Strategie

Serviceprovider debitel mutiert zum Kategoriekiller

Vorstandsvorsitzender Steil sieht kein Fehlverhalten bei crash 5
Von Björn Brodersen
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Der Vorstandsvorsitzende des Serviceproviders debitel, Oliver Steil, sieht die zahlreichen Kündigungen der Laufzeitverträge im crash-5-Tarif nicht als Fehler an. Gegenüber teltarif.de sagte er auf der 14. Handelsblatt Jahrestagung Telekommarkt Europa vom Euroforum in Düsseldorf, debitel habe von vornherein den attraktiven Discount-Tarif crash 5 zeitlich begrenzt und nach Ablauf der Mindestvertragslaufzeit von sechs Monaten ordentlich den Kunden gekündigt. Der Anbieter habe dabei die Kunden von Beginn an auf die vergleichsweise kurze Laufzeit hingewiesen. Das sei eine "ganz normale Bearbeitung eines Marktsegments", erklärte Steil. Die anbieterseitig ausgesprochene Kündigungswelle hatte vor Monaten für erhebliche Verärgerung unter den Kunden gesorgt.

Allerdings hatten nicht alle crash-5-Nutzer eine solche Kündigung erhalten. debitel hatte den betroffenen Kunden zunächst andere, für viele Kunden weniger attraktive Tarife aus seinem aktuellen Portfolio angeboten. Wer das Angebot nicht wahrnehmen wollte, musste zu einem anderen Mobilfunkanbieter wechseln und unter Umständen für die Mitnahme der Rufnummer zahlen. Auch wenn Steil dies nicht offen aussprechen mag, so hat die Reaktion der Kunden den Provider doch offenbar erreicht: Alternativ bietet debitel nun einen neuen Tarif an, der ohne Grundgebühr auskommt und den Kunden ermöglicht, für 7 Cent pro Minute in alle deutschen Netze zu telefonieren. Abgerechnet wird im Minutentakt. Der Versand einer SMS-Mitteilung kostet 19 Cent.

Obi oder Fielmann für die Telekommunikation

Der Mobilfunkprovider, der nach Abschluss der Übernahme durch freenet mit rund 19 Millionen Kunden und einem Marktanteil von 20 Prozent zur Nummer Drei auf dem deutschen Mobilfunkmarkt aufrückt, kehrt von dem bisherigen Serviceprovider-Modell ab und will sich künftig viel breiter und innovativer aufstellen. Der neue Mobilfunkanbieter will zu einem netzübergreifenden und neutralen Dienste- und Serviceanbieter bzw. -partner werden, der alle Marken sowohl im Mobilfunk- als auch im Breitband-Geschäft abdeckt, über ein großes Vertriebsnetz verfügt und neue Themen auf dem Markt besetzt. Die Bandbreite der Produkte soll dabei von den originalen Netzbetreiber-Tarifen bis hin zu eigenen Hardware- und Dienste-Bündelprodukten reichen.

Im Marketingsprech ist debitel dann der "Category Killer für Telekommunikation", so wie es beispielsweise Fielmann bei Brillen oder Obi bei den Baumärkten seien, oder der "Serviceprovider 2.0". Laut Steil verfügen weder die Netzbetreiber und Serviceprovider, noch der Fachhandel, Elektromarktketten oder unabhängige Mobilfunkshops über die Voraussetzungen, um einen solchen Weg erfolgreich zu begehen. Ihnen fehlt es entweder an der notwendigen Flächendeckung, der genügend großen Produktauswahl, der Fähigkeit, mehrere Marktsegmente zu bearbeiten, einer ausreichende Unabhängigkeit oder einem signifikanten Umsatz- und Marktanteil.

Steil: debitel kann die bestehende Lücke auf dem Markt besetzen

debitel als größter deutscher Serviceprovider verfügt nach eigenen Angaben über 650 eigene Shops, die auf über 1 000 ausgebaut werden sollen, und insgesamt über 6 000 Vertriebsstellen. Im Jahr 2007 habe das Unternehmen 5,5 Millionen Neukundenverträge abgeschlossen bzw. bestehende Verträge verlängert. Im Trend-Thema Flatrate habe debitel zeitweise 20 Prozent der Neuaktivierungen verzeichnet. Wie berichtet vereinigten Ende vergangenen Jahres debitel und freenet 82,5 Prozent der insgesamt 22,9 Millionen SIM-Karten der deutschen Serviceprovider auf sich.

Das Risiko für debitel hält sich dabei laut Steil durch das nicht vorhandene eigene Netz und den Fokus auf die reine Vermarktung sowie durch verschiedene Partnerschaften in Grenzen. Nach der abgeschlossenen Marktkonsolidierung müsse man jetzt nur sehen, wie man am besten zusammenarbeite.

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