Entscheidend sei jedoch, dass die Anbieter effizient und kostengünstig arbeiteten.

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