Diskussionsrunde

Breitband auf dem Land: "Mit Kabel nicht machbar"

VATM Telekompass: Lösungsansätze für die bundesweite Breitbandversorgung
Von Thorsten Neuhetzki

50 MBit/s Bandbreite in einer Großstadt sind heute dank VDSL recht leicht zu haben. Auch 6 oder 16 MBit/s in einer durchschnittlichen Kleinstadt sind keine Seltenheit mehr. Problematisch wird es aber, wenn man weiter in die Fläche geht: 2200 Gemeinden und Kommunen sind nach aktuellem Stand abgeschnitten von der breitbandigen Internetversorgung. "Wir müssen dringend für einen harmonischen Ausgleich zwischen Städten und der Fläche sorgen", sagte dazu gestern Abend der Arcor-Vorstandsvorsitzende und VATM-Vizepräsident Harald Stöber bei der Podiumsdiskussion "VATM Telekompass".

Man müsse Infrastruktur in die Fläche bringen, sonst gebe es ein massives Gefälle das zu einem volkswirtschaftlichen Problem führe. Doch er sieht kein Allheilmittel, sondern mehr ein Miteinander verschiedenere Technologien und Firmen. Es gebe einen "Blumenstrauß an Möglichkeiten", angefangen vom Satellit über Powerline hin zu Glasfaser und Rundfunkfrequenzen. Wichtig dabei sei, dass man zunächst erfasse, wo es noch weiße Flecken gibt. Denn unter geschickter Nutzung der geografischen Besonderheiten könne man effektiv in die Flächenversorgung gehen. So hat Arcor in zwei Gemeinden in Thüringen und Sachsen-Anhalt ein VDSL-Pilotprojekt gestartet, weil der Arcor-Backbone direkt am Ort vorbeiführt.

Dirks: 900 Megahertz für UMTS freigeben

Das hochgelobte und als Allheilmittel versprochene WiMAX sahen weder Stöber noch der Chef der E-Plus-Gruppe, Thorsten Dirks, positiv. Seit der Versteigerung im Dezember 2006 sei praktisch nichts passiert. Dirks forderte vielmehr, die auf GSM festgeschriebenen Frequenzen im 900-MHz-Bereich (bekannt als D-Netz-Frequenzen) freizugeben für andere Technologien. Mit diesen niedrigen Frequenzen könnte man beispielsweise UMTS viel schneller und günstiger in die Fläche bringen als auf den für UMTS vorgesehen Frequenzen um 2,1 GHz.

Gleichzeitig warnte Dirks aber davor, die Frequenzen nun einfach umzuwidmen. Das ergebe eine Wettbewerbsverzerrung, weil T-Mobile und Vodafone historisch bedingt mehr Frequenzen in diesem Bereich haben als E-Plus oder o2.

Politik hält nichts von Universaldienst-Verpflichtung

Als gesetzlich vorgeschriebener Telekommunikations-Universaldienst gilt noch immer ein analoger Telefonanschluss, der dem Nutzer eine Bandbreite von bis zu 56 kBit/s ermöglicht. Nicht einmal ISDN ist als Mindestverpflichtung vorgesehen. Die Politik hält aber scheinbar nichts davon, das Thema Breitband in die Universaldienst-Verpflichtung aufzunehmen. "Ein Universaldienst ist nicht zielführend", so Dr. Martina Krogmann, Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Gleichzeitig glaube sie aber an eine flächendeckende Versorgung. Es könne jedoch durchaus sein, dass man "die letzten Einöd-Höfe nur per Satellit" erreichen könne.

Wichtig sei vor allem, die betroffenen Kommunen besser zu informieren. Sie erlebe es immer noch, dass sie im ländlichen Raum zu "Breitband"-Veranstaltungen einlade, die ehrenamtlichen Politiker aber denken, sie wolle über Breitband-Penicillin - also Medizin - sprechen.

In der SPD sieht man das Thema Universaldienst aktuell ähnlich, behält sich aber durchaus vor, "die Keule" eines Tages rauszuholen. Man müsse sich die Frage stellen, wie lange man noch wartet, so Klaus Barthel, Bundestagsabgeordneter und Telekommunikationsexperte der SPD. "Allzu viel Zeit bis zum Universaldienst bleibt nicht."

Stöber: "Politik darf Eigenverantwortung nicht vergessen"

Gegen eine mögliche "Universaldienst-Keule" wehrte sich Arcor-Chef Stöber jedoch heftig. Die Politik könne nicht davon ausgehen, dass die Anbieter unter den gegebenen Bedingungen das komplette Land mit Breitband versorgen. "Die Politik vergisst ihre Eigenverantwortung" und sei gefordert, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehören auch entsprechende Funkfrequenzen, denn 60 Prozent der Kosten für die Breitbanderschließung würden für das Graben vor Ort ausgegeben. Das Problem bei den Rundfunkfrequenzen: Die entsprechende Vergabe ist Ländersache. "Mit Kabeln können wir das Problem nicht lösen", pflichtete E-Plus-Chef Dirks dem bei.