Kostenfalle

iPhone: 4 000 Euro Datenrechnung trotz Complete-M-Tarif

Die Benutzung eines unregistrierten iPhone kann sehr teuer werden
Von Marie-Anne Winter
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Dass das iPhone gelegentlich zur Kostenfalle werden kann, haben bisher vor allem iPhone-Nutzer bemerkt, die mit ihrem Gerät ins Ausland gefahren sind. Weil das iPhone selbst dann, wenn es ausgeschaltet ist, regelmäßig Datenverbindungen aufbaut (sofern das Datenroaming nicht abgeschaltet wird), um E-Mails zu aktualisieren, können erhebliche Roaming-Kosten auflaufen, wenn man sich in anderen Mobilfunknetzen einbucht, in denen die in den iPhone-Tarifen normalerweise enthaltene Daten-Flatrate nicht gilt.

Doch es gibt auch andere Fallen: So fiel eine Kundin von T-Mobile Deutschland aus allen Wolken, als sie von ihrem Anbieter eine Mobilfunkrechnung für das von ihr gebuchte Complete-M-Paket bekam: Der Netzbetreiber verlangte für den vierwöchigen Abrechnungszeitraum GPRS-Kosten von über 3 000 Euro - für die Daten-Nutzung im Inland wohlgemerkt. Dazu summierten sich weitere Posten, so dass die Rechnung insgesamt über 4 000 Euro auswies. Eigentlich hatte sie die iPhone-Flatrate gebucht, weil ihr die Kosten für die Benutzung ihres iPhone zuvor zu hoch gewesen waren.

Wichtiges Detail vergessen

Das iPhone hatte sie jedoch nicht bei T-Mobile, sondern in den USA erworben und zunächst mit ihrem Basix-Tarif von T-Mobile genutzt. Weil das zu teuer kam - es liefen innerhalb eines Monats 700 Euro GPRS-Kosten auf - rief sie die Kundenhotline von T-Mobile an, wo man ihr empfahl, in den Complete-M-Tarif zu wechseln. So weit, so gut, der Tarifwechsel erfolgte noch am gleichen Tag. Gleichzeitig schaltete T-Mobile noch die Optionen Relax SMS 300 und T-Mobile@home auf - was die Kundin gar nicht gewünscht hatte. Leider unterließ die Kundenhotline es dann aber, die Kundin darüber zu informieren, dass sie ihr Gerät bei Apple registrieren muss, um den Tarif überhaupt nutzen zu können.

T-Mobile gleicht bei Datenverbindungen die jeweils genutzte Rufnummer mit der Identifikationsnummer des dazu genutzten iPhones ab. Weil dieses iPhone aber nicht bei Apple registiert war, gab es keine Übereinstimmung von iPhone und T-Mobile-Rufnummer, daher berechnete T-Mobile die Kosten extra.

Die Kundin ihrerseits ging davon aus, dass ihre Datenverbindungen nun über die von ihr gebuchte Flatrate abgerechnet würden und nutzte das Gerät entsprechend. Das böse Erwachen kam erst mit der nächsten Rechnung. Nachvollziehbarerweise möchte die Kundin die Rechnung nicht bezahlen, weil sie ja davon ausging, dass sie im Tarif Complete M abgerechnet wird.

Keine Garantie für Fremdgeräte

T-Mobile wiederum verweist darauf, dass das Unternehmen für Geräte, die nicht über T-Mobile verkauft werden, keine Garantie übernehme und auch nicht für die fehlerhafte Benutzung des Geräts verantwortlich sei. Die versehentlich gebuchten Optionen wurden mittlerweile abgeschaltet und gutgeschrieben, die immensen Surfkosten sind weiterhin offen.

Die enttäuschte Kundin wandte sich an einen Rechtsanwalt. Dieser vertritt die Ansicht, dass die Tatsache, dass das iPhone registriert werden muss, eine gesonderte Allgemeine Geschäftsbedingung darstellt, die der Kundin hätte zugänglich gemacht werden müssen. Weil das nicht erfolgt sei, wurde diese Klausel entsprechend nicht Vertragsbestandteil. Daher sei die gesonderte Berechnung der GPRS-Kosten unzulässig. Davon abgesehen seien die erhobenen Kosten viel zu hoch, da es wesentlich günstigere Datentarife gebe. Der Netzbetreiber rechnete in diesem Fall pro MB 7,563 Euro ab - netto. Macht brutto also rund 9 Euro pro MB Datentraffic. Das entspricht dem Preis des alten und teuren Data-Tarifs von T-Mobile, der seit geraumer Zeit nur noch von Bestandskunden genutzt werden kann.

Außerdem habe T-Mobile laut Anwalt keinerlei Sicherungsmechanismen eingebaut, die vor derartigen Fehlern schützen. Der Mobilfunker habe eine gute Kundin ins offene Messer laufen lassen. Es läge auf der Hand, dass jemand, der einen Complete-Tarif bucht, ein iPhone besitzt und hohe Datenkosten vermeiden möchte. Daher hätte es auffallen müssen, dass trotz der Buchung dieses Tarifs sehr hohe Datenkosten entstehen. Hier hätte der Anbieter die Kundin frühzeitiger informieren müssen. Außerdem hätte die Beratung der Kundin nicht nur die Empfehlung für den Complete-M-Tarif einschließen müssen, sondern auch die Information darüber, dass das iPhone dafür registriert werden muss.

Über den Fortgang des Falles werden wir berichten, sobald wir weitere Informationen bekommen.

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