iPhone 2.0

Die neue Firmware 2.0 für das Apple iPhone

Upgrade auch für das erste iPhone

Der Software-Versionssprung auf 2.0 beim iPhone kommt Anfang Juli. Genauer wollte Apple-Boss Steve Jobs gestern zum Auftakt der Worldwide Developer Conference (WWDC) in San Francisco, auf der auch das neue iPhone 3G vorgestellt wurde, nicht werden. Ursprünglich hatte er für Ende Juni die neue Firmware in Aussicht gestellt. Die iPhone-Besitzer werden ihm die leichte Verzögerung verzeihen, schließlich ist der Upgrade für sie kostenlos. Lediglich iPod-Touch-Nutzer werden mit 9,95 Dollar zur Kasse gebeten. Der Preis in Deutschland steht noch nicht fest.

Datenblätter

Auf den ersten Blick sind die Vorteile für Privatanwender bei der Version 2.0 nicht revolutionär, sondern höchstens nützlich. Tippt man im Adressbuch die ersten Buchstaben ein, werden bereits in Frage kommende Namen angezeigt. Man kann Word-, Excel- und PowerPoint-Dokumente, die als Mailanhänge aufs iPhone kommen, ansehen. Auch Fotoanhänge lassen sich abspeichern. Mails müssen nicht mehr einzeln gelöscht oder verschoben werden. Das funktioniert nun für eine größere Auswahl. Dreht man den Taschenrechner ins Querformat, wird er um wissenschaftliche Funktionen erweitert. Eltern bekommen die Möglichkeit, Anwendungen für ihre Kinder zu beschränken. Beispielsweise Einkäufe im iTunes Store.

Version 2.0 wird international: Die Software wird um etliche Sprachen erweitert, zwischen denen Nutzer leicht wechseln können. Hier kann sich Steve Jobs einen Seitenhieb auf Smartphones à la Nokia oder RIM nicht verkneifen: "Das ist der Vorteil, wenn man keine fest eingebaute Tastatur hat." So kommen beispielsweise chinesische und japanische Schriftzeichen hinzu. Dazu nutzt das iPhone, zumindest in der chinesischen Variante, eine Handschrifterkennung. Der Nutzer zeichnet mit dem Finger auf dem Touchscreen. Danach erhält er die erkannten Schriftzeichen zur Auswahl. Das erinnert stark an den Newton - Apples 1993 vorgestellten PDA mit Handschrifterkennung, der kommerziell leider kein Erfolg war.

AppStore bietet Software für jedes iPhone

Für deutsche Nutzer dürfte die Einführung des Applikation Stores (AppStore) die größte Verbesserung der Software sein. Dann können auch Nutzer von nicht freigeschalteten iPhones ihr Gerät um Software erweitern. Freie Entwickler können Programme für das iPhone schreiben und selbst den Preis festlegen. Zeigt Apples Daumen nach oben, darf die Software in die Regale des AppStores. In den 95 Tagen seit Präsentation der Entwicklungssoftware (SDK) verzeichnete Apple 250 000 Downloads. 25 000 Entwickler haben sich für das Beta-Programm beworben. Bisher wurden 4 000 von Apple akzeptiert.

Spiele werden ein großes Thema im AppStore. Fast alle Spieleanbieter arbeiten an iPhone-Versionen ihrer Verkaufsschlager. Gestern zeigte Sega seine Version von Super Monkey Ball, das für 9,99 Dollar zu haben sein wird. Aber auch eBay, der Bloganbieter TypPad und die Nachrichtenagentur Associated Press zeigten Anwendungen. Sie werden alle kostenlos verfügbar sein. Der AppStore ist ein weiterer Button auf der Startseite des iPhones. Alle Anwendungen unter 10 MB werden über das Mobilfunknetz heruntergeladen. Alles darüber benötigt eine WLAN-Verbindung. Gibt es ein Update für ein Programm, erhält der Nutzer eine Benachrichtigung.

Etliche Anwendungen von Drittanbietern benötigen eine dauerhafte Verbindung zum Unternehmensserver, auch wenn das Programm gar nicht mehr genutzt wird. Beispiele sind Instant Messenger oder die eBay-Applikation. Wird man bei einer Auktion überboten oder kommt eine neue IM-Nachricht, soll der iPhone-Nutzer dies jedoch sofort mitbekommen. Apple hat sich jedoch dagegen entschieden, die jeweiligen Anwendungen im Hintergrund weiterlaufen zu lassen. Das belaste Batterie und Prozessor zu stark. Über einen Apple Push-Dienst wird die Benachrichtigung vom Anbieter auf das iPhone des Nutzers übertragen. Der kann dann seine Anwendung wieder starten, um das höhere Gebot einzusehen oder die IM-Nachricht zu lesen. Diesen Dienst wird Apple Entwicklern jedoch erst ab September anbieten können.

Umfangreiche Business-Funktionen - von 500 Unternehmen getestet

Den größten Nutzen des Updates haben sicherlich Business-Anwender. Bei den Anforderungen hat sich Apple an den Blackberrys orientiert. Das iPhone wird im Push-Modus E-Mails, Adressen und Termine übermitteln. Eine Anbindung an einen Microsoft Exchange-Server ist möglich, genau wie der Zugriff auf die gesamte Adresskartei eines Unternehmens. Lässt ein Mitarbeiter das iPhone mal liegen oder es wird gestohlen, kann die IT-Abteilung alles löschen, so dass keine Unternehmensdaten in falsche Hände gelangen. In Zusammenarbeit mit Cicso wurden Sicherheitsfunktionen wie WPA2 und IPsec für virtuelle private Netzwerke (VPN) umgesetzt. Damit haben Anwender eine getunnelte Verbindung ins Unternehmensnetz. So können sie unterwegs oder beim Kunden Daten aus CRM- oder ERP-Programmen abrufen. Unternehmen können sogar ihre eigenen Anwendungen für das iPhone entwickeln und dann einem geschlossenen Benutzerkreis zur Verfügung stellen. Die Beta-Version der Geschäftsfunktionen ließ Apple von 35 Prozent der Fortune 500 Unternehmen testen. Darunter waren Banken, Pharmaunternehmen und Fluggesellschaften, außerdem einige Universitäten und sogar das Militär. In der gestrigen Präsentation zeigten sich alle in einem Video begeistert von den neuen Möglichkeiten.

Für Privatanwender dürfte jedoch MobileMe deutlich interessanter sein. Vereinfacht gesagt ist das ein "Exchange Server" im Internet. Unter der Adresse Me.com kann der Nutzer den Dienst für sich einrichten. Danach werden alle seine E-Mails, Adressen und Termine auf seinen Endgeräten synchronisiert. Ändert er beispielsweise eine Adresse im Computer, ist das iPhone zeitgleich auf demselben Stand – ohne Kabelverbindung. MobileMe läuft auf Mac und PC, da es webbasiert ist. Die Datensynchronisation funktioniert mit den üblichen Apple-Programmen und Outlook. Das Angebot ersetzt das bisherige .Mac und wird ebenfalls Anfang Juli zugänglich sein. Nach einer 60-tägigen Testphase wird es bei einem Speichervolumen von 20 GB im Netz 99 Dollar pro Jahr kosten.

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